Impfen
Mistelbacher fragen sich: Impfen oder nicht impfen
- <f>Die Zahl der impfkritischen Menschen</f> übertrifft bereits die jener, die strikt nach Plan impfen lassen.
- Foto: Marina Kraft
- hochgeladen von Karina Seidl-Deubner
BEZIRK (mk). Ein heutzutage geborener Mensch bekommt bis zu seinem 18. Geburtstag zirka 50 Impfungen. Während die einen darin den medizinischen Fortschritt und die Ausrottung gefährlicher Krankheiten sehen, finden Kritiker viele Impfungen schlicht für überflüssig. In unserer neuen Serie „Gute Impfung, schlechte Impfung“ beleuchtet Medizinjournalist Bert Ehgartner ab dieser Woche Vorteile und Nachteile des Impfens. Wir haben unsere Ärzte im Bezirk gefragt, wie es um die Impfmoral steht und welche Impfungen sie empfehlen – oder auch ablehnen.
Eltern entscheiden
Kinderarzt Thomas Brandhuber aus Mistelbach gibt an alle Eltern Impfempfehlungen ab. "Es gibt keine Pflichtimpfungen, aber es gibt viele vernünftige Impfungen. Die Eltern müssen allerdings selbst entscheiden, wann und wie oft sie ihre Kinder impfen lassen." Laut Brandhuber haben Impfungen keinen Einfluss auf das Immunsystem, es wird auch durch häufiges Impfen nicht überfordert. Auch die Grippeimpfung legt er älteren Menschen ab 60 Jahren ans Herz. "Ich impfe mich jedes Jahr. Die Grippe ist eine ernste Erkrankung, da erholt man sich nicht gleich wieder." Würden alle Menschen sich konsequent impfen lassen, könnten auch einige Krankheiten gänzlich ausgerottet werden. "Ein Paradebeispiel sind die Pocken. Diese kommen seit 40 Jahren nicht mehr vor. Dies ist ein großer Erfolg der WHO", so der Mistelbacher Arzt. Warum es immer mehr impfkritische Menschen gibt, liegt für ihn auf der Hand. "Die große kritische Einstellung hat sich dadurch entwickelt, dass sich die Menschen heutzutage nicht mehr gerne von Irgendwem bevormunden lassen."
Überimpfen unmöglich
Bezirksärztevertreter Oskar Schindler ist Allgemeinmediziner und Sportarzt in Mistelbach und Groß-Schweinbarth. Und er spricht sich für das Impfen aus. "Natürlich muss man regelmäßig den Impfpass kontrollieren und laut dem Impfplan vom Ministerium impfen." Überimpfen ist in seinen Augen unmöglich. "Das ist reiner Humbug. Natürlich kann jeder Impfstoff auch Nebenwirkungen haben, aber nicht zu Impfen ist für mich leichtsinnig", so der Sportarzt. Den Trend hin zum Nicht-Impfen hat er nicht am Radar. "Impfgegner sind bei uns am Land selten."
ZUR SACHE
Impfungen bewirken einen Schutz der geimpften Person (Individualschutz). Zusätzlich bewirken viele Schutzimpfungen, wie z.B. die Masernimpfung, dass auch nicht immune Personen indirekt geschützt werden, weil die Verbreitung von Infektionen verhindert wird (Gemeinschaftsschutz). In Österreich gibt es keine Impfpflicht, sondern nur Impfempfehlungen.
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