Gemeindereport
Josef Jury: "Gmünd hat sich als Künstlerstadt etabliert"
- Die Künstlerstadt Gmünd
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Bürgermeister Josef Jury über die Entwicklungen in der Künstlerstadt Gmünd.
GMÜND. Pünktlich zum 70-jährigen Jubiläum des Staatsvertrages und 30 Jahre nach dem EU-Beitritt spricht Bürgermeister Josef Jury im Interview mit MeinBezirk.at über die größten Errungenschaften, aktuelle Herausforderungen und seine Wünsche für die Zukunft von Gmünd.
MeinBezirk: Herr Bürgermeister, was waren die größten Projekte der letzten 70 Jahre in Gmünd?
Josef Jury: In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Gmünd stark weiterentwickelt. Besonders prägend war die kulturelle Wiederbelebung der Stadt ab den 1970er-Jahren. Der Stadtverein Gmünd hat sich intensiv für die Restaurierung der mittelalterlichen Altstadt eingesetzt, die Burg für Veranstaltungen geöffnet und schließlich 1992 das Burgrestaurant eröffnet. Ein weiteres wichtiges Projekt war die Errichtung des Biomassekraftwerks 1994. Eine bäuerliche Genossenschaft versorgt seither rund 400 Haushalte mit erneuerbarer Energie. Auch die Inbetriebnahme des Wasserkraftwerks Gmünd 2022 war ein bedeutender Schritt für eine nachhaltige Stromversorgung. Die wohl größte Entwicklung war aber die Etablierung von Gmünd als Künstlerstadt. Durch Kunst im öffentlichen Raum, kreative Plattformen und die Förderung junger Künstler hat sich die Stadt zu einem kulturellen Zentrum entwickelt. Ein Meilenstein war die Gründung der „Künstler:innenstadt Gmünd gemeinnützigen Privatstiftung“ im Jahr 2023, mit der langfristig eine nachhaltige Förderung der Kunst sichergestellt wird. Ein weiteres Highlight steht bevor: Das Kunsthaus Gmünd wird im Mai 2025 eröffnet.
Gab es große Herausforderungen oder prägende Ereignisse in der Stadtgeschichte?
Gmünd ist glücklicherweise von Naturkatastrophen weitgehend verschont geblieben. Ein tragisches Ereignis war jedoch der Einsturz eines Teils der Tauern-Autobahn-Brücke über das Liesertal am 16. Mai 1975, bei dem mehrere Arbeiter ums Leben kamen. Wirtschaftlich und kulturell gab es immer wieder Herausforderungen, doch durch vorausschauende Planung und das große Engagement der Bevölkerung konnte Gmünd kontinuierlich wachsen. Besonders die Entwicklung zur Künstlerstadt war ein ambitioniertes, aber erfolgreiches Vorhaben.
Wer war zur Zeit der Unterzeichnung des Staatsvertrags 1955 Bürgermeister in Gmünd?
Franz Krämmer war von 1951 bis 1965 Bürgermeister von Gmünd. Seine Amtszeit fiel in eine entscheidende Phase der Stadtgeschichte, geprägt vom Wiederaufbau nach dem Krieg und der politischen Neuorientierung nach dem Staatsvertrag. Unter seiner Führung wurde Gmünd zu einer stabileren und fortschrittlicheren Gemeinde.
Wie hat sich der Tourismus in Gmünd seit den 1950er-Jahren entwickelt?
Während der Tourismus in den 1950er-Jahren vor allem durch Nächtigungsgäste geprägt war, hat sich Gmünd in den letzten Jahrzehnten zu einer attraktiven Tagesdestination mit kulturellem Schwerpunkt entwickelt. Heute ist die Stadt das Eingangstor zum Nationalpark Hohe Tauern und zum Biosphärenpark Nockberge. Besucher können hier Kunst, Kultur und Natur gleichermaßen erleben.
Welche Auswirkungen hatte der EU-Beitritt auf die Gemeinde?
Der EU-Beitritt brachte für Gmünd sowohl Vorteile als auch Herausforderungen. EU-Förderungen ermöglichten zahlreiche Infrastruktur- und Kulturprojekte, die ohne diese Mittel kaum realisierbar gewesen wären. Gleichzeitig mussten wir uns an neue Vorschriften und Verwaltungsabläufe anpassen. Insgesamt hat der EU-Beitritt die wirtschaftliche und kulturelle Weiterentwicklung der Stadt unterstützt.
Auf welches Projekt oder welche Entwicklung sind Sie als Bürgermeister besonders stolz?
Ein Herzensprojekt ist für mich die Neugestaltung des Hauptplatzes. Dieser wurde in den letzten Jahren umfassend saniert und aufgewertet. Er ist nicht nur optisch ein Gewinn für die Stadt, sondern steigert auch die Lebensqualität unserer Bürger und die Attraktivität für Besucher.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft Gmünds?
Ich wünsche mir, dass Gmünd seinen eingeschlagenen Weg weitergeht und sich als lebendige, kulturell und wirtschaftlich attraktive Stadt weiterentwickelt. Ein großes Ziel ist es, die Bevölkerung auf 3.000 Einwohner zu steigern. Zudem könnte eine Fusion der fünf umliegenden Gemeinden langfristig viele Vorteile bringen.
Ihr Fazit für die kommenden Jahrzehnte?
Gmünd hat sich in den letzten 70 Jahren von einer kleinen Stadt zu einer kulturellen Hochburg entwickelt. Ich bin zuversichtlich, dass wir diesen Weg fortsetzen und weiterhin ein Ort bleiben, an dem sich Geschichte, Kunst und Gemeinschaft auf einzigartige Weise verbinden.
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