Auszug aus "Unglaubliche Luftfahrtgeschichten"
Feministischer Aufstieg mit Hindernissen
- hochgeladen von Gerhard Gruber
Die Anfänge der Luftfahrt waren eindeutig eine Männerdomäne. Es gab nur eine Handvoll Damen, welche das Cockpit erobern konnten. Alle hatten eine unglaubliche Persönlichkeit und Durchsetzungskraft. Die erste Frau war Raymonde de Laroche aus Frankreich, sie bekam ihre Pilotenlizenz im Jahr 1910.
Durch ihre Zielstrebigkeit schafften die wenigen Damen aber unglaubliche Erfolge. So war es zum Beispiel Amelia Earhart aus den USA, welche für ihre Atlantiküberquerung im Jahr 1932 berühmt wurde.
Auch im Zweiten Weltkrieg gab es einige Damen. In Deutschland war dies Hanna Reitsch, sie war Testpilotin für das Raketenflugzeuge Me 163. In der Sowjetunion gab es die Bomberstaffel „Nachthexen“, bei welche sogar ausschließlich Damen flogen.
Die Firma Viennair war die erste Firma in Österreich, welche auf den Businessjets Damen einsetzte. Die erste Pilotin war Christa Fluck im November 1987. Sie war sogar als jüngste Jetpilotin im Guinness Buch der Rekorde. Ein Jahr danach stellte Niki Lauda bei einer Pressekonferenz die erste Frau in Österreich auf Linienflugzeugen vor. Es war Eva Jobst, die im September 1988 auf einer Boeing B737 als Kopilotin begann.
Bei Viennair kamen neben Christa Plessner noch drei weitere hauptberufliche Kopilotinnen hinzu. Es waren dies Elke Griedl, Susanne Junker und Helga Wallner. Da die Kabine grundsätzlich mit Flugbegleiterinnen besetzt war, flog man als Kapitän überwiegend mit zwei Damen und wurde oft als Hahn im Korb betrachtet.
Der Einsatz von weiblichen Kopiloten war damals noch weitgehend unbekannt und führte zu so manchen eigentümlichen Situationen.
Am 4.3.1991 hatten wir einen Flug mit Bürgermeister Zilk von Ljubljana nach Wien. Helga war hinter dem WC im Gepäckabteil und schlichtete das umfangreiche Gepäck der Delegation. Einer der Teilnehmer wollte auf das WC, sah Helga von hinten und fragte: Haben sie da was zu tun? Die Reaktion von Helga war dementsprechend giftig, mit den Worten: Ich bin ihre Kopilotin. Es war nicht das erste Mal, dass man sie unterschätzte, und ich hörte ihren Unmut bis zur Landung in Wien.
Besonders delikat waren die Einsätze unserer weiblichen Crews in arabischen Ländern.
Im Juni 1990 flog der Generalsekretär des Außenministeriums und spätere österreichische Bundespräsident Thomas Klestil mit dem Challenger CL601 nach Teheran. Die Reise stand im Zusammenhang mit diplomatischen Bemühungen Österreichs, die Beziehungen zum Iran zu verbessern und wirtschaftliche Kooperationen zu fördern.
Wissend, dass weibliche Besatzungen unerwünscht sind, wurde eine ausschließlich männliche Besatzung gesucht. Beim Challenger hatten wir aber nur weibliche Kopiloten und der Einsatz eines zweiten Kapitäns hätte auf anderen Flugzeugen gefehlt. Es musste daher eine Dame fliegen, es war Christa Plessner.
Schon einige Tage vor dem Abflug bekamen wir einen genauen Dresscode für Christa. Neben der Verhüllungspflicht der Haare und Füße gab es sogar ein Verbot von lackierten Fingernägeln. Etwas grotesk war die Begrüßung in Teheran durch den österreichischen Botschafter. Er gab allen Männern die Hand, als er zu Christa kam, sagte er ihr: Entschuldigen sie, ich gebe ihnen hier nicht die Hand, es würde uns beiden nicht guttun. Die abfällige Behandlung der Damen zeigte sich auch dadurch, dass die Passagiere und die männliche Besatzung mit einem Bus zum Gebäude gebracht wurden, Christa aber zurückgelassen wurde und zu Fuß gehen musste.
In arabischen Ländern werden Frauen oft als Menschen zweiter Klasse behandelt, aber gleichzeitig auch als Objekte der Begierde – ein Widerspruch, der sich in Tripolis auf kuriose Weise zeigte. Ich lag mit der blonden Flugbegleiterin am Hotelpool, und wir genossen den sonnigen Tag. Rund um uns waren ausschließlich Männer. Nach einem kurzen Gang zur Toilette konnte ich kaum glauben, was ich sah, als ich zurückkam. Meine Flugbegleiterin war von etwa 15 Männern umringt, die im Kreis saßen und immer näher rückten. Sie war sehr erleichtert, als ich wieder bei ihr war.
Sehr grotesk war auch die Situation in Tripolis am 5.8.1989 mit der Kopilotin Helga Wallner. Unser Flugzeug war eine C550. Bei dieser Type flog keine Flugbegleiterin mit, die Organisation des Caterings lag daher bei der Kopilotin. Mühsam arbeiteten wir uns durch die vielen Sicherheitskontrollen, bis wir endlich im Büro des Flughafenchefs waren. Das Zimmer hatte eine eindrucksvolle Größe. Auch der Schreibtisch erschien riesig, besonders auch, weil nur ein Telefon darauf zu sehen war.
Ich erklärte dem Chef, dass wir für den Weiterflug gerne das Catering bestellen würden. Er wählte eine Nummer und gab mir den Hörer. Da ich keine Ahnung hatte, was gewünscht war, gab ich den Hörer an Helga weiter. Als der Chef dies sah, entriss er den Hörer von Helga und gab ihn wieder mir. Während ich ihm erklärte, dass nur Helga weiß, was zu bestellen ist, gab ich den Hörer wieder an Helga.
Noch wütender als zuvor entriss er erneut den Hörer von Helga und begann mit der Gegenstelle in arabischer Sprache zu sprechen. Aus dem Tonfall erkannte ich, dass er sich bei der Gegenstelle entschuldigte, dass jetzt eine Frau sprechen wird. Offensichtlich war das kulturell nicht vorgesehen, dass eine Frau bei einem Mann etwas bestellt. Während Helga telefonierte, schaute er sie grimmig an.
Weibliche Cockpitbesatzungen sind heute in fast allen Ländern im Einsatz. In den westlichen Ländern erregt dies keine Aufmerksamkeit mehr.
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Interessante Luftfahrt Videos gibt es auf www.youtube.com/@Sunflyer54
Zu den Fotos:
Mit drei Damen unterwegs nach Mykonos.
Helga Wallner mit der Kabinenbesatzung bei der After-Landing-Feier.
Auf Langstrecke zwischen den Malediven und Frankfurt mit Christa Plessner.
Vor der Falcon 900 in Ljubljana.
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