Markus Achleitner wird Landesrat – Christine Haberlander wird Landeshauptmann-Stellvertreterin

Der designierte Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner und Landeshauptmann Thomas Stelzer (re.).
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OÖ. Die Würfel in der Landes-ÖVP sind gefallen: Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Strugl wechselt mit Jahresende in die Wirtschaft und wird Vorstand beim Verbund-Konzern. Ihm folgt der bisherige Eurothermen-Generaldirektor Markus Achleitner als Wirtschafts-Landesrat nach. Neue Landeshauptmann-Stellvertreterin wird Gesundheits- und Bildungslandesrätin Christine Haberlander. "Markus Achleitner war der einzige, den ich gefragt habe", sagt Landeshauptmann Thomas Stelzer. Der Eurothermen-Chef habe bewiesen, dass er ein Top-Manager sei und das Großunternehmen Eurothermen erfolgreich geführt habe.

Die Budget-Verantwortung, die bisher zwischen Stelzer und Strugl aufgeteilt war, wandert wieder komplett in den Verantwortungsbereich des Landeshauptmanns. Das Standort-Ressort, das vor eineinhalb Jahren auf Strugl zurechtgezimmert wurde, bleibe aber bestehen, kündigt Stelzer an.

Achleitner wird im Dezember 2018 angelobt

Die Bestellung von Markus Achleitner ist im ÖVP-Parteivorstand einstimmig gefallen – bis Jahresende hat der gebürtige Grieskirchner jetzt Zeit, sich einzuarbeiten. Im Dezember 2018 soll er im Landtag angelobt werden. "Ich war sehr überrascht, als mich der Landeshauptmann vor zwei Wochen angerufen hat. Die Politik war eigentlich in meiner Lebensplanung nicht vorgesehen und auch die Eurothermen gibt man nicht so leicht auf, wenn man das so lange gemacht hat wie ich", so Achleitner. Er habe aber trotzdem zugesagt, da er die Chance Oberösterreich mitzugestalten, ergreifen wolle. Inhaltlich will der designierte Wirtschafts-Landesrat "bei Regulierungen durchlüften" und ein "Partner der Industrie und Wirtschaft sein".

Angesprochen auf seinen ausgeprägten Humor meint Achleitner: "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Ich sage Ihnen also zu, dass ich meinen Humor in der Politik nicht verlieren werde. Aber, glauben Sie mir: Meinen Wirtschaftskonzern konnte man nicht nur mit Spaß führen, sondern mit Ernsthaftigkeit und mit Wirtschaftskompetenz. Und genau so wird das in der Politik auch sein."

Interview mit Wirtschafts-Landesrat (in spe) Markus Achleitner

Wie schwer war für Sie persönlich die Entscheidung jetzt, nach 21 Jahren Eurothermen, in die Politik zu gehen?
Wenn man etwas über 20 Jahre aufbaut, legt man es nicht einfach so zur Seite. Als ich das übernommen habe waren es noch die Landeskuranstalten – die auch genauso waren, wie sie geheißen haben. Die haben wir in einem guten Reformprozess zum größten Tourismusbetrieb Oberösterreichs gemacht. Es war natürlich schon ein Thema: Gibt man das auf oder nicht? Der Landeshauptmann hatte aber ein gutes Argument, er hat gesagt: ‚Das ist ganz einfach: Jetzt geht es um das ganze Land. Ich brauche deine Qualitäten für das ganze Land. Und bei den Eurothermen kannst du selber deine Nachfolge suchen, nachdem der Beteiligungsbereich des Landes bei dir ressortiert, hast du auch künftig ein Auge drauf‘.

Aber es ist natürlich schon eine gewaltige Wertschätzung, wenn man so ein Amt angeboten bekommt. Man denkt den ganzen Tag darüber nach, das kann ich sagen. Aber wenn man sieht, was die Herausforderungen sind – die überschießenden Regelungen und so weiter – dann ist der Reiz wirklich groß, wenn man die Chance erhält das größte Wirtschaftsbundesland mitverändern zu können: Dann ist das Ansporn ohne Ende.

