Glaubenskirche inklusiv
Advents-Gottesdienst für Menschen mit Demenz
- Der Weihnachtsstern ist gleichzeitig Leitstern für den Advent-Gottesdienst in der Glaubenskirche für Menschen mit Demenz
- hochgeladen von Christian Buchar
Mit einem eigenen Gottesdienst für Menschen mit Demenz hat die Simmeringer Glaubenskirche für einen besonderen Akzent in der Adventszeit gesorgt.
Das „Vater unser“ also: Das gemeinsame Gebet vereinigt die Gottesdienstbesucher. Auch bei vielen der Besucherinnen und Besucher mit Demenz ist der Text präsent – und wird eifrig mitgesprochen.
Der wesentlichste Unterschied zu den sonst üblichen Gottesdiensten lässt sich beim speziell auf Menschen mit Demenz ausgerichteten Gottesdienst mit einem Wort zusammenfassen: Entschleunigung. Die Texte werden langsamer gesprochen, der Anteil des gesprochenen Worts ist deutlich reduziert. Pfarrerin Anna Kampl setzt auf persönliche Ansprache der einzelnen Menschen, auf Berührungen, auf Fühlen. Ein Plüschstern geht – als Symbol für den Stern von Betlehem – durch die Reihen, kann berührt, gestreichelt, empfunden werden. Eine Tochter der Pfarrerin geht, als Engel verkleidet, mit einer Schüssel voll mit adventlichen Gerüchen zu den Menschen mit Demenz. Wieder geht es um Riechen, Fühlen, Empfinden - darum vielleicht einst Vertrautes wieder in Erinnerung zu rufen.
Von zwei Einrichtungen, dem Pflegewohnhaus Dittmanngasse und den Hausgemeinschaften des Diakoniewerks in der Erdbergstraße, sind Menschen mit Demenz zum Gottesdienst in die Glaubenskirche gekommen. Alle diese Damen und Herren bekommen in der Kirche eine persönliche Betreuerin, einen persönlichen Betreuer zur Verfügung gestellt – viele davon Menschen, die aus ihren Heimatländern geflüchtet sind. „Die Glaubenskirche ist ein Ort, wo jede und jeder willkommen ist“, betont Pfarrerin Anna Kampl erneut. „Gerade auch die Zusammenarbeit mit der Diakonie ist uns dabei besonders wichtig, weil in Zusammenarbeit oft besonders Gutes entstehen kann.“ Die evangelische Pfarrgemeinde Simmering ist ja auch erst vor wenigen Wochen für ihr Engagement als inklusive Gemeinde mit dem heurigen Diakoniepreis ausgezeichnet worden.
„Oh Du fröhliche“ klingt es durch das Kirchenschiff, wieder lassen sich in vielen Gesichtern plötzlich Erinnerungen erkennen. Der Jugendchor „Socks on Fire“ sorgt für die richtigen stimmungsvollen Töne. Und beim anschließenden Pfarrcafe wird mit Mehlspeisen, Kaffee und Tee noch für einen gemeinsamen Ausklang gesorgt. Eine der Damen mit Demenz gibt gleich bei der Ankündigung des Pfarrcafes zum Ende des Gottesdienstes ihre Bestellung auf: „Kaffee bitte!“ Sie hat ihn natürlich bekommen.
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