13.06.2017, 09:25 Uhr

Ybbstal befürchtet Katastrophe

Ein Bild der Verwüstung: Rund 600 Kubikmeter Gesteinsmaterial "rutschten" vor einer Wohnhaussiedlung in den Abgrund.

Nach dem Hangrutsch in Böhlerwerk ist man auf Erklärungssuche. Kann so etwas wieder passieren?

SONNTAGBERG. "Wir sind alle sehr, sehr froh, dass es keine persönlichen Opfer zu beklagen gibt", so der sichtlich erleichterte Bürgermeister Thomas Raidl nach dem massiven Hangrutsch in Böhlerwerk in der Gemeinde Sonntagberg.

"Nach den ersten Begutachtungen seitens des geologischen Dienstes des Landes Niederösterreich besteht keine weitere Gefahr für das Areal rund um die Wohn-haussiedlung (Dr.-Theodor-Körner-Hof, Anm.). Die Lage sei von den Experten als stabil eingeschätzt worden", erklärt Raidl.

Zugrisse im Gestein

Doch wie kam es zu dem plötzlichen Hangrutsch, der auf etwa 100 Meter Länge Teile einer Straße sowie eine darauf befindliche Bushaltestelle mit in den Abgrund riss?
"Die Ursache liegt schlicht und einfach in der Schwerkraft", gibt der zuständige Begutachter und Geologe des Landes Niederösterreich Michael Bertagnoli zu verstehen.

"Es handelte sich um eine Felswand mit Überhang. Und dieser Überhang ist regelrecht abgebrochen. Über Jahrzehnte hinweg dürften sich im Gestein sogenannte Zugrisse gebildet haben, die letztendlich für den Hangrutsch ausschlaggebend waren", so der Geologe.

Hochwasser als Risiko

Gesteinsüberhänge wie jener in Böhlerwerk finden sich im Ybbstal immer wieder. "Besonders in Waidhofen gibt es einige zu sehen", so Bertagnoli. Zurückzuführen sind diese Überhänge auf Hochwasser und Überschwemmungen.

"Das Gesteinskonglomerat (Gemisch verschiedenster Bestandteile, Anm.) entlang der Ybbs sind Ablagerungen aus der Eiszeit. Manche Schichten sind weich, andere härter. Hochwasser und Überschwemmungen höhlen das ungeschützte Gestein von unten aus, so dass das Gebilde eines Überhangs entstehen kann", erklärt der Experte.

Vorhersage nicht möglich

Eine Vorhersage, ob und wann es wieder zu einem Hangrutsch entlang der Ybbs kommt, ist laut Bertagnoli nicht möglich. "Man kann nur betroffene Gefahrenstellen mittels Pfeilern und Stützen absichern."
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