14.11.2017, 08:24 Uhr

Wieder Zweibettzimmer im Altenheim?

Der Zubau im Altenheim Lembach ist fertig und (fast) bezogen. Im Bild v. l.: Bürgermeister Herbert Kumpfmüller, Gottfried Reiter (SHV-Rohrbach), Baumeister Johannes Zechmeister und Heimleiter Johann Reiter.

Weil der Pflegeregress abgeschafft wurde werden die Heimplätze knapp. Im Bezirk fehlen zudem zwei Millionen Euro.

BEZIRK. Dem Sozialhilfeverband (SHV) Rohrbach fehlen künftig zwei Millionen Euro. Der Grund dafür ist die Abschaffung des Pflegeregresses. Bisher wurde auf das Privatvermögen von Altenheim-Bewohnern zurückgegriffen. Dieses muss nun unangetastet bleiben. "Immerhin waren bisher 20 Prozent der Heimbewohner Selbstzahler – teilweise auch freiwillig. Diese Selbstzahler werden uns mit Anfang des Jahres wegfallen", sagt Bezirkshauptfrau und Obfrau des Sozialhilfeverbandes, Wilbirg Mitterlehner besorgt. Mehr dazu im Zur-Sache-Kasten unten.

Gemeinden sollen zahlen

Die fehlenden zwei Millionen müssen von den Gemeinden beigesteuert werden. "Das ist unvorstellbar", kritisiert Lembachs Bürgermeister Herbert Kumpfmüller. "Wir können dann in Schulen und Kindergärten gar nichts mehr investieren." Durch die zusätzlich kommende Gemeindefinanzierung neu sieht er keinen Spielraum mehr für die Gemeinden. Er bezeichnete den Pflegeregress nicht unbedingt als fair, aber: "Man kann die Mehrkosten für die Abschaffung des Pflegeregresses nicht einfach den Gemeinden umhängen", beklagt er.

Ansturm auf die Heimplätze

Der erwartete Ansturm auf die Pflegeheimplätze, den die Bezirkshauptfrau bereits im August 2017 befürchtet hat, ist eingetreten. Die BezirksRundschau hat davon in Ausgabe 31 berichtet. 40 Personen stehen derzeit auf der Warteliste für einen der etwa 500 Heimplatz in den sechs Heimen des Bezirks. "Die Zahl der Anmeldungen ist exorbitant gestiegen", sagt Mitterlehner. "Jeder Fall wird individuell geprüft und nur die dringendsten Fälle werden aufgenommen", erklärt sie.

Pflegestufe drei – keine Chance

Leute mit Pflegestufe drei hätten im Bezirk überhaupt keine Chance mehr auf einen Platz. "Wir haben momentan eine durchschnittliche Pflegestufe von 4,7", erklärt Gottfried Reiter vom SHV. "Die Einstufungen werden in Zukunft auf Pflegestufe fünf oder sechs ansteigen." Ob der langen Wartelisten – und es wird erwartet, dass sie ab Jänner noch länger werden – müsse man auch überlegen, wieder Zweibettzimmer einzurichten.
Heimbewohner werden immer pflegebedürftiger, dieses Beispiel untermauert auch Lembachs Heimleiter Johann Reiter: "Das Heim wurde einst für zwei Drittel rüstige und ein Drittel pflegebedürftige Senioren gebaut. Dieses Verhältnis hat sich aber drastisch verschoben", sagt er. Lembach ist das einzige Heim, das noch Zweibettzimmer hat. Eigenltich sollten sie mit Ende des Umbaus 2019 eigentlich Geschichte sein. "Aber es ist überhaupt nicht ausgeschlossen, dass wir dort und da wieder Zweibettzimmer andenken müssen", sagt Wilbirg Mitterlehner.



Zur Sache:

• In vielen Gemeinderatssitzungen in den Gemeinden werden derzeit Resolutionen zur Abschaffung des Pflegeregresses an die neue Bundesregierung beschlossen. Der Gemeindebund fordert in dieser Resolution vom Bund den vollständigen Kostenersatz für die durch die Abschaffung des Pflegeregresses den österreichischen Gemeinden entstehenden Mehrausgaben auf Basis einer vollständigen Erhebung der tatsächlichen und zu erwartenden Mehrkosten.
• Durch die Abschaffung des Pflegeregresses sind viele Fragen offen. Das betrifft unter anderem den Einnahmenentfall durch bisherige freiwillige Selbstzahler, die dem Regress entgehen wollen. Mit der Abschaffung des Pflegeregresses ist ein stärkerer Andrang auf Heimplätze zu rechnen – und im Bezirk auch tatsächlich der Fall (siehe Bericht oben).

Zur Sache II:

Das Altenheim Lembach wird derzeit um 10,6 Millionen Euro erweitert und saniert. Insgesamt sollen im Endausbau 113 Heimplätze zur Verfügung stehen. Der Zubau ist fertig und 28 Bewohner sind in die neuen Räume übersiedelt. Die Fertigstellung ist laut Baumeister Johannes Zechmeister von der WRS Energie- und Baumanagement GmbH für den Sommer 2019 geplant. Ab diesem Zeitpunkt wird das Altenheim in Aigen-Schlägl mit zwanzig Jahren das älteste sein. Im Bezirk Rohrbach stehen dann 540 Heimplätze zur Verfügung. Schwierig ist es derzeit, 25 Firmen auf der Baustelle und die laufende Pflege unter einen Hut zu bringen. "Herzlichen Dank an alle Heim-Mitarbeiterinnen, die sich hier sehr engagieren", sagt Wilbirg Mitterlehner. Mitterlehner freut sich, dass der Großteil der Aufträge – 60 Prozent des bisher vergebenen Auftragsvolumen (derzeit 75 Prozent) konnten an heimische Firmen vergeben werden.
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