Berührende Eröffnungsfeier
Viele Emotionen im Haus der Erinnerung

In einer Übertragung tief aus dem Stollensystem las Schauspieler Franz Froschauer aus den dramatischen Erinnerungen eines französischen Häftlings.
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Mit einer würdigen und an berührenden Momenten reichen Eröffnungsfeier nahm das im Sommer fertiggestellte Haus der Erinnerung am Gelände des Stollensystems Bergkristall am 25. Oktober offiziell seinen Betrieb als Stätte des Gedenkens auf. Ebenso aber soll es aber auch als Ort moderner Zeitgeschichtsforschung und -vermittlung und der aktiven Weiterentwicklung von Toleranz und Menschenrechten Brücken bauen. 
Die wenige Stunden zuvor stark verschärften Corona-Vorsorgemaßnahmen erforderten aufwändige Organisation, mussten doch zahlreiche Gäste mangels persönlicher Teilnahmemöglichkeit per Videobotschaft oder Livestram zugeschaltet werden. Gutes Wetter belohnte die Anstrengungen aber durch einen im Outdoorbereich deutlich größer erlaubten Publikumsrahmen. Unzählige lokale, regionale , nationale und internationale Besucher erweisen dem Haus der Erinnerung durch persönliche Anwesenheit oder mittels Videobotschaften ihre Referenz.

Positive Botschaften an einem Ort des Leides

Ein den Tränen nahes St. Georgener Bürgermeisterehepaar Erich und Andrea Wahl, das nach jahrelangem leidenschaftlichem Einsatz als Ortschef und Geschäftsführerin ein persönliches Herzensanliegen nun verwirklicht sah. Sichtbarer Stolz beim großen Team der Bewusstseinsregion, dessen tausende, überwiegend ehrenamtliche Arbeitsstunden am Projekt mit Standing Ovations der Besucher gewürdigt wurden. Zugeschaltet war auch die toskanische Partnerstadt Empoli, in der nach St. Georgener Vorbild ein ähnliches Projekt entsteht. Besonders berührende Worte zu Frieden, Vergebung und Völkerverständigung, coronabedingt per Livestream, kamen von einem der letzten Zeitzeugen, dem betagten Bergkristall- Zwangsarbeiter Stanislaw Zalewski, aus dessen polnischer Wohnung. Er warnte vor wieder erstarkendem Nationalismus, der den Boden für Hass und Intoleranz bereiten würde. Es brauche Projekte wie in St. Georgen, um aus schmalen, wackeligen Stegen über Trennendes stabile Bauwerke zu machen.

"Das Haus der Erinnerung ist ein neuer Ort der Wahrheit, an dem Versöhnung auf dem Boden historischer Fakten und gemeinsamer positiver Zukunftsvisionen möglich wird. Mögen so tragfähige breite Brücken und Freundschaft zwischen einstigen Feinden entstehen!"
(Stanislaw Zalewski)

Ein ebenso leidenschaftlicher Apell an Humanität und Zivilcourage in unserer Zeit, kam aus Luxemburg von Guy Dockendorf, dem Präsidenten des Internationalen Mauthausenkomitees: "Wir werfen damaligen Generationen vor, geschwiegen und weggeschaut zu haben. Wer von uns steht aber heute auf, wenn rassistische oder antisemitische Witze erzählt werden? Oder wenn Flüchtlinge aus politischem Kalkül zu Untermenschen, Schädlingen oder Gefahr für unseren Wohlstand degradiert werden? Ein Haus wie dieses muss Auseinandersetzung mit genau solchen Themen an junge Menschen vermitteln!" 

10.000 Sklaven für 1.000 Flugzeuge monatlich 

Wie weit Menschenverachtung gehen kann, vermittelte die kaum erträgliche Schilderung der Zustände in Gusen II und Bergkristall aus den Erinnerungen eines französischen Häftlings. Gelesen von Schauspieler und Autor Franz Froschauer vor einer Besucherabordnung tief im Inneren des Stollensystems und ans Licht vor das Haus der Erinnerung übertragen. "Monatlich 1.000 Messerschmitt 262-Düsenjäger sollten als Wunderwaffen von 10.000 Häftlingen - kalkulierte Durchschnittslebensdauer drei Monate - im Endausbau gefertigt werden. Alleine der Abtransport von Material und Maschinen nach der Befreiung dieser Mordanlage im Mai 1945  füllte rund 1.000 Züge", erzählt Experte Rudolf Haunschmid, der das System seit Jahrzehnten erforscht. 

Budgetsorgen trüben Feststimmung 

Viele der unzähligen Stunden für das Projekt steuern übrigens im Ort lebende Flüchtlinge und Asylwerber bei. Einerseits durch ihnen erlaubten Minjobs im öffentliche Bereich, andererseits auch ehrenamtlich, geprägt von selbst Erlebtem. Wie etwa die afghanischen Geschwister Faramarz und Marziyeh Karimi, die als hochengagierte freiwillige Helfer im Backoffice und Multimedia-Bereich zu unverzichtbaren Stützen für Geschäftsführerin  Andrea Wahl geworden sind.  Ihnen wurde daher die Ehre zuteil, gemeinsam mit anderen Projektunterstützern Segenswünsche für das Haus zu sprechen und eine Friedenslinde im künftigen Park zu pflanzen. 
Eine große Sorge trübte den Festtag: Nach Ablauf der über die Leaderregion Perg-Strudengau abgewickelten EU-Projektförderung sei eine gesicherte Finanzierung des Veranstaltungs- und Bildungsbetriebs noch offen, mahnte Bürgermeister Erich Wahl. Eine für die zeitgeschichtliche Reputation Österreichs unverzichtbare  Einrichtung sei mit tausenden freiwilligen Arbeitsstunden tatkräftige Bürger realisiert worden. Die zuständigen Institutionen in Land und Bund müssten aber nun ebenso ihre historische Verantwortung wahrnehmen und vergleichbar etwa der Finanzierung des KZ Mauthausen die nötigen Budgetmittel bereitstellen.

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