Mauthausen
Angelobung in KZ-Gedenkstätte "würde der Bedeutung des Ortes nicht gerecht werden"

Der ehemalige FP-Verteidigungsminister Mario Kunasek plante eine Angelobung von Bundesheer-Rekruten auf dem Appellplatz der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Die Gedenkstätte sprach sich dagegen aus. Vor allem dem Charakter als Friedhof widerspreche es, im ehemaligen Konzentrationslager eine militärische Zeremonie abzuhalten.

MAUTHAUSEN. Die Idee des ehemaligen FP-Verteidigungsministers Mario Kunasek, österreichische Grundwehrdiener in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen anzugeloben, stieß bei deren Betreibern auf Ablehnung. Die jetzige Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) erteilte dem Vorschlag daraufhin eine Absage, wie der "Kurier" berichtete.
Die Leitung und der wissenschaftliche Beirat der KZ-Gedenkstätte Mauthausen halten wenig davon, "dass die Gedenkstätte lediglich als symbolische Kulisse für eine Angelobungszeremonie benutzt werden soll. Dies würde auch der Bedeutung des Ortes unserer Ansicht nach nicht gerecht werden." Gegen eine Angelobung des österreichischen Bundesheeres im ehemaligen Konzentrationslager spreche zudem dessen Bedeutung als internationaler Gedenkort, der von diplomatischen Vertretungen und anderen Interessensgruppen besucht wird.

"KZ-Gedenkstätte ist als Friedhof zu betrachten"

"Am schwersten wiegt aber die Tatsache, dass die KZ-Gedenkstätte Mauthausen als Friedhof zu betrachten ist. Nicht nur liegen hier die sterblichen Überreste von weit über 10.000 Opfern des Lagers in mehreren Friedhöfen begraben, während der Lagerzeit wurde zudem die Asche aus den Krematorien am gesamten Lagergelände verstreut. Diesem Charakter als Friedhof widerspricht es unserer Ansicht nach, an diesem Ort eine militärische Zeremonie abzuhalten", so die Meinung des Mauthausen Memorials, das im Gegenzug anbot, das Bundesheer mit pädagogischem Know-how zu unterstützen, denn: "Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen begrüßt die aktuell formulierten Ausbildungsziele des österreichischen Bundesheeres wie Hilfe für Schwächere, Verantwortung, Freiheit, Schutz der Demokratie und Eintreten für bedrohte Minderheiten."

Sabine Schatz: "Halte ich für falsch"

Auch Nationalrats-Abgeordnete und SPÖ-Bereichssprecherin für Erinnerungskultur Sabine Schatz äußerte sich zu der Sache: "Die Gedenkstätte Mauthausen ist Gedenk- und Erinnerungsort und Friedhof für Tausende ermordete Menschen aus vielen Ländern. Diesen Ort zur Angelobung von Rekruten zu verwenden, halte ich für problematisch. Ja, Bundesheer-Rekruten sollen die Gedenkstätte mit einer pädagogischen Begleitung besichtigen, aber die Angelobung dort vorzunehmen, wie von Ex-Minister Kunasek geplant, halte ich für falsch. Im Respekt für die Opfer und Überlebenden sollte man davon abgehen."

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