11.10.2017, 10:57 Uhr

MIT VIDEO: Runder Tisch mit den Wahlkreis-Spitzenkandidaten

Im Gespräch: Johann Weber (ÖVP), Wolfgang Knes (SPÖ), Bernard Smrntik (Neos) und Christian Ragger (FPÖ) (von links) (Foto: Kristina Orasche)
BEZIRK VÖLKERMARKT (sj). Die WOCHE lud die Spitzenkandidaten der Nationalratswahl, die am Sonntag stattfindet, im Wahlkreis Ost (St. Veit, Wolfsberg, Völkermarkt) am 28. September zu einem runden Tisch. Dieser fand im Hotel Aldershoff in Wolfsberg statt.

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Der Einladung folgten Nationalratsabgeordneter Wolfgang Knes (SPÖ) aus St. Stefan im Lavanttal, Gemeinderat und LFS-Lehrer Johann Weber (ÖVP) aus St. Stefan im Lavanttal, Christian Ragger (FPÖ) aus Frantschach und der EL-Gemeinderat Bernard Smrtnik (Neos) aus Bad Eisenkappel. Der Spitzenkandidat der Grünen, der Völkermarkter Gemeinderat Stefan Grauf-Sixt, konnte am runden Tisch aufgrund einer Terminkollision nicht teilnehmen. Drei Fragen den Bezirk Völkermarkt betreffend stellte die WOCHE den Spitzenkandidaten:

1.) Koralmbahn: Was konkret bringt dieses Projekt dem Bezirk? Für den Bahnhof Kühnsdorf wird ein IC-Halt gefordert – wie stehen Sie dazu? Wie kann man den Verladebahnhof in Kühnsdorf erhalten?


2.) Was sind Ihre Vorschläge gegen die zunehmende Abwanderung im Bezirk?


3.) Der Wahlkreis Ost ist zu zwei Drittel ländlich strukturiert. Wie wollen Sie hier den Wirtschaftsstandort absichern bzw. stärken?


Die Antworten der Kandidaten:

Wolfgang Knes (SPÖ):
Zu Frage 1: Die Drehscheibe wird in St. Paul stattfinden. Kühnsdorf bekommt einen eigenen Anschluss nach St. Paul. Ein IC-Halt ist noch nicht ausdiskutiert. Wir dürfen nicht klein denken. Von St. Paul ist man in 1 Stunde 50 Minunten Wien. Wenn jeder einen Bahnhof will, ist die Koralmbahn nicht das, was sie sein soll. Die Lavanttalbahn führt bis Kühnsdorf und wird gerade generalsaniert. Ich bin in 15 Minuten von St. Paul in Kühnsdorf. Einmal umsteigen sollte zumutbar sein.

Zu Frage 2: Genau um der Abwanderung entgegenzuhalten haben wir im Nationalrat 170 Millionen Euro für die Gemeinden beschlossen. Die Gemeinden müssen Projekte einreichen. Viel Geld vom Bund liegt in Töpfen, das nie abgeholt wird. Das alleine wird aber nicht helfen. Die Digitalisierung 4.0 kommt schneller als wir denken, ohne Breitband wird das nicht funktionieren und wir sind verpflichtet, das einzuleiten. Von der Breitband-Milliarde profitieren Ballungszentren, in denen es eh schon schnelles Internet gibt. Randregionen müssen vorgezogen werden.

Zu Frage 3: Fokus auf Jugend. Wir haben das Know-How und das müssen wir unserer Jugend geben. Ich könnte mir die gesetzliche Ausbildungspflicht bis 21 vorstellen.

Johann Weber (ÖVP):
Zu Frage 1: Die Koralmbahn ist im Allgemeinen eine absolute Bereicherung. Wo Handelswege sind, ist Wohlstand und die Koralmbahn ist ein moderner Handelsweg. Dort wird sich die Wirtschaft etablieren. Der Verladebahnhof in Kühnsdorf wäre wichtig für Wirtschaft. Hier ist die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen zu schaffen. Es gilt aber auch hier, dass nicht nur jede Gemeinde für sich im Kleinen denken darf.

