02.09.2014, 15:16 Uhr

"Nachzipf" kostet Eltern viel

Direktorin Sigrid Freinberger und Administratorin Sabine Drescher am Gymnasium in Wieselburg unterrichten mit Begeisterung.

Viele Schüler im Bezirk mussten heuer wieder eine Nachprüfung absolvieren und Nachhilfe nehmen.

BEZIRK. Zu Beginn dieser Woche entschied sich das Schicksal von 6.500 jungen Niederösterreichern, die sich in den Ferien auf einen Nachzipf vorbereiten mussten. Dabei haben sich die Betroffenen nicht nur die Ferien verhaut, sondern auch die Finanzen der Eltern ordentlich belastet.

670 Euro für Nachhilfe

Laut einer AK-Studie geben diese im Schnitt 670 Euro für Nachhilfe aus, pro Stunde fallen zwischen 15 und 37 Euro Kosten an (siehe Kasten re.). Die Bezirksblätter haben sich im Bezirk Scheibbs umgehört, sprachen mit Schülern und Lehrern über die Plage "Nachzipf" und die Strategien, wie man damit umgeht.

Ein Betroffener erzählt

Franz Schnakl aus Wieselburg hat im heurigen Schuljahr die HTL in Waidhofen an der Ybbs absolviert. In einem Fach muss er sich nun allerdings einer Nach-Matura stellen.
"Das österreichische Schulsystem ist leider nicht besonders objektiv. Die pädagogische Ausbildung der Lehrer ist speziell an berufsbildenden höheren Schulen schlecht und die Pädagogen müssen sich zu wenig weiterbilden", macht Franz Schnakl seinem Ärger Luft.

Begeisterung entfachen

Doris Madlmayr aus Scheibbs unterrichtet an der Volksschule in Wieselburg und glaubt, dass es besonders wichtig ist, bereits den Jüngsten die Begeisterung am Lernen zu vermitteln.
"Viele Eltern sollten sich darüber Gedanken machen, ob ihre Kinder in der jeweiligen Schulform richtig aufgehoben sind, denn viele wollen erzwingen, dass diese mit einer Matura abschließen, obwohl in Österreich ein Facharbeitermangel herrscht. Diese Überforderung der Schüler führt dann zu Frust und in weiterer Folge auch zu Nachprüfungen. Ganz wichtig ist, dass wir Pädagogen so früh wie möglich bei den Schülern die Begeisterung für das Lernen entfachen, sodass die Freude an der Schule auch später erhalten bleibt", erklärt Doris Madlmayr.

Wieselburg ist "anders"

"Bei uns am Gymnasium in Wieselburg haben im vergangenen Schuljahr 36 Prozent der Schüler in der Unterstufe und 25 Prozent in der Oberstufe mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen", freut sich Direktorin Sigrid Freinberger.
"Nur 3,7 Prozent der Schüler waren in Summe nicht aufstiegsberechtigt, das sind zehn Schüler in der Unterstufe und 15 in der Oberstufe", ergänzt Lehrer-Kollegin Sabine Drescher vom Wieselburger Gymnasium.

Nachhilfe kostet 670 Euro pro Kind

Jeder fünfte Haushalt mit Schulkindern hat im laufenden Schuljahr bzw. letzten Sommer bezahlte Nachhilfe in Anspruch genommen. Im Schnitt zahlen die Eltern 670 Euro dafür, hochgerechnet auf alle Haushalte sind das 19 Millionen Euro/Jahr. Weitere 7 Prozent haben unbezahlte Nachhilfe (z. B.: bei Verwandten).
Am meisten ist Nachhilfe in Mathematik und bei Fremdsprachen nötig.
Die Kosten für den Schulbesuch der Kinder empfinden 97% der Familien als Belastung, Alleinerzieher und Familien mit niedrigem sozialen Schichtindex noch wesentlich stärker als der Rest.
Um die Belastungen zu mindern, fordert die Arbeiterkammer NÖ den Ausbau einer qualitativ hochwertigen schulischen Nachmittagsbetreuung – ohne dass die Eltern tief in die Tasche greifen müssen.
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