Schon bei Kindern Pornos am Handy

Armin Raderbauer, Eva Moser und Gabriele Rothuber vom Verein "Selbstbewusst" arbeiten mit Jugendlichen zum Thema Sexualität und erste Liebe.
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  • hochgeladen von Stefanie Schenker

Helle Aufregung herrscht derzeit unter Eltern von Schülern an der Neuen Mittelschule Bürmoos. Per Mitteilung wurden sie darüber informiert, dass Schülerinnen und Schüler in WhatsApp-Gruppen "abartig pornographische Inhalte" miteinander austauschen. Es seien auch bereits Gespräche mit der Polizei geführt worden.

Eltern sind besorgt

"Ich bin aus allen Wolken gefallen", schildert ein Vater gegenüber den Bezirksblättern. Denn am Handy seines Kindes seien technische "Kindersicherungen" installiert, um genau so etwas zu verhindern. Was in WhatsApp-Gruppen verschickt wird, lässt sich aber technisch nicht einschränken.

Das weiß auch Gabriele Rothuber vom Verein "Selbstbewusst". Ihre Kollegen und sie bieten sexualpädagogische Workshops für Jugendliche sowie Elternbildung und Teamschulungen für Pädagogen an. "Wir arbeiten seit 13 Jahren mit Kindern und Jugendlichen und der Trend ist eindeutig: Erstkontakt mit Pornographie geschieht immer früher. Das findet teilweise sogar vor dem Aufklärungsunterricht in der Volksschule statt", weiß Rothuber. Und die Neue Mittelschule Bürmoos sei damit kein Einzelfall. Problematisch daran: Die meisten Kinder würden mit ihren Fragen – die sie oftmals nicht laut stellen – alleine gelassen. Denn sowohl Eltern als auch Lehrer hätten nicht "gelernt", damit umzugehen.

"Darüber" zu reden, könne man lernen, sagt Rothuber. Der Verein Selbstbewusst bietet hier Unterstützung an.

Medienkompetenz stärken
Pädagogen von heute seien die erste Generation, die "gegensteuern" könnte, so die Expertin weiters. In der Praxis heißt das: Den Aufklärungsunterricht früh ansetzen, damit nicht Pornographie den ersten Einstieg zum Thema Sexualität darstelle. Außerdem: Wer den Kindern und Jugendlichen zeigt, wie und wo sie sich online gute Informationen zum Thema Sexualität holen könnten, der vermittele ihnen Medienkompetenz. Gerade weil Kinder und Jugendliche meinen, sie könnten durch Pornos lernen, "wie Sex geht", sei es besonders wichtig, den Unterschied zwischen Sex in Pornos und echtem, partnerschaftlichen Sex klarzumachen.

Porno am Handy als Mutprobe

Besorgten Eltern rät Rothuber, Ruhe zu bewahren. "Bei Pornos am Handy handelt es sich oft um Mutproben – mit der Sexualität, die die Kinder und Jugendlichen später einmal haben möchten, hat das meist wenig zu tun." Und: Die allermeisten Jugendlichen könnten Pornos als "Fiction" einordnen. Wer allerdings mit Gewalt in einer Beziehung aufwächst, "sieht gewaltvolle Pornographie als Bestätigung dessen, wie daheim eine Beziehung gelebt wird." Umso wichtiger sei es, sich zu fragen, ob Kinder zu Hause ein liebevolles Miteinander erleben und eine vertrauensvolle Beziehung zu den Eltern haben.

Das sagt der Landesschulrat

Die Neue Mittelschule Bürmoos habe sehr gut auf die Situation reagiert, sagt Roland Bieber vom Salzburger Landesschulrat. Zum einen werde das Thema "Pornos am Handy" in der Schule angesprochen, indem auch auf Risiken und Gefahren in sozialen Netzwerken hingewiesen werde. Zum anderen habe die Schule auch die Eltern mit ins Boot genommen. Denn auch sie seien gefragt, ihre Verantwortung wahrzunehmen, indem sie – mit den Kindern gemeinsam – anschauen, welche Inhalte sich auf den Handys der Kinder befinden.

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