Ostergeschenk von Franz Riegersperger

Kurz vor Ostern erreichte die Redaktion der Tennengauer Bezirksblätter ein ganz besonderes Geschenk. Maler und Graphiker Franz Riegersperger, dessen Osterausstellung noch diese Woche im Musikum in Hallein zu bewundern ist, schickte passend zu Ostern und Karfreitag ein von ihm selbst gezeichnetes und in ein Kreuz gefasstes Bild mit dem Titel „Kreuzweg – Station VII“. Besonders bemerkenswert an der Kunst und an diesem Bild Riegerspergers ist, dass er die Leidensszene Jesu mit sparsamen Mitteln, oft ohne den Stift nur einmal abzusetzen, eindrucksvoll zu Papier bringt. Neben dem Bild gibt es eine extra für die Ausstellung verfasste Kreuzweg-Legende. Wer diese lesen möchte, kann dies nachfolgend gerne tun.

KREUZWEG

GESCHICHTE UND LEGENDE, von Franz Riegersperger

Ein heißer Freitagmorgen. Die römischen Legionen in ihren klirrenden Rüstungen beschützen Jesus vor der Wut, dem Hass, vor dem Pöbel, vor den Pharisäern, den Priestern, den Schriftgelehrten, vor der Steinigung und Strangulierung. Jesus wird mit einer Dornenkrone auf seinem Haupt und mit braunen Binsenkolben zwischen den Händen gefesselt, verspottet und mit einer schmerzhaften „Königskrone“ und einem „Zepter“ in den Händen herbeigezerrt. Pontius Pilatus, der römische Stadthalter von Palästina und Landpfleger in Judäa, in einer kostbaren Toga gehüllt, übersieht den grauenhaften Tumult.

Die Juden schreien: „ANS KREUZ MIT IHM“!
Pilatus fragt Jesus: „BIST DU DER KÖNIG DER JUDEN“?
Jesus antwortet: „ICH BIN ES“.
Da fragt Pilatus den Hohen Priester: „WEN SOLL ICH EUCH GEBEN – BARNABAS ODER JESUS“?
Da schreit das aufgebrachte Volk im Chorstakkato: „JESUS, JESUS ANS KREUZ MIT IHM“! Pilatus fragt: „WAS SOLL ICH MIT JESUS MACHEN“?
Alle schreien weiter: „ANS KREUZ MIT IHM“!
Pontius Pilatus: „ICH FINDE KEINE TODESSCHULD“.
Und wieder schreien sie. „ANS KREUZ MIT IHM“!
Pilatus gab ihnen Jesus, lässt ihn geißeln und sagt: „KREUZIGT IHN“!
Jesus leise: „VATER, WARUM HAST DU MICH VERLASSEN? VERGIB IHNEN, DENN SIE WISSEN NICHT WAS SIE TUN“:
Pilatus wird eine Wasserschüssel gereicht und spricht: „NUN WASCHE ICH MEINE SCHULD VON SÜNDEN REIN“...

An diesem heißen, sonnigen Freitag beginnt das Drama des Leidenswegs Jesu. Immer noch hörte man fern und nah: „ANS KREUZ MIT IHM“! Ein schweres Kreuz wird herbeigeschleppt. Jesus nimmt es auf seine wunde Schulter. Lärmender, tosender Beifall...

Auf seinem Weg nach Golgota bricht Jesus entkräftet zwischen Hassgeifern, Spottgegröle und Misshandlungen zusammen. Niedergefallen liegt Gott unter dem Kreuz ... aber steht wieder auf und schleppt sich mühsam mit seiner Kreuzeslast weiter.

Am Wegkreuz begegnet Jesus seiner Mutter. Sie folgt ihm, begleitet ihn in seiner schwersten Stunde. Seine Leiden sind auch ihre Leiden, ihr Kreuzweg.

Am Kreuzweg bergauf kommt ein Unbekannter, Simon von Cyrene und hilft dem erschöpften, gemarterten, zusammengebrochenen Jesus vor dem spottenden Menschenmob, das Kreuz zu tragen.

Veronika zwängt sich durch den Kordon der Legionäre zu dem wankenden mit Schweiß und Blut bedeckten Gesicht, Jesu. Die Sonne brennt unerträglich, sie drängt sich durch die Menschenmenge und reicht dem Gefolterten ein Linnentuch. Er trocknet sein blutiges Haupt. Schweiß und Blut bleiben als Antlitz auf dem Tuch überirdisch haften...

Jesus torkelt durch die schreiende, gaffende Menschenmenge. Die Sonne bereitet unsägliche Qualen. Er fällt mit seiner ganzen Erdenlast zum zweiten Male unter dem Kreuz.

In der schreienden, sensationshungrigen Menschenmasse, ringsum weinende Frauen. Sie können nichts für Jesus tun.

Sie beklagen Jesus. Er mahnt sie: „WEINT NICHT ÜBER MICH, SONDERN ÜBER EUCH UND EURE KINDER“...

Das Kreuz ist zu schwer... Jesus ist ganz erschöpft und bricht zum dritten Mal zusammen. Scharfe Wegsteine zerschinden ihm die Knie. Der traurige und schreiende Zug nähert sich dem Kalvarienberg, der Richtstätte. Mit letzter Kraft geht er seinen unendlichen Weg nach Golgota weiter....

Jesus ist auf dem Richtplatz angekommen, die letzte Strecke seines Lebensweges. Die Hinrichtung wird vorbereitet. Die Schergen reißen ihm die Kleider vom Leibe, so dass alle Geißelwunden aufbrechen und neu zu bluten beginnen. Ein Anblick der schrecklichen Todesangst...

Am Ort der Schädelstätte wird er in seiner ganzen Größe auf das Kreuz genagelt und Wird von den Henkern aufgerichtet. Nun ist es geschehen.

Jesus hängt am Kreuz und klagt: „MICH DÜRSTET“.
Es folgen drei Stunden Todeskampf – länger als dreißig Jahre leben!
Jesus: „VATER VERZEIH IHNEN, DENN SIE WISSEN NICHT WAS SIE TUN“!
Seine letzten Worte: „ES IST VOLLBRACHT“ gingen um die Welt!
Über seinem Haupt eine Schleife mit den Worten: „JESUS VON NAZARETH; KÖNIG DER JUDEN“.

Jesus hat ausgelitten. Er wird vom Kreuz abgenommen und langsam gleitet er herab in die Arme seiner Mutter. Der Leib Jesu wird zum Begräbnis vorbereitet und seine Getreuen wickeln ihn in Linnentücher und bringen den zerschundenen Leichnam zum Felsengrabe.

Die Auferstehung wird erst am Ende des Weltenlaufes vollendet sein, jenseits des Grabes in seiner Glorie in der großen Menschheitsfamilie....

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