Eröffnung 3. Menschenrechtesymposium
Diskriminierung - viel dagegen getan, noch mehr verdrängt.

Tolle Leistung: 40 Schülerinnen und Schüler der VS St. Georgen begeisterten mit einem kindergerechten, aber ebenso hoch politischen Theaterstück
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  • Tolle Leistung: 40 Schülerinnen und Schüler der VS St. Georgen begeisterten mit einem kindergerechten, aber ebenso hoch politischen Theaterstück
  • hochgeladen von Eckhart Herbe

Delegationen aus 13 Ländern, über 1.000 Teilnehmer, vier Tage dichtgedrängtes Programm mit Beiträgen in- und ausländischer Delegationen: Das mittlerweile dritte Menschrechtssymposium der Bewusstseinsregion avanciert immer mehr zum internationalen Vorzeigeprojekt gelebter Geschichts- aber auch Gegenwartsarbeit. Wie vielschichtig und komplex das diesjährige Thema "Diskriminierung" sein kann, zeigte sich schon bei der Eröffnung im restlos gefüllten Johann Gruber Pfarrheim in St. Georgen. 

ST.GEORGEN-LANGENSTEIN-MAUTHAUSEN. Grund-, Freiheits- und Menschrechte wurden bereits 1776 in den USA und 1789 bei der Revolution in Frankreich feierlich deklariert. Das hielt deren Verfasser aber nicht ab, Sklaven zu halten wie der Erste Präsident der USA, George Washington, oder Frauen, die diese Rechte geschlechterübergreifend einforderten, in Paris zu köpfen.

Bürgertum als Segen und Fluch

"Das so aufgeklärte und gebildete Bürgertum, welches sich seit jeher als Vorreiter und Träger der Menschenrechte begreift, hat über Jahrhunderte bis in die heutige Zeit für Extreme an Diskriminierung und Menschenverachtung gesorgt", so der Frankfurter Ethnologe und  Kulturanthropologe Dr. Dieter Schimag in seinem beeindruckenden Referat zur Geschichte des Diskriminierungsverbotes. Egal ob Kolonialzeit, die Unterdrückung von Frauen oder das täglich erlebte Los vieler Behinderter: Das Bürgertum habe sich selbst als die für Menschrechte zuständige gesellschaftliche Gruppe deklariert, zwar hoch engagiert,  um Fortschritt und Einsicht bemüht, aber bis heute von dieser Haltung geprägt. Frauen, anderen Völkern, Behinderten oder den unteren Gesellschaftsschichten würden - und werden teils noch immer - Vernunft, Intelligenz und modernes Denken abgesprochen. "Erinnern Sie sich, wie bis vor kurzem Afrikaner selbst in Schulbüchern dargestellt wurden. Wie wir heute noch glauben, sie dahin 'entwickeln'  zu müssen`` so wie wir glauben, dass sie sein sollen? Oder merken Sie , wie der Rechtspopulismus diese Sichtweise als Retrohaltung in Bierzelten wie Parlamenten für sich entdeckt hat, um Unerwüschte als primitiv und Gefahr für die eigene Bevölkerung zu instrumentalisieren?" Für Behinderte eigentlich selbstverständliche Barrierefreiheit in öffentlichen Einrichtungen zu schaffen, sei "ein herausforderndes Großprojekt zumindest bis 2035", schämte sich auch der deutsche Städtebund nicht auszusenden, als ob es um die Besiedelung des Mars ginge.

Menschrechtepreisträgerin zu Gast

Diskriminierung ganz anderer Art beschrieb die Preisträgerin des Menschenrechtepreises 2018, die ORF-Journalistin und Italienkorrespondentin Mathilde Schwabender. Sie erzähle ihre Erlebnisse bei Recherchen etwa im Brasilien des Rechtsextremisten Bolsonaro oder in Nigeria zwischen Todesschwadronen und radikalen Islamisten der Boku Haram. Erschütternd etwa das Schicksal tausender Frauen und sogar Kinder, die von den Terrorristen zuerst entführt und nach ihrer Befreiung als angeblich gehirngewaschene Kollaborateure von der eigenen Regierung statt Hilfe zu erhalten ins Gefängnis gesteckt wurden. 

Volksschüler spielten politisches Theaterstück

Gleich zu Beginn der Eröffnung beeindruckten rund 40 Volksschüler aus St. Georgen mit ihrem - zwar kindgerechten, aber hochpolitischen - Theaterstück "Der überaus starke Willibald", das sie mit Religionslehrerin Andrea Renoldner-Burianek einstudiert hatten. War in der mit Begeisterung und Talent gespielten Aufführung über eine Mäusekolonie in einer Villa, in der sich Demokratie in Diktatur und Unterdrückung wandelt, in Willibald-, Josef- und Heinrichmaus doch unschwer die NS-Ideologie von Hitler, Goebbels und Himmler zu erkennen. Standing Ovations, auch von begeisterten Ehrengästen wie Bischof Manfred Scheuer, dem Vorsitzenden der islamischen Glaubensgemeinschaft OÖ, Murat Baser, Guy Dockendorf (Intern. Mauthausenkomitee) und vielen Vertretern des politischen und öffentlichen Lebens, belohnten die engagierte Aufführung.
Ein hochinteressanter Abend und würdiger Auftakt eines völkerverbindenden Symposiums.

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