20.03.2017, 15:54 Uhr

Einfach näher dran mit Reinhold G. Moritz aus Deutschkreutz: Der Schauspieler & Hobby-Winzer

Familie: Reinhold G. Moritz begegnet allen Menschen unvoreingenommen. Leben und leben lassen ist sein Motto. (Foto: Foto: privat)

Reinhold G. Moritz wurde 1966 in Eisenstadt geboren und wuchs in Deutschkreutz auf.

DEUTSCHKREUTZ (EP). Nach einer Ausbildung zum Elektrotechniker wurde er Schaupieler. Wie er zu diesem Beruf kam und was er an Deutschkreutz so spannend findet, erzählte er den Bezirksblättern in einem Interview.

BEZIRKSBLÄTTER: Sie sind in Deutschkreutz aufgewachsen und zur Schule gegangen. Was sind ihre prägendsten Erinnerungen an ihre Kindheit/Jugend?

Meine prägendsten Erinnerungen an meine Kindheit waren natürlich das familiäre Umfeld, helfen in Haus und Garten und andererseits das Spielen mit meinen Freunden und Schulkameraden rund um die Gemeinde am Kreitzer Hotter - das Herumwaten in den Bachbetten, Lagerbauen in den Lösschichten im Biri (Weingebirge), Verstecken - und Indianerspielen und dann vor allem die "verbotenen" Sachen, wie: da eine Strohtristen erklimmen, dort ein Feuer anzünden, Kukuruz stehlen, in privaten Teichen fischen und vor allem in den damals noch versperrten "Schafflerhof" neben dem Schloß eindringen und diesen zu erkunden.

Beschreiben Sie bitte kurz ihre Familie, und haben Sie viele Verwandte in Deutschkreutz?

Meine Eltern haben in den 50iger Jahren ein Textilgeschäft aufgebaut und da bin ich mit meinen drei Geschwistern (zwei Brüder und eine Schwester, die dann in den 80iger auch den Laden übernommen hat) aufgewachsen. Als Nachzügler – 7 Jahre jünger als mein nächster Bruder der dann nach Kanada ausgewandert ist, 14 Jahre jünger als mein ältester -– hatte ich immer Vorbilder auf die ich hinaufschauen könnte. Wichtig war auch der Bezug zur Oma, die noch am Bauernhof gelebt hat, da gabs in der Kindheit noch Hühner und ab und zu noch einen Sautanz. Sowohl väter- als mütterlicher Seite gabs und gibt's noch Onkeln und Tanten mit vielen Cousin/en zu denen ich nach wie vor sehr engen Kontakt habe.

Sie sind gelernter Elektrotechniker. Wann hatten Sie den Wunsch Schauspieler zu werden?
Mit 15 bin ich zusammen mit meinen besten Freunden nach Pinkafeld an die HTBL und habe mich quasi im Zufallverfahren für Elektrotechnik entschieden, ohne Plan warum – einfach weil meine Kumpels auch da waren. Das war aber auch eine sehr prägende Zeit, mit ein paar sehr spannenden Deutschlehrern , die mich an die Literatur herangebracht haben. Aber Schauspieler zu werden war damals noch kein Thema, weil ich absolut keine Ahnung und Vorstellung davon hatte, dass man diesen Beruf auch erlernen kann. Erst nach Bundesheer und eineinhalb Jahren auf "Walz" in Kanada und den USA, bin ich dann nach Wien. Dort habe ich zwei Jahre für eine Computerfirma gearbeitet und erst da begonnen ins Theater zu gehn und da wurde das Feuer entfacht. Schlussendlich bin ich am "Graumanntheater" gelandet, wo ich unter anderem mit und von Michael Niavarai gelernt und gespielt habe.

Inzwischen haben Sie sich etabliert, was sind die schönsten Seiten an ihrem Beruf, was die weniger angenehmen?

