12.12.2017, 11:22 Uhr

Bezirk Melk: Unfallopfer zu Falschaussage gedrängt

(Foto: Ilse Probst)

Alkoholisierter 29-Jähriger verlangte von seinem schwer verletzten Arbeitskollegen eine Falschaussage.

BEZIRK (ip). Drei von insgesamt zwölf Monaten Freiheitsstrafe muss ein 29-Jähriger aus dem Bezirk Melk in Haft verbüßen, lautete das Urteil des St. Pöltner Richters Slawomir Wiaderek (nicht rechtskräftig). Verteidiger Marc Gollowitsch erbat im Namen seines Mandanten drei Tage Bedenkzeit.

Arbeitskollege verletzt

Auf der Anklagebank landete der Arbeiter nicht nur, weil er im betrunkenen Zustand einen Verkehrsunfall verursachte, bei dem ein Arbeitskollege schwer verletzt wurde. Noch bevor er, auf Verlangen des Opfers, die Rettung verständigte, drängte er den Arbeitskollegen zu einer Falschaussage, wonach die Mutter des 29-Jährigen den Audi gelenkt habe.
Der Unfall ereignete sich, laut Staatsanwältin Julia Berger, am 24. August 2017 unmittelbar vor dem Wohnhaus des Beschuldigten. Der mit 1,06 Promille alkoholisierte Lenker bog in eine Straße ein, wobei er die Vorrangregeln verletzte und mit einem entgegenkommenden Motorradfahrer kollidierte. Dieser erlitt durch den Zusammenstoß mehrere Brüche und erschien auf Krücken beim Prozess. „Der Fuß ist noch immer nicht in Ordnung“, meinte der 44-Jährige, der auf die ersten Worte des Angeklagten nach dem Unfall wütend reagierte und ihn aufforderte: „Ruf endlich die Rettung!“ Mit den Forderungen von Opfervertreter Martin Kaufmann verwies Wiaderek wegen eines fehlenden Gutachtens vorerst auf den Zivilrechtsweg.

"Freundin brauchte Auto"

Nach den Hintergründen befragt, erklärte der 29-Jährige, dass ihn ein Freund in den Morgenstunden nach einem Lokalbesuch eigentlich nach Hause fahren wollte. Sein Audi stand vor dem Haus des Freundes, etwa einen Kilometer von seinem Wohnhaus entfernt. Da seine Lebensgefährtin den Audi brauchte, sei er dann doch selbst nach Hause gefahren. Er müsse einen Schock gehabt haben, denn er könne sich gar nicht erinnern, den Arbeitskollegen zu einer solchen Falschaussage gedrängt zu haben.

Story glaubhaft erzählt

Dass er auch noch im Schock dem ermittelnden Beamten eine umfassende Story lieferte, wonach seine Lebensgefährtin, die ihn abgeholt habe, das Fahrzeug lenkte, war für den Richter nicht nachvollziehbar. „Sie haben versucht, die Schuld jemand anderem in die Schuhe zu schieben“, konterte Wiaderek, der vom zuständigen Beamten schließlich erfuhr, dass diesem die Version mit der Lebensgefährtin zunächst durchaus glaubwürdig erschien. Als er die 30-Jährige im Wohnhaus mit dem Vorwurf konfrontierte, reagierte sie zunächst spontan mit „Ja“, sie sei gefahren. Unmittelbar danach korrigierte sie der Wahrheit entsprechend und ergänzte im Zeugenstand, dass auch keine Rede davon gewesen sei, dass sie das Fahrzeug gebraucht hätte.
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