Alte Ansichten
Das Aus der Zellstofffabrik Obir/Rechberg
- Zellstofffabrik Rechberg um 1955
- Foto: Kunstverlag Franz Schilcher, Karte im Eigentum der Familie Lamprecht
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Die Schließung der ehemaligen Zellstofffabrik Obir/Rechberg im Jahr 1989 soll eng mit der damaligen Kärntner Politik sowie mit neuen Umweltauflagen verknüpft gewesen sein.
BAD EISENKAPPEL. Die einstige Zellstofffabrik Obir/Rechberg war über Jahrzehnte der größte Arbeitergeber der Region Unterkärnten. Das Werk wurde in den Jahren 1890/1891 auf den Fundamenten eines alten Eisenhammerwerks errichtet. In seiner Spitzenzeit waren in der Fabrik bis zu 1.000 Arbeiter beschäftigt, jedoch hatte das Unternehmen im Laufe seines fast hundertjährigen Bestandes mit vielen Rückschlägen zu kämpfen. „Feuer, Hochwasser, zwei Kriege und ein Sturm verursachten immer wieder große wirtschaftliche Probleme“, erklärt Ferdinand Bevc, „Topothekar“ der Marktgemeinde Eisenkappel-Vellach.
- So wurde damals das Holz in die Fabrik transportiert.
- Foto: Fera Karin
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„Widerstand“
In den 1970er-Jahren kam es schon fast zum endgültigen Stillstand der Fabrik, denn im Jahr 1979 musste die Fabrik den „Ausgleich“ anmelden, der durch den damaligen Bürgermeister Josef Lubas noch verhindert werden konnte. „Slovenija Papier“ übernahm 70 Prozent der Anteile, 30 Prozent übernahm die Donaufinanz. Doch mit der Übernahme der Fabrik durch eine slowenische Firma begann ein neues Problem. „Der politische Widerstand, vor allem durch den Kärntner Heimatdienst und die Freiheitliche Partei, war groß“, erinnert sich Bevc an die damalige Zeit.
- 5.12.1987: Wegen der drohenden Schließung der ehemaligen Zellstofffabrik Obir fuhren die Eisenkappler mit einem Sonderzug nach Wien zur Demonstration.
- Foto: Kogoj Peter
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Umweltschäden
Kärnten hatte zur damaligen Zeit zwei große Zellstofffabriken: Magdalen bei Villach sowie eben Rechberg. Beide Fabriken verursachten riesige Umweltschäden. Ferdinand Bevc schildert die Entwicklung: „Die zwei Anlagen entsprachen nicht mehr den neuen Umweltbestimmungen und hatten enormen Investitionsbedarf, den sie mit eigenen Mitteln nicht stemmen konnten. Auch für das Land Kärnten war eine Förderung für beide Fabriken nicht möglich.“ Schließlich wurde nur in die Anlage in Villach investiert. Jedoch vergebens: Auch diese musste wie in Rechberg auch im Jahr 1989 geschlossen werden.
- Ferdinand Bevc: "Die Hälfte der Bevölkerung von Eisenkappel-Vellach war von der Schließung direkt betroffen.“
- Foto: Privat
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„Schicksalsschläge“
Ferdinand Bevc war zum Zeitpunkt der Schließung knapp 30 Jahre alt und kennt einige Schicksalsschläge: „Kurz vor der Schließung waren immerhin noch 200 Arbeiter beschäftigt. In den meisten Familien war damals auch nur eine Person arbeitstätig. Auch die Bauern haben mit der Fabrik einen Hauptabnehmer für ihr Holz verloren. Die Hälfte der Bevölkerung von Eisenkappel-Vellach war von der Schließung direkt betroffen.“ Durch einen Sozialplan der Gemeinde konnte letztlich einiges „abgefedert“ werden. Dennoch nahm die Gemeinde eine Neuausrichtung mit Fokus auf den Tourismus vor. Ferdinand Bevc stellt klar: „Heute hat der Ort das Prädikat ‚Luftkurort‘. Dies wäre damals aufgrund der Geruchsbelästigung durch die Fabrik nicht möglich gewesen.“
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