Die schönen Seiten des Schauspielberufs sind, dass man immer wieder mit absolut neuen Menschen zu tun hat. Vor allem wenn man so wie ich als freiberuflicher Schauspieler, ohne Bindung an ein fixes Ensemble, unterwegs ist. Man lernt ständig neue Leute kennen - – man muss sich nicht unbedingt immer mögen, aber es schult sehr gut im respektvollen Umgang mit andern Menschen. Und vor allem: im Probenprozeß, beim wochenlangen Erarbeiten von Theaterstücken kann man den kindlichen Spieltrieb freien Lauf lassen. Und das Spielen der fertigen Stücke ist dann ein voller Genuß, wenn man das Publikum spürt: Lachen, gespanntes Zuhören, ohne Publikum wäre das ganze vollkommen sinnlos!
Die weniger angenehmen Seiten sind die ständige Ungewissheit, was nach dem nächstem Stück kommt. Wann kommt der nächste Anruf, manchmal hat mal drei oder vier Angebote gleichzeitig dann monatelang keines. Noch schwieriger wird es, so wie jetzt bei mir, wenn man auch Film und Fernsehen macht. Da wird's dann echt kompliziert die Termine zu koordinieren. Aber bei mir und auch meiner Frau läufst sehr gut, kein Grund zum Jammern.

Sie sind oft in der alten Heimat, was schätzen Sie an Deutschkreutz und dem Mittelburgenland?
Die Heimat habe ich erst richtig lieben gelernt als ich mit 21 Jahren nach den eineinhalb Jahren in Nordamerika zurück gekommen bin. Ich habe viel dort drüben gesehn und erlebt, aber dann habe ich es schätzen gelernt wie schön es auch bei uns im Mittelburgenland ist. In Kreitz habe ich meine Familie, meinen 92 jährigen Vater, einen Bruder und die Schwester samt Familien und sehr viele Freunde.

Gibt es Lieblingsplätze in Deutschkreutz wo sie sich besonders gerne aufhalten?

Absoluter Lieblingsort ist mein Weingarten in der Riede Hölzl . Dort ohne Druck vor mich hinarbeiten ist der volle Genuß. Nach getaner Arbeit drehe ich meistens eine Runde durch die Weinberge und dann meistens einen Sprung zu Albert Gesellmann, für den ich Vertragsweinbauer bin und red mit ihm über Wein und dies und das. Heuer pachte ich sogar eine kleine Fläche dazu und werde neue Reben aussetzen. Und natürlich: den einen oder anderen Spritzer in einem der Wirtshäuser und Heurigen hol ich mir auch immer und Treff dort Freunde.

Was machen Sie am liebsten wenn Sie hier sind? Und gibt es einen Unterschied zu früher?
Früher in der Jugend war natürlich wichtig am Wochenende auf die Piste zu gehn . Zuerst mit den Freunden in Kreutz und spätnachts ist man dann entweder in Horitschon beim "Laza" oder in Pullendorf beim Kobor gelandet.
Heutzutag verbringe ich Zeit mit meiner Familie im Haus in der Burgenlandstraße . Da gibt's einen Garten mit vielen Obstbäumen, die auch Pflege brauchen . Abends sitzt man dann bei Freunden oder der Schwester und trinkt das eine oder andere Glas Blaufränkisch Wein.

Sie treten ja regelmäßig in Deutschkreutz auf. Ist das Publikum hier anders?
Wenn ich in Deutschkreutz auftrete, dann ist der große Unterschied dass ich fast alle im Publikum kenne! Ich bin ja grundsätzlich Schauspieler der fremde, also von Schrifstellern ersonnenen Texte zum Leben erweckt, aber für Kreitz versuche ich mich dann als Kabarettist und schreibe meistens ein eigenes, auf Deutschkreutz und seine "Persönlichkeiten" bezogenes Programm. Und das ist dann immer etwas sehr besonderes und lustiges.

Haben sie ein Motto nach dem Sie ihr Leben gestalten?
Früher war's mal Augen zu und durch. Heutzutage versuche ich Stress zu vermeiden, was manchmal wie jetzt in Endprobenphasen schwierig ist, jeden Tag zu genießen. Und jeden Menschen vorerst mal unvoreingenommen als Individuum zu begegnen. Aaso vor allem auf keinen Fall so wie es uns bestimmte politische Gruppierungen mit den einfachen Losungen vortrommeln: die da oben, die Ausländer, die Flüchtlinge, die Nichtraucher, die Radlfahrer, bla bla bla - immer eine Feindbild erzeugen ohne das Gesicht dahinter, so einfach ist's nun mal nicht. Ich steh' für leben und leben lassen.


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