Zu Frage 2: Mit der Digitalisierung kommt man aus dem hintersten Winkel in die Öffentlichkeit und umgekehrt. Die Gemeinden sollen Konzepte entwickeln, das Geld dafür ist da. Der ländliche Raum ist auch als Erholungsraum zu sehen. Wer in der Stadt lebt und frei hat, fährt meist aufs Land, um sich zu entspannen. Da muss man ansetzen. Das zieht auch wieder Arbeitsplätze aufs Land.

Zu Frage 3: Heruntergebrochen auf das Lavanttal, gilt aber auch für St. Veit und Völkermarkt: Wir müssen uns viel mehr als eine Region sehen. Es kommt nicht auf die einzelne Gemeinde an, wo sich ein Betrieb ansiedelt. Ob wir von Wolfsberg nach St. Paul oder St. Andrä zur Arbeit fahren ist egal. Die Region ist wichtig.

Christian Ragger (FPÖ)
Zu Frage 1: Man muss seitens der Wirtschaft schauen, dass man die Tonnagierung, die jetzt mit 60.000 Tonnen festgelegt wurde, erhöht. In den kommenden zehn Jahren werden sich die Tonnagen auf Schiene und Straße verdoppeln. Kühnsdorf gehört entwickelt, damit wurde jetzt Philipp Liesnig beauftragt. Wenn ich die Tonnagenleistung erbringe und Kühnsdorf logistisch aufbaue, habe ich auch den IC-Anschluss.

Zu Frage 2: Wenn viel Geld in den Töpfen bleibt, wie Knes es gesagt hat, müssen wir in der Servicierung stärker werden, hier sind alle gefordert. Die Stärkung des ländlichen Raumes ist auch eine Holschuld. Wenn ich sehe, was andere Länder mit europäischen Geldern finanzieren, dann sind wir einfach schlecht in der Abwicklung. Das ist unser Kernproblem. Wir müssen den ländlichen Bereich an die Städte anbinden, denn dort sind die Arbeitsplätze. Das geht nur mit Infrastruktur und Digitalisierung. Junge Arbeitnehmer brauchen kein Auto mehr, sondern den Laptop. Dann können sie überall sitzen.

Zu Frage 3: Der Schwerpunkt muss viel mehr auf der betrieblichen Lehrlingsausbildung liegen. Hier kann auch der Nationalrat etwas tun, nämlich Geld in die Hand nehmen und eine gesetzliche Handhabung festlegen.

Bernard Smrtnik (Neos)
Zu Frage 1: Wo die Drehscheibe ist, ist egal. Die Tonnagen müssen abgedeckt werden. Wenn man hier auch mit Slowenien verhandelt, ist Kühnsdorf natürlich interessant. Wichtig ist ein Schutz der Anrainer vor dem Lärm des Verladebahnhofs.

Zu Frage 2: Das Glasfaserinternet muss auf jeden Fall ausgebaut werden. Wir müssen am Land die Hausärzte mit den Hausapotheken behalten können. Wichtig ist es auch, von unten nach oben die Familien und die Gemeinden zu stärken.

Zu Frage 3: Ich sehe hier nicht nur die großen Wirtschaftsbetriebe. Was ist mit jenen, die daheim einen Bauernhof übernehmen wollen? Klein- und Mittelbetriebe müssen gestärkt werden, die Bürokratie muss schmäler werden. Man muss den Betrieben die Chancen geben, Lehrlinge auszubilden und zum Beispiel die Lohnnebenkosten senken und die Unternehmer einfach ihre Arbeit tun lassen.


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Rudolf Scheutz aus Flachgau | 12.10.2017 | 07:33   Melden
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