Kommentar
Der Austritt der Halbtags-Europäer

Der Brexit wird der EU nicht gefährlich werden  | Foto: EU Parlament
  • Der Brexit wird der EU nicht gefährlich werden
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Ende März kommenden Jahres tritt Großbritannien aus der EU aus. Endlich, möchte man nach den schier endlosen und zähen Brexit-Verhandlungen sagen. Natürlich ist der Austritt Großbritanniens aus der EU bedauerlich. Und weil die Wirtschaft heute global vernetzt ist, wird der Brexit auch Österreichs Wirtschaft in der einen oder anderen Form treffen.

Die Briten waren Halbtags-Europäer

Dennoch ist der Brexit keine Katastrophe. Endlich ist Schluss mit dem britischen Sonderweg. Die Briten waren bestenfalls Halbtags-Europäer. Sichtbarstes Zeichen dafür war die Tatsache, dass Großbritannien nie der Euro-Zone angehörte.

Und der EU-Beitrag war seit 1984 durch den sogenannten Briten-Rabatt geringer als er aufgrund der Wirtschaftskraft des Landes eigentlich hätte sein müssen. Und das, weil die damalige EU vor der "Eisernen Lady" Margaret Thatcher in die Knie ging. 

EU drohen ganz andere Gefahren

Alles in allem verabschiedet sich mit Großbritannien ein Land aus der EU, welches ohnedies nie richtig dabei war. Und übersehen wird auch, dass die britischen Pro-Europäer lediglich für eine Fortsetzung ihrer Extrawurst-Politik eintreten, sonst aber von der EU nicht viel halten. Fazit: der Brexit wird der EU nicht gefährlich werden.

Die nicht bewältigte Flüchtlingsfrage, die gewaltige Arbeitslosigkeit in den südeuropäischen Ländern, die hohen Schulden vieler Staaten (auch von Österreich) sowie linke wie rechte Populisten sind eine weitaus größere Gefahr für den Zusammenhalt der Union und unsere Wirtschaft als das der Brexit ist.

Leserbriefe

Small is beautiful

Man hört von Befürwortern der EU oft die Begründung, dass eine „starke EU“ notwendig sei, um sich in der Welt zu behaupten. Meistens hört man das im Zusammenhang mit der Wirtschaft. Ich mag dieses Wort von der „starken EU“ gar nicht. Sind wir denn in einem Krieg, weil es so wichtig sein soll, stark zu sein? Ein permanenter Wirtschaftskrieg, in dem sich die Länder gegen einen mächtigen Feind zusammenschließen müssen, so wie sich Bündnispartner in einem Krieg finden? Grenzenlose Konkurrenz mit einem überbordenden Verkehr? Wo alles immer anonymer und unübersichtlicher wird und der „kleine Mann“ auf der Strecke bleibt? Das ist wohl nicht die Welt, in der die meisten Menschen leben möchten, außer vielleicht jene, die von diesen großen, grenzüberschreitenden Strukturen profitieren, die multinationalen Konzerne, das internationale Finanzsystem und ihre Helfershelfer in der Politik. Deshalb wird dem unbefangenen Beobachter der Entwicklung der letzten Jahre immer unbehaglicher. Sein Instinkt sagt ihm, dass das kein gutes Ende nehmen kann. Diese Entwicklung hat in Europa einen Namen. Er lautet EU. Ich träume dagegen von einer Vielfalt von kleinen Staaten, in denen wirkliche Demokratie gedeihen kann, weil ihre Vertreter der Bevölkerung unmittelbarer Rechenschaft geben müssen. Zwischen denen reger materieller und geistiger Austausch stattfindet, ohne eine bevormundende, übergeordnete Instanz. In denen die Wirtschaft für die Bevölkerung da ist und nicht die Bevölkerung für die Wirtschaft in den Händen der supranationalen Heuschrecken. In denen man Kleinheit nicht als Schwäche, sondern als Vorteil sieht - wie unser Salzburger Landsmann Leopold Kohr: Small is beautiful. Schließlich sind die Dinosaurier zugrunde gegangen, die kleineren Wesen haben überlebt.

Norbert S.

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