13.10.2017, 13:52 Uhr

Rekordstand bei der Kinderbetreuung – SPÖ vermutet Zahlentrickserei

Margarete Josseck-Herdt und Andreas Rabl jubeln über die Entwicklungen bei der Kinderbetreuung. Die SPÖ macht nicht mit. (Foto: FPÖ Wels)
WELS. Stolz präsentierten Bürgermeister Andreas Rabl und Generationen-Stadträtin Margarete Josseck-Herdt kürzlich die Betreuungsquoten für Kinder unter sechs Jahren in Wels. Die Barcelona-Ziele der EU werden mit einer Betreuungsquote von etwa 97 Prozent für Über-Drei-Jährige und über 36 Prozent für Unter-Drei-Jährige übertroffen. "Das ist alles andere als normal in Österreich", meint Rabl. Im laufenden Kindergartenjahr werden in Wels 2.916 Kinder, davon 1.950 städtisch und 966 privat, in Krabbelstuben, Kindergärten und bei Tagesmüttern betreut. Das bedeutet einen neuen Rekord. Um den Bedarf zu decken, wurden provisorische Plätze geschaffen, wie etwa im Quartier Noitzmühle, und neues Personal eingestellt. 23 Pädagogen, sechs Helfer sowie fünf weitere Pädagogen zur Sprachförderung wurden neu eingestellt. "Wir haben jedem Kind, das einen Kindergartenplatz braucht, einen anbieten können", sagt Josseck-Herdt. Sowohl die Stadträtin als auch der Bürgermeister sehen für die nahe Zukunft keinen Erweiterungsbedarf.

SPÖ jubelt nicht mit

Davon driftet die Meinung der Welser SPÖ jedoch deutlich ab. Wels erreiche bei der Betreuung der Kleinsten das Barcelona-Ziel bei weitem nicht. SP-Landtagsabgeordnete Petra Müllner wirft den Welser Freiheitlichen Zahlentrickserei vor. Zwar gebe es heuer mehr Betreuungsplätze und Pädagogen in den Welser Kindergärten. Dass Wels bei Unter-Drei-Jährigen das Barcelona-Ziel übererfülle, sei jedoch eine falsche Darstellung, so Müllner. Wie aus einer aktuellen Anfragebeantwortung des Landes OÖ. hervorgehe, komme Wels bei Krabbelstubenkindern nicht wie behauptet auf einen Betreuungsgrad von 36,7 Prozent, sondern auf 16,7 Prozent. Problematisch ist laut SP-Gemeinderätin Laurien Scheinecker auch die Doppelnutzung von Gruppenräumen. "Grundsätzlich begrüßen wir es sehr, dass es vor allem für Kleinstkinder mehr Plätze gibt – das ist ein großer Wunsch vieler Eltern", betonen Familiensprecherin Petra Müllner und Scheinecker. Der Jubel über das angebliche Erreichen des "Barcelona-Ziels" sei aber nicht angebracht. Josseck verwende bei ihrer Berechnung eine falsche Grundlage, denn sie beziehe nur Kinder zwischen eineinhalb und drei Jahren ein. Die EU habe hingegen für die Betreuung der gesamten Altersgruppe von null bis drei Jahren einen Zielwert von 33 Prozent festgelegt. Abgesehen von dieser "Zahlentrickserei" bestehe auch weiterer Handlungsbedarf beim Raumangebot. "Die Doppelnutzung von Räumen, wo vormittags Kindergartenkinder betreut werden und nachmittags Hortkinder, ist problematisch", sagt Scheinecker. Bei so unterschiedlichen Altersgruppen seien die Anforderungen an die Raumausstattung sehr unterschiedlich.
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