Befreiungsfeier KZ Gusen
Gusen 2022: Neuer Aufbruch, neue Mahnung
- Das internationales Gedenken in Gusen lockte viele Besucher vor allem aus Polen, Italien und Spanien zum Memorial
- Foto: Eckhart Herbe
- hochgeladen von Eckhart Herbe
Am Vorabend der internationalen Befreiungsfeier in Mauthausen fand der vom Gedenkdienstkomitee Gusen (CIM) organisierte Festakt in Gusen erstmals unter neuen Rahmenbedingungen statt. Der Kauf zentraler Areale und Gebäude durch die Republik, aber auch der Krieg in der Ukraine prägten viele Statements, boten sie doch neben beeindruckenden Beispielen couragierten Handelns unter Lebensgefahr im KZ auch aktuelle Anknüpfungspunkte zur inhaltliche Klammer "Politischer Widerstand".
GUSEN. Traditionell bildete neben vielen Italienern, Franzosen und Spaniern die polnische Delegation die größte Besuchergruppe. Dieses Jahr war das Weiß-Rot in Gusen aber im Fokus einstiger und aktueller Ereignisse besonders zahlreich präsent. Das offizielle Polen hatte über viele Jahre wachsenden Druck aufgebaut, den Leidensort zehntausender seiner Bürger aus der Vergessenheit zu befreien. Demenentsprechend groß ist die Freude über die nun vollzogene Verantwortungsübernahme der Republik Österreich für zentrale Objekte des ehemaligen Lagergeländes. Ob allerdings, wie nachdrücklich gefordert, in naher Zukunft auch das weiterhin im Privatbesitz befindliche "Jourhaus" , das frühere Eingangsgebäude des KZ Gusen 1, dazukommen wird, bleibt aktuell zu bezweifeln.
Ukrainekrieg: "Gleiche Methoden wie in NS-Zeit"
Allen Rednern gemein war das Entsetzen über die Menschenverachtung, Morde und Vergewaltigungen, den Einsatz geächteter Waffen im aktuellen Aggressionskrieg des russischen Regimes in der Ukraine. "Einige sagen, dass sich Geschichte gerne wiederholt, wenn sie am grausamsten ist. Andere, dass sie uns nur lehrt, dass die Menschen nie etwas gelernt haben. Niemand versteht, dass es 77 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs wieder ein Land in Europa gibt, dass die Methoden Hitlers und seiner Anhänger anwendet", so Jacek Tarasiewicz, polnischer Vizepräsident des CIM Gusen.
"Heutigen Hitlers und Mussolinis entgegentreten!"
"Wieder entscheidet ein Diktator, in ein unabhängiges und demokratisches Land einzumarschieren. Unsere Augen blicken auf die Ukraine, wo die Bevölkerung unter blutigen Opfern heldenhaft Widerstand leistet, wie vor fast acht Jahrzehnten im großen Krieg an vielen Orten der Welt. Mazzobotto (Ort eines NS-Massakers gegen italienische Widerstandskämpfer, Anm. d. Red.) oder todesmutiges Handeln von Häftlingen in Konzentrationslagern einst sind das Butscha von heute. Wir stehen hier in Gusen und Mauthausen, um aufgerüttelt zu werden, Unterdrückung und Faschismus, den neuen Hitlers und Mussolinis, mit all unserer Energie entgegen zu treten" mahnt die Grußbotschaft aus Sesto San Giovanni, der Langensteiner Partnerstadt, eindringlich. Klare Botschaften und ein Denkanstoß, im aktuellen Zerfall der europäischen Nachkriegsordnung die Lehren des Einst auf die Botschaften des Jetzt zu übertragen. Widerstand und Zivilcourage sind dafür gefragter denn je.
Links:
Aktuelle Nachrichten aus Perg auf
Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.