Bürgermeister Bernhard Öttl
"Es ist ein Thema, das sehr polarisiert!"

Das neue Gemeindeamt von Reichersberg.
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REICHERSBERG. Nachdem sich der Gemeinderat von Reichersberg im Herbst 2019 mit knapper Mehrheit gegen die Einleitung eines Umwidmungsverfahrens von 32 Hektar landwirtschaftlichen Grund in Betriebsbaugebiet aussprach, wandte sich nun das Blatt. In der jüngsten Sitzung stimmten 12 Gemeinderäte dafür, sieben dagegen.

„Nun wird von allen Stellen geprüft, ob diese Widmung dort überhaupt möglich ist“, erklärt Bürgermeister Bernhard Öttl. Das Stellungnahmeverfahren läuft bis 3. Dezember. Jeder, der ein berechtigtes Interesse glaubhaft macht, kann seine Einwendungen schriftlich beim Marktgemeindeamt Reichersberg abgeben. Die Kundmachung ist auf der Homepage der Gemeinde Reichersberg unter dem Reiter „Digitale Amtstafel“ zu finden. "Erst nachdem die Prüfung erfolgt ist und die zu erwartenden Einwände behandelt wurden, wird sich der Gemeinderat noch einmal damit befassen und entscheiden, ob das Ganze umgesetzt wird", so Öttl.

Leitbild beschlossen

Sollte die Umwidmung erfolgen, muss ein bereits beschlossenes Leitbild umgesetzt werden. Dieses Leitbild besteht aus den fünf Kategorien Anrainerschutz, Umweltschutz, Mobilitätskonzept, Kommunikation und Mitsprache sowie Aufenthaltsqualität und sieht über 20 konkrete Maßnahmen vor. Beispiele sind die Realisierung eines umfangreichen Sicht- und Lärmschutzes für Anrainer, die Minimierung von Bodenversiegelung durch Einschränkung der oberirdischen Auto-Abstellplätze, eine für die Betriebe verbindliche Nutzung nachhaltiger Energieformen wie Solar- und Photovoltaikanlagen, eine neue Bahnhaltestelle mit Geh- und Radwegeanbindung sowie eine zentrale Parkgarage im Nahbereich der Bahn vor. Weiters sollen übergreifende Gastronomie- sowie Sport/Freizeiteinrichtungen und soziale Infrastrukturen wie zum Beispiel eine Kinderbetreuung realisiert werden, welche von den Mitarbeitern der Betriebe, aber auch von den Anrainern, genutzt werden sollen. "Weiters arbeiten die örtlichen Gremien auch an einem Bebauungsplan, der auf diesem Areal umgesetzt werden soll“, so Öttl.

Einwände

Projektgegner bekritteln vor allen die großflächige Bodenversiegelung und befürchten zudem einen massiven Anstieg des Verkehrs auf der B 148, der A8 sowie der B143 Richtung Ried und damit einhergehend eine enorme Emissionsbelastung. In einem offenen Brief an Bürgermeister Bernhard Öttl, die Gemeinderäte und die Medien bezeichnet Kurt Höretzeder aus Mörschwang, Sohn des langjährigen Bürgermeister von St. Martin, die geplante Flächenumwidmung als „kapitalen und rücksichtslosen Fehler: Ein Fehler, der nicht nur in der Zerstörung und Versiegelung wertvollen Bodens sichtbar wird, sondern der sich auch in der sich immer schnelleren, großflächigen Verschandelung der Landschaft ausdrückt.“ Seiner Meinung nach müssten Flächenumwidmungen in Zukunft radikal eingeschränkt werden, nicht nur im gewerblichen, sondern auch im Wohnbaubereich. Höretzeder appelliert an die Gemeinderäte, "die Beschlüsse zu dieser Flächenumwidmung rückgängig zu machen. Das wäre ein gleichermaßen mutmachendes wie wichtiges Zeichen, dass heute aktive Politiker verantwortlich und ernsthaft an das denken, was wir kommenden Generationen hinterlassen."

„Könnte Vorzeigeprojekt werden"

Völlig anders sieht dies der Hauptgesellschafter der Wirtschaftspark Innviertel Reichersberg GmbH, Johann Weirathmüller: „Ich bin guter Dinge, dass die Umwidmung jetzt gelingen wird. Der Optionsvertrag auf den Grund läuft im Frühjahr 2021 aus. Wenn die Umwidmung bis dahin nicht durch ist, ist die Sache Geschichte. Dann müssen wir uns andere Flächen suchen." Wie er und Öttl betonen, sei es erst durch die Corona-Krise und deren wirtschaftliche Folgen dazu gekommen, dass das Thema neu aufgerollt wurde. "Ich sehe uns hier in einer überregionalen Verantwortung. Es ist immer ein Abwägen von „Gut und Böse“ und ein Thema, das sehr polarisiert: von Schulterklopfern bis zu vehementen Gegnern. Es könnte aber ein Vorzeigeprojekt für eine gesamte Region werden. Ich bin mir sicher, der Gemeinderat wird gut vorbereitet eine Entscheidung treffen“, so Öttl.

Statement des Vereins "ProDialog" 

Der Verein ProDialog setzt sich für die Verbesserung der Lebensqualität von Lebensräumen in Reichersberg ein. Grundlage ist das 2017 vom Gemeinderat Reichersberg beschlossene Zukunftsprofil, das sich an den Prinzipien der Nachhaltigkeit orientiert. Zur Einleitung des Umwidmungsverfahrens sagt der Vorstand des Vereins: "Dadurch ist mit einem massiven Anstieg des jetzt schon großen Verkehrsaufkommens zu rechnen. Der Natur werden große landwirtschaftliche Nutzflächen entzogen. Ab jetzt wird man an Taten gemessen. Entscheidend wird sein, wie die Punkte des beschlossenen Leitfadens bis zum Umsetzungsbeschluss in rechtliche Verbindlichkeiten umgewandelt werden. Die Reaktivierung von Brachflächen und leerstehenden Gebäuden im Einflussbereich der Wirtschaftspark Innviertel-Inkoba Bezirk Ried müssen aus unserer Sicht vorranging angedacht werden."

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