Zur Nachfolge in der Eurotherme: Sie werden da also ein Wörtchen mitreden können?
Ich werde das selber organisieren und in die Wege leiten. Wir haben ja mit dem Wechsel von Michael Strugl – noch ein halbes Jahr Übergangszeit. Das ist sehr gut, weil ich die Projekte, die bei den Eurothermen in Umsetzung sind, noch abschließen und für meine eigene Nachfolge sorgen kann. Gleichzeitig kann ich mich im Wirtschaftsressort quasi einarbeiten. Damit ich dann, wenn ich antrete, nicht mehr ganz "neu" bin.

Haben Sie schon jemanden als Nachfolger im Auge?
Überhaupt nicht. Nachdem ich erst am Donnerstagvormittag im ÖVP-Parteivorstand gewählt wurde, habe ich bis zum Ende der Woche alle Themen für meine künftige Funktion am Radar. Und ab Montag bin ich wieder Eurothermen-Geschäftsführer.

Michael Strugl war ja bisher auch teilweise für Finanzen zuständig und Landeshauptmann-Stellvertreter. Fühlen Sie sich etwas „zurückgesetzt“, dass Sie das nicht geworden sind?

Völlig im Gegenteil. Das Finanzressort gehört in eine Hand. Das habe ich dem Landeshauptmann in einem Gespräch selber gesagt. Es gibt kein Unternehmen, in dem man Finanzzuständigkeiten auf zwei Personen aufteilt. Wichtig ist nur, dass das Standort-Ressort gleich geblieben ist, denn dort laufen alle Fäden zusammen, um den Standort Oberösterreich wirklich zukunftsfähig zu machen.
Und zum Thema LH-Stellvertreter: Ich werde nicht als Newcomer als Landeshauptmann-Stellvertreter einsteigen und das Signal, dass erstmals eine Frau diesen Titel hat, hat von uns allen die volle Unterstützung.

Sie haben bei Ihrer Vorstellung schon Deregulierung und Bürokratieabbau als Ziele genannt. In welchen Bereichen wollen Sie noch Schwerpunkte setzen?
Die digitale Revolution, die wir erleben, müssen wir als Chance begreifen und in diesem Bereich etwas tun. Dann brauchen wir unbedingt Wissenschaft und Forschung, quasi als Turbo der Wirtschaft für die Zukunft. Je besser wir diese Schnittstelle bedienen, desto mehr Vorteile werden wir in Zukunft haben. Deshalb habe ich bereits mit JKU-Rektor Meinhard Lukas gesprochen, der sich darüber gefreut hat, dass bei mir dieses Thema ganz oben auf der Agenda steht.

Was wird die größte Umstellung vom Geschäftsführer Achleitner zum Landesrat Achleitner – von Wirtschaft in die Politik?

Der große Vorteil ist, dass ich eine Sicht von außen in die Politik mitbringe. Ich werde das, was wir tagtäglich in der Wirtschaft erleben – Stichwort Fachkräftemangel, überbordende Regulierung, usw – in die Politik mitnehmen.
Es gibt viele Beispiele, dass Menschen immer weniger Freude am „unternehmen“ haben – und da müssen wir durchlüften, um arbeiten zu können. Für die Mitarbeiter genauso wie für die Unternehmen.

Mir ist klar, dass im politischen Geschäft die Entscheidungsprozesse nicht genau so schnell sind, wie in Unternehmen, aber es gibt viele Parallelen. Wenn man Sachen verändern will, ist es überall gleich: Man muss sehr viel kommunizieren und Verständnis erzeugen. Die Menschen müssen wissen, warum es einen Veränderungsprozess gibt und dann ziehen die Menschen auch mit. Verunsicherung muss man durch Kommunikation und miteinbinden der Menschen begegnen. Das aus der Praxis mitzubringen, ist auch ein Grund, warum ich so einen Ansporn habe, in die Politik zu gehen.

Der designierte Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner und Landeshauptmann Thomas Stelzer (re.).
Markus Achleitner ist am 22. April 1969 in Grieskirchen geboren, ist verheiratet und hat drei Kinder.

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