05.09.2016, 15:30 Uhr

Ein Bericht über die Premiere "Wie Dilldapp nach dem Riesen ging" im Sommerkindertheater in Perchtoldsdorf

Florian Werkgartner, Klemens Dellacher (Foto: Stefan Reichmann)
Perchtoldsdorf: Kulturzentrum Perchtoldsdorf |

Vom Riesenmut des Bäckerjungen

Im Reich des Königs rumpelt und wackelt es. Das liegt am Riesen, der hinter den Bergen alle 150 Jahre erwacht und für Unruhe sorgt. Dem Mutigen, der auszieht, ihn zu besänftigen, sind Prinzessin, Schloss und Frühstücksei versprochen. Diese Belohnung lockt den zwielichtigen Kalle an, der es versteht, den gutmütigen Bäckerjungen Dilldapp für sich einzuspannen. Der schafft es auf Umwegen, den Riesen zur Ruhe zu bringen. Die Belohnung beansprucht zwar Kalle für sich, aber Prinzessin Lenchen hat längst ihr Herz an Dilldapp verloren, und so steht einem Happy End nichts mehr im Wege.

Wie Dilldapp nach dem Riesen ging“, in diesem Sommer auf dem Spielplan des beliebten Sommerkindertheaters in Perchtoldsdorf, stammt aus der Feder des arrivierten Bühnenautors Tankred Dorst. Das Stück jongliert augenzwinkernd mit klassischen Märchen- und Theaterelementen.

Regisseurin Birgit Oswald greift den ernsten Hintergrund und die heitere Note des Stückes mit vielen szenischen Einfällen auf. Das ist witzig mit hohem Wiedererkennungswert, nimmt dennoch die Figuren und ihre Nöte ernst. Statt auf oberflächliche Wirkung setzt die Regisseurin und das Ensemble in der Figurenzeichnung auf eine differenzierte Charakterisierung menschlicher Eigenschaften, die Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Spaß macht. Das vielseitige und überraschend bespielte Bühnenbild und die phantasievollen Kostüme, die die Regisseurin mit Richard Prack (Bühnenbau) und Natalie Pedetti (Kostümherstellung) entworfen hat, unterstützen das vergnügliche Geschehen.
Florian Werkgartner spielt den Dilldapp als gutherzigen, hilfsbereiten Menschen, der seine eigenen Interessen so weit hintanstellt, dass er oft ausgenutzt wird. Bei seinem Gegenspieler Kalle lässt Klemens Dellacher bei aller Großmäuligkeit und Skrupellosigkeit immer auch die Sehnsucht nach Anerkennung und Zugehörigkeit erkennen. Viktoria Hillisch balanciert nicht nur auf dem Einrad, sondern ebenso zwischen Zartheit und Quirligkeit der lebenslustigen Prinzessin Lenchen. Köstlich auch ihr überdrehtes Perlhuhn Sheila.

Den König gibt die Regisseurin selbst, die äußerst kurzfristig für die erkrankte Sabine Hollweck eingesprungen ist. Sie bewältigt souverän Text und Aktionen des Königs und zeigt darüberhinaus einen Herrscher von witziger, polternder Gutmütigkeit und dem Hang zur liebgewordenen Bequemlichkeit. Bettina Reifschneider ergänzt die absonderliche Hofgesellschaft mit Verve und Witz als reimende und strickende Tante und als Schnecke, die es eilig hat. Den Hofnarren Schluri spielt Karoline Gans in der humorvoll angelegten Zerrissenheit zwischen Loyalität und Eigeninteresse. Sie zeigt zudem ihr musikalisches Talent an einer ganzen Reihe von Instrumenten von Gitarre bis Dudelsack. Theresa Schwarzkopf ist überzeugend als sprachverwirrtes uraltes Wesen und als Wächter zu sehen.

Wie in den Jahren zuvor zeigt das Perchtoldsdorfer Sommerkindertheater am Kulturzentrum in der Beatrixgasse mit „Wie Dilldapp nach dem Riesen ging“ unterhaltsames und anspruchsvolles Theater als Sommervergnügen für Kinder und Erwachsene.

Karten für das Sommerkindertheater gibt es im Infocenter Perchtoldsdorf (01 – 86683400) und bei der Raiffeisenbank Wienergasse (05 – 9400 1405). Online unter www.perchtoldsdorf.at/tickets
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