21.11.2016, 13:38 Uhr

So schmeckt der Jahrgang 2016 im Bezirk Oberwart

Vor der Verkostung wurde zu Martini der Taufwein - ein typisch Rechnitzer Welschriesling - von Pfarrer Carsten Marx und Diakon Resetar gesegnet. (Foto: Gemeinde Rechnitz)

Die heurigen Wetterkaptriolen setzten den Winzern mächtig zu, trotzdem muss im kommenden Jahr nicht auf den burgenländischen Wein verzichten.

OBERWART (kv). Nach einem viel zu milden Winter und einem daraus resultierenden frühen Austrieb erlebten die Weinbauern in beinahe allen Weinbaugebieten in der letzten Aprilwoche einen verheerenden Spätfrost. Auch in Rechnitz waren sehr viele Weingärten nahezu vollständig abfroren. Die größten Verluste mussten jedoch die Weinbauern am Csaterberg einstecken sowie auch in den Gegenden um Deutsch Schützen und Eisenberg. "Wir hatten heuer aufgrund des Frosts und der Hagelunwetter im Sommer einen Totalausfall von 98 Prozent", sagt Winzer Sepp Bradl vom Caterberg.

Wenig Ertrag, aber hohe Qualität

Obwohl das restliche Weinjahr in Rechnitz nahezu perfekt verlief, was Sonnenstunden und Niederschlagsverteilung betraf, erholten sich nur einige Lagen im Rechnitzer Weingebirge. "Ohne Frost wäre es perfekt gewesen. Es gab genügend Niederschlag und genügend Sonne", sagt Winzerin Helga Brunner.
Und so gab es heuer große Unterschiede bei der Traubenmenge in den einzelnen Rieden. "Die Qualität unseres Weines ist aufgrund des perfekten Herbstwetters sehr gut. Die Ernteausfälle hängen stark mit dem Gebiet und der Sorte zusammen. Vor allem niedrigere Lagen hat es härter getroffen", sagt Brunner.

Die Sorte war ausschlaggebend

Der extrem milde Winter sorgte für einen verfrühten Austrieb der Reben, die dann aufgrund des Frostes im April abgestorben sind. "In einem normalen Jahr blüht alles erst im Mai", so Brunner. Speziell der Chardonnay habe sehr gelitten, die Rotweinsorten waren robuster. Verluste konnten teilweise durch einen geringen Zukauf von Trauben ausgeglichen werden. "Kompensiert wird der geringere Ertrag beispeilsweise auch dadurch, dass die belieferten Buschenschänke im Jahr 2017 geringfügig weniger Tage offen haben", so Brunner abschließend.

Hagel hat alles zerstört

In der Gegend um Deutsch Schützen und Eisenberg waren die starken Unwetter und die großflächige Hagel das größte Problem. "Wir werden einen 80%igen Ausfall haben. Nur etwa 5.000 Liter konnten wir heuer herstellen", sagt Winzer Stephan Oberpfalzer. In bestimmten Lagen am Eisenberg sei der Wein qualitativ trotzdem sehr gut geworden, in stark betroffenen Gebieten habe auch die Qualität etwas gelitten. "Top-Weine werden es heuer bei uns nicht werden. Manche Weingärten prodzieren daher auch eher mehr Rose als Rotwein, da es für den Eisenberg DAC nicht ausreicht", weiß Oberpfalzer.

Hagelnetze schützen teilweise

Großflächige Hagelnetze, wie man sie bei vielen Obstkulturen sieht, sind im Weinanbau schwieriger, da viele Weingärten oft sehr klein sind und die Reben in größeren Abständen voneinander wachsen. "Sinn hätte so etwas nur bei großen Weingärten, die Kosten liegen jedoch bei etwa 25.000 Euro pro Hektar und einen hundertprozentigen Schutz bieten auch sie nicht", so Oberpfalzer.

Kunden bleiben treu

Das Weingut Stephano beliefert hauptsächlich kleinere Händler, Vinotheken und Restaurants. "Wir kennen uns alle persönlich und haben eine gute Geschäftsbeziehung, daher habe ich keine Angst Kunden zu verlieren", so der Deutsch Schützener Winzer. Er wird den Jahrgang 2016 einfach etwas später in den Handel bringen, so kann er den Ernteausfall etwas kompensieren. "Ich bin mir sicher, eine gute Regelung mit meinen Kunden finden zu können", so Oberpfalzer abschließend.
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