14.11.2016, 20:29 Uhr

Flüchtlinge in Gablitz: Bilanz nach einem Jahr

Bosir, Mohammed, Musfegh und Asmotullah haben in Gablitz eine neue Heimat gefunden.

Vor einem Jahr zogen die ersten Asylwerber in die Privatunterkunft der Gablitzer Familie Markovic.

GABLITZ. Der Pfarrsaal ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Stimmung ist angespannt – die Flüchtlingskrise auf ihrem Höhepunkt. Bürgermeister Michael Cech hat zur Bürgerversammlung geladen, denn kommende Woche werden 23 Asylsuchende in die Privatunterkunft der Familie Markovic ziehen. Die Gablitzer diskutieren darüber hitzig. Viele sind besorgt, andere bieten ihre Hilfe an.
Seitdem ist ungefähr ein Jahr vergangen. Heute leben in der Linzer Straße etwa 19 Afghanen. "Die Burschen sind total lieb und hilfsbereit", sagt Marina Markovic, welche die Unterkunft gemeinsam mit ihrem Bruder Gregor leitet. Die Sorgen vor schweren Verbrechen hätten sich nicht bewahrheitet. Das bestätigt die Gablitzer Polizei.

Problem Bürokratie

Kämpfen muss Marina Markovic dagegen mit der Bürokratie. "Wir müssen Atteste für einen heraushängenden Draht einholen, gleichzeitig warten wir vergebens auf versprochene Psychologen, Vernetzungstreffen und Intergrationsmaßnahmen. Mit mehr Unterstützung am Anfang könnten sich die Asylsuchenden doppelt so schnell integrieren", beklagt sie. Dafür fordert Markovic etwa professionelle Deutschkurse.
Die Freiwilligengruppe "Gablitz hilft" lernt derzeit mit den Flüchtlingen Deutsch. Obfrau Astrid Wessely – welche auch die Koordinatorin der Gemeinde ist – ist stolz auf das Erreichte: "Seit einem Jahr bieten wir täglich drei Stunden Unterricht. Manche unserer Schüler haben es so mittlerweile auf das Deutschniveau B1 geschafft." Zudem betreibt die 40-köpfige Gruppe eine Kleiderkammer und lädt zu Spiele-Nachmittagen und Begegnunscafés. "Ich würde mir wünschen, dass die Gablitzer diese Gelegenheit zum Kennenlernen mehr wahrnehmen", sagt Wessely.

Asylwerber wurden heimisch

Insgesamt leben derzeit 74 Asylwerber in Gablitz. Der Großteil von ihnen, 45 unbegleitete Minderjährige, wohnt seit Februar im ehemaligen Hotel Hohnecker. Zwei Flüchtlinge arbeiten mittlerweile auf Geringfügigkeitsbasis am Bauhof der Gemeinde, viele haben sich Vereinen angeschlossen – wie den Pfadfindern oder dem Fußballverein – und manche helfen im Marienheim mit. "Toll wären mehr Arbeitsplätze, etwa in Form von Schnupperlehren", wünscht sich Wessely.
Sie ist mit der Entwicklung zufrieden. "Es läuft wunderbar. Wir haben viele Freundschaften geschlossen. Jedoch war das Jahr brutal anstregend." Das bestätigt auch Markovic: "Es war wahnsinnig interessant und bereichernd, aber ich bin an die Grenzen meiner Belastbarkeit gekommen."
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