Forschung
Gefahr für Ältere durch fehlende Bewegung bei Hitze, Änderungen brächten Einsparungen

Die Fachleute im Pflege- und Gesundheitswesen Thomas Dorner, Andrea Schmidt und Will Haas (von links nach rechts) sehen im Klimabereich Handlungsbedarf: Maßnahmen sollen älteren Menschen und pflegenden Angehörigen das Leben bei großer Hitze erleichtern und vorbeugend für mehr Resilienz in der Zukunft sorgen.  | Foto: Karl Ettinger
  • Die Fachleute im Pflege- und Gesundheitswesen Thomas Dorner, Andrea Schmidt und Will Haas (von links nach rechts) sehen im Klimabereich Handlungsbedarf: Maßnahmen sollen älteren Menschen und pflegenden Angehörigen das Leben bei großer Hitze erleichtern und vorbeugend für mehr Resilienz in der Zukunft sorgen.
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Die Rekordhitze in ganz Österreich und Wien ist zwar von gemäßigteren Temperaturen abgelöst worden. Weil aber die üblicherweise heißesten Monate Juli und August noch bevorstehen, ist eine weitere Hitzewelle wohl nur eine Frage der Zeit. Pflege-, Gesundheits- und Klimafachleute bekräftigen daher ihre Warnungen vor negativen Folgen speziell für ältere Menschen und mehr Hitzetote. Gerade für Ältere und pflegende Angehörige halten sie kurz- und längerfristige Maßnahmen für dringend notwendig. Im persönlichen Lebensbereich ist vor allem Nichts-Tun bei Hitze falsch. "Wichtig ist, auch bei Hitzeperioden etwas zu machen", empfiehlt Thomas Dorner, Leiter der Akademie für Altersforschung in der Pflegeeinrichtung "Haus der Barmherzigkeit" in Wien-Ottakring, der zu regelmäßiger Bewegung, allerdings nicht direkt in der Sonne, rät.

Basis und Anlass für den Weckruf der Experten ist eine neue Sammelpublikation von 40 Wissenschaftlern aus 25 Institutionen. Neben Ratschlägen, was ältere Menschen und ihre pflegenden Angehörigen bei Temperaturen von 35 Grad und mehr selbst im häuslichen Umfeld tun können, war damit ein "Appell an die Politik" verbunden. Demnach sollte eine integrierte Gesundheits- und Klimapolitik angestrebt werden statt sogar klimaschädliches Leben weiter zu fördern. Zu den Hitzeperioden wurde gewarnt: "Es ist nicht Gott gegeben. Wir tragen laufend dazu bei, dass es schlimmer wird." Zentral ist dabei, dass ältere Menschen zu Fuß und ohne Auto erreichbare Geschäfte zum Einkaufen haben und Möglichkeiten zum Gehen abseits zubetonierter und asphaltierter Flächen vorfinden.

Um Missverständnissen vorzubeugen stellte Altersforscher Dorner allerdings klar: "Bei 40 Grad bitte nicht draußen in der Sonne spazieren!" Aber Aktivität statt nur Herumsitzen sei auch zur Vorbereitung auf den erwartbaren weiteren Klimawandel und künftigen Rekordtemperaturen für ältere Menschen wichtig. Dazu zählen etwa 150 Minuten pro Woche an körperlicher Aktivität. Denn bei völligem Verzicht auf körperliche Aktivitäten gehe schon nach kurzer Zeit Muskelkraft verloren. Damit verringere sich die Mobilität, während die Gefahr von Stürzen, Gebrechlichkeit und Pflegebedürftigkeit steige. Besser seien regelmäßige Aktivitäten in der Früh und am Abend, im Grünen und an Gewässern.

1,6 Milliarden Einsparungen pro Jahr

Der Sozialökologe an der Wiener Universität für Bodenkultur und an der Wiener Medizin-Uni, Willi Haas, knüpfte bei den Verhandlungen über Reformen im Gesundheitssystem an, um den starken Anstieg der Kosten zu bremsen. 70 Prozent der Bevölkerung bewegen sich nicht ausreichend. Wenn das die Hälfte dieser Gruppe ändere, gebe es Ersparnisse im Gesundheitswesen. Laut einem Szenario könnten so in Österreich 1,2 Milliarden Euro pro Jahr und 1,6 Millionen Spitalsaufenthalte eingespart werden.

Änderungen im häuslichen Umfeld notwendig

Weil sich Bewegungsmangel und falsche Ernährung negativ auf die Widerstandskraft bei künftigen Hitzewellen auswirken, gilt es zur Unterstützung älterer Personen in deren Umkreis Maßnahmen zu setzen, empfehlen die Experten. Das reicht bis hin zur Beseitigung von Gehsteigkanten, die die Sturzgefahr erhöhen und deswegen erst recht abschreckend vor Spaziergängen wirken. Es betrifft ebenso oft viel zu kurze Grün-Phasen für Fußgänger bei Ampeln. Andrea Schmidt vom Kompetenzzentrum Klima und Gesundheit bei der Institution Gesundheit Österreich, verwies darauf, dass gleichzeitig pflegende Angehörige, von denen viele selbst bereits älter als 60 Jahren seien, profitierten.

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