Florian Gruber
Ein Schicksalsschlag machte ihn zum Tischlerei-Chef
- Florian Gruber aus Schardenberg leitet nun die GFS Fenster und Türenwerk GmbH.
- Foto: Sageder
- hochgeladen von Judith Kunde
Schardenberger Florian Gruber führt nach Tod des Schwiegervaters eine Tischlerei in Natternbach.
SCHARDENBERG, NATTERNBACH. "Eigentlich hatte ich nie den Plan, einmal Geschäftsführer zu werden", gibt Florian Gruber zu. Dass er jetzt trotzdem eine Tischlerei mit 30 Angestellten leitet, war quasi Schicksal. Gruber, der sein Handwerk in der Tischlerei Litzlbauer in Brunnenthal lernte und 2021 den Meister draufsetzte, heuerte vor gut drei Jahren bei der Natternbacher Tischlerei Sageder an. "Schon beim Vorstellungsgespräch mit Martina Sageder hatte ich das Gefühl, an der richtigen Stelle zu sein. Ein mittelständischer Betrieb, in dem die Mitarbeiter nicht einfach eine Nummer sind, sondern Teil einer kleinen Familie. Genau diese Unternehmenskultur hat mich überzeugt." Erst als Monteur, schließlich im Innen- und später im Außendienst, wo er erste eigene Projekte betreuen durfte. "Um den Bezug zur Praxis nicht zu verlieren, bin ich bei den ersten Projekten zusätzlich auf Montage mitgefahren. Das kam bei unseren Kunden gut an, weil sie ihren Ansprechpartner direkt auf der Baustelle erlebt haben."
In Tochter des Chefs verliebt
Mit der Zeit waren aber nicht nur die neuen Herausforderungen im Job der Grund, weshalb er gerne in die Arbeit kam. Zwischen ihm und Anna Sageder, Tochter von Josef und Martina Sageder, entwickelten sich Gefühle.
"Anfangs wollten wir Beruf und Privatleben bewusst trennen, aber irgendwann wurde klar, dass mehr daraus wird. Natürlich war es nicht ganz einfach, das ihren Eltern zu erzählen", erinnert sich Gruber, der im Oktober 30 wird, schmunzelnd.
Aber Josef Sageder habe ihm schnell Vertrauen geschenkt. Doch schon bald konfrontierte das Schicksal das junge Paar mit großen Herausforderungen. Josef Sageder erkrankte schwer und starb im Oktober 2024. Die Tischlerei, deren Geschichte mehr als 100 Jahre zurückreicht, stand ohne Führung da. Gemeinsam habe das Team in der schwierigen Zeit begonnen, interne Abläufe zu modernisieren und Prozesse neu aufzustellen.
"Obwohl schnell erste Verbesserungen sichtbar wurden, war klar, dass es einen wirtschaftlichen Neustart braucht", so Gruber, der diese Phase als schwierigste Zeit seines bisherigen Berufslebens bezeichnet. "Trotzdem habe ich nie den Glauben daran verloren, dass wir einen Weg finden würden. Ich war immer überzeugt, dass unser Unternehmen eine Zukunft hat."
Der Konkurs habe ihm gezeigt, wer in schwierigen Zeiten hinter einem steht und wie wichtig Vertrauen ist.
Gemeinsam mit dem damaligen kaufmännischen Leiter Fred Faschang gründete er das Unternehmen als GFS Fenster und Türenwerk GmbH neu. "Rückblickend bin ich für diese Erfahrung sogar dankbar. Ich habe viel über Unternehmensführung, wirtschaftliches Denken und Verantwortung gelernt. Viele Entscheidungen treffe ich heute bewusster und mit einem deutlich größeren Blick in die Zukunft."
Ziel: Die Firma nach Neustart gesund weiterentwickeln
Er sei überzeugt, dass hochwertige Fenster und Türen auch heute noch einen Platz auf dem Markt haben. Nun wolle er den 30 Angestellten nach den Turbulenzen wieder Sicherheit vermitteln. Und das Unternehmen wirtschaftlich gesund weiterentwickeln. Der KI und Digitalisierung stehe er offen gegenüber – gleichzeitig müsse man aber Bewährtes beibehalten. "Besonders wichtig ist mir, dass unsere erfahrenen Mitarbeiter ihr Wissen noch an die nächste Generation weitergeben können, bevor sie ihren wohlverdienten Ruhestand antreten." Ebenso möchte Gruber im Unternehmen wieder selbst Lehrlinge ausbilden.
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