Pläne für Gedenkstätte Gusen
"Wir haben eine Verantwortung, das sichtbar zu machen"
- Die rötlich gefärbten Mauern sollen die KZ-Gedenkstätte gegen das benachbarte Betriebsgelände abgrenzen. Der geführte Weg verläuft neben dem ehemaligen Appellplatz Richtung Schotterbrecher.
- Foto: querkraft/Kieran Fraser/rococoon
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Im Informationszentrum Gusen wurde das Projekt zur Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Gusen präsentiert.
LANGENSTEIN. Seit 80 Jahren halten Überlebende des Konzentrationslagers Gusen sowie deren Nachkommen die Erinnerungen an die nationalsozialistischen Verbrechen wach. Schon vor Jahrzehnten wäre das ehemalige Krematorium entfernt worden, hätten nicht internationale Opferverbände darauf bestanden, es als Mahnmal und Gedenkort zu erhalten. 80 Jahre nach Kriegsende bekennt sich nun auch die österreichische Politikspitze dazu, das Areal mit den baulichen Überresten des Konzentrationslagers zu bewahren.
- Barbara Glück, Gerhard Karner, Wolfgang Hattmannsdorfer, Thomas Stelzer, Reinhold Sahl, Guy Dockendorf, Christian Aufreiter, Andreas Derntl, Gerd Erhartt, Kieran Fraser, Peter Sandbichler.
- Foto: TEAM FOTOKERSCHI / WERNER KERSCHBAUMMAYR
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Als am Montag die Pläne zur Erweiterung und Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Gusen vorgestellt wurden, fanden Innenminister Gerhard Karner, Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Landeshauptmann Thomas Stelzer (alle VP) klare Worte: "Es ist ganz wesentlich, den nächsten Generationen aufzuzeigen, was passiert, wenn Menschengruppierungen gegeneinander ausgespielt werden und Hass und Verachtung die politische Agenda bestimmen", so Hattmannsdorfer. Stelzer: "Wir haben eine Verantwortung, sichtbar zu machen, dass das nicht irgendwo und durch irgendwen geschehen ist, sondern genau hier." Gusen solle ein internationaler Treffpunkt werden, wo Menschen zueinanderfinden, so der Landeshauptmann.
- Barbara Glück stellte die Gewinner des Wettbewerbs vor: Gerd Erhartt, querkraft architekten, Kieran Fraser Landscape Design und Künstler Peter Sandbichler (von links nach rechts).
- Foto: TEAM FOTOKERSCHI / WERNER KERSCHBAUMMAYR
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Direktorin Barbara Glück, Direktorin der KZ-Gedenkstätten Mauthausen und Gusen, sowie Reinhold Sahl von der Burghauptmannschaft Österreich präsentierten das Ergebnis des international ausgeschriebenen Realisierungswettbewerbs: Aus 43 Einreichungen – davon acht in der engeren Auswahl – gingen die Ideen von "querkraft architekten" in Zusammenarbeit mit "Kieran Fraser Landscape Design" aus Wien als Sieger hervor. Sie werden die 2021 und 2022 von der Republik angekauften Grundstücke so gestalten, dass nationale und internationale Besucher Zugang zur Geschichte des Areals finden.
- "Raum der Stille"
- Foto: querkraft/Kieran Fraser/rococoon
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Wichtig sei den Architekten, eine Balance zu finden zwischen präzisen Eingriffen und Respekt vor dem, was bereits vorhanden ist. Ausgehend vom zukünftigen Ankunftsgebäude bei den ehemaligen SS-Baracken werden die Besucher zum früheren Appellplatz und weiter zum Schotterbrecher – monströses Symbol für Zwangsarbeit – geleitet. Ein Orientierungssystem wird die Erinnerungslandschaft strukturieren, aber auch Freiraum lassen, um den Ort selbst sprechen zu lassen.
- Der ehemalige Appellplatz in heutigem Zustand.
- Foto: TEAM FOTOKERSCHI / WERNER KERSCHBAUMMAYR
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Die Ergebnisse eines Beteiligungsprozesses, an dem sich sowohl Opferorganisationen als auch Anrainer und die regionale Bevölkerung beteiligt haben, sind Grundlage für die Umgestaltung. Um die Gedenkstätte harmonisch in die besiedelte Region einzubetten, werden naturnahe Rückzugsbereiche für die Anwohner geschaffen. Das Projekt wurde öffentlich am Montagabend in Langenstein präsentiert. Die Umsetzung wird sich über einen Zeitraum von sechs Jahren erstrecken.
Zur Geschichte
Das KZ Gusen war 1939 als Zweiglager des KZ Mauthausen gegründet worden. Anfang 1944 wurde es um ein zusätzliches Barackenlager, genannt Gusen II, vergrößert. Über weite Strecken der Jahre 1944 und 1945 waren in den beiden Gusener Lagern mehr Personen als im Hauptlager Mauthausen interniert. Insgesamt wurden etwa 72.000 Menschen aus ganz Europa hierher deportiert. Mindestens 35.000 überlebten ihre Haft nicht. Die größten nationalen Gruppen kamen aus Polen und der Sowjetunion.
Details zu den Plänen für die neue Gedenkstätte auf gusen-memorial.org
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