14.10.2016, 14:27 Uhr

"Ich mache es aus Nächstenliebe"

Bahoz aus Syrien, Herlinde Schuster (ehrenamtliche Helferin) und Bashir Isse Mohamend aus Somalia.

Seit 15 Jahren begleitet INTO anerkannte Flüchtlinge bei der Integration in ihrer neuen Heimat.

SALZBURG (lg). Ein Stimmengewirr in Deutsch, Arabisch, Kurdisch und Englisch, aufgeregte Kinder aus allen Kulturen, die gemeinsam lachen, dazwischen werden die letzten Kuchen und Kaffeetassen zum Buffet getragen – dieses Bild bot sich vergangene Woche, als INTO, die Integrationseinrichtung der Diakonie, ihr 15-jähriges Bestehen mit einem bunten Fest feierte. INTO, das steht für Herzlichkeit und soziale Wärme, aber vor allem für konkrete Unterstützung für anerkannte Flüchtlinge. "Da geht es um das Deutschlernen und darum, dass diese Menschen die Möglichkeit bekommen, sich ein Grundwissen über die österreichische Gesellschaft, Kultur und Politik aneignen zu können", erklärt Zerina Hadzihajdarevic von der Diakonie, die das Integrationshaus INTO in Salzburg leitet.

Hilfe bei Wohnungssuche

Eine große Stütze für die Arbeit sind die ehrenamtlichen Helfer, die sich der anerkannten Flüchtlinge annehmen und sie begleiten. Eine von ihnen ist die fast 80-jährige Herlinde Schuster, die seit zwölf Jahren ehrenamtlich bei INTO mitarbeitet. "Ich wurde damals gefragt, ob ich mich um eine Familie aus Somalia ein bisschen kümmern könne. Ich habe sie bei Behördengängen begleitet und bei der Wohnungssuche. Damals waren die Flüchtlinge noch nicht so gut vernetzt wie heute, es gab noch keine Smartphones und sie waren enorm auf meine Hilfe angewiesen", erzählt Schuster, die auf die Frage, warum sie sich hier engagiere, nur eine Antwort hat: "Aus Nächstenliebe". Als INTO vor 15 Jahren startete, waren es vorwiegend Flüchtlinge aus Tschetschenien und Somalia, heute kommen die meisten aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. So auch die 24-jährige Bahoz, die im Alter von 17 Jahren mit ihrem 15-jährigen Bruder aus Syrien geflüchtet ist. Von der Steiermark ist sie dann nach Salzburg gekommen.

In Salzburg eingelebt

"Von Freunden habe ich von INTO erfahren und habe hier beim Deutschlernen und bei der Wohnungssuche große Unterstützung erfahren. Jetzt arbeite ich bei den Salzburger Landeskliniken im Patienten-Service und als Dolmetscherin für Flüchtlinge. Dolmetscherin wäre mein Traumberuf, daher starte ich im November auch an der Volkshochschule den Kurs ‚Dolmetscherin bei Asylverfahren’, darauf freue ich mich", erzählt Bahoz in nahezu einwandfreiem Deutsch. In Salzburg hat sie sich bereits gut eingelebt, auch ihre Mutter und ihre Geschwister sind mittlerweile in Salzburg. "Wir gehen wandern und an der Salzach spazieren. Das Heimweh plagt uns natürlich schon immer wieder, vor allem meine Mama. Aber wir sind sehr froh, hier in Frieden leben zu dürfen", so Bahoz. Ähnlich glücklich, in Salzburg ein friedliches Leben führen zu können, ist Bashir Isse Mohamed, der vor acht Jahren alleine aus Somalia geflüchtet ist. "Ich muss sagen, dass ich bisher keine schlechten Erfahrungen mit Anfeindungen oder Ähnlichem erlebt habe. Ich habe mich hier gut zurechtgefunden und arbeite als Pfleger in einem Seniorenheim. Bei der Diakonie habe ich auch als Dolmetscher gearbeitet", berichtet Bashir, der auch die österreichische Küche liebt. "Die Mehlspeisen sind köstlich, vor allem der Apfelstrudel."
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.