13.03.2017, 10:51 Uhr

ESV Wels: Wird Fußball-Obmann Jürgen Huber abgewählt?

Gut möglich, dass die ESV-Tribüne in der Rückrunde leer bleibt. (Foto: stadionfotos.at)

Beim Eisenbahner-Sportverein streitet die "Tochter" mit der ehemaligen "Mutter".

WELS. Der Zwist innerhalb des Fußballvereins ESV Wels sowie zwischen Fußball- und Mutterverein geht in die nächste Runde. Der Plan einiger Akteure sieht vor, Fußball-Obmann Jürgen Huber in einer Hauptversammlung abzuwählen. "Eltern von Jugendspielern und einige ehemalige Fußballer, die unter ihm nicht mehr spielen wollen, haben sie beantragt. Er will aber keine machen. Bis jetzt ist nichts ausgeschrieben, das müsste er eigentlich machen", verrät Heinrich Göttlinger, Obmann des Muttervereins ESV Wels. Er erwartet eine Gerichtsverhandlung. "Die Eltern können nicht viel tun. Die Jugendspieler und einige von der Kampfmannschaft und Reserve trainieren zurzeit bei uns. Wir haben keinen Kontakt mehr mit dem Obmann." Die Fußball-Sektion habe hohe Schulden. "Die Sektion ist seit Februar 2016 komplett selbständig und dürfte sich eigentlich nicht ESV nennen." Laut Raphael Koch, Geschäftsführer des Oö. Fußballverbands, wäre es nach einer Abwahl im Rahmen einer Hauptversammlung schwierig, einen neuen Obmann zu finden. Dieser haftet nämlich zumindest teilweise für Vereinsschulden. Ein Gerichtsverfahren müsse beispielsweise klären, wer die Spielergehälter weiterzahlt, sollte der Verein aufgelöst werden. Eine Hauptversammlung ist laut Koch möglich, wenn sie mindestens ein Zehntel der Mitglieder fordert. Unter den bisherigen Unterschriften sind auch einige von Spielern. "Er wird dazu gezwungen sein", meint Koch. Im Anschluss genüge eine Mehrheit.

Platzsperre nicht rechtskräftig

Am kommenden Sonntag, 15.30 Uhr, beginnt laut Plan für die Kampfmannschaft des ESV die Rückrunde in der 1. Klasse Mitte-West mit einem Heimspiel gegen Union Steinerkirchen. Wels liegt auf Rang zwei und im Aufstiegsrennen. Wo und sogar ob das Spiel stattfindet, ist zurzeit noch unklar. Von Oktober 2016 bis Ende März 2017 ist die Fußball-Sektion laut Göttlinger vom Fußballplatz ausgesperrt, jedoch nicht rechtskräftig. Miete sei nie bezahlt worden. Laut Raphael Koch wirkt sich die Unzufriedenheit, die zunächst von Eltern und Nachwuchsspielern ausging, auch auf die Kampfmannschaft aus. "Wenn auch mit der nicht gespielt wird, schauen wir nach drei Spielen mal, was wir damit machen. Eine Ausweichstätte müssten sie uns und dem gegnerischen Verein 14 Tage vor einem Spiel bekanntgeben." Dies sei für das Match gegen Steinerkirchen – Hubers Ex-Verein – nicht geschehen. Die Gäste müssen somit pünktlich zu Spielbeginn am ESV-Platz eintreffen. Finden sie keinen Gegner vor, gewinnen sie am Grünen Tisch mit 3:0. "Ein paar wird er aber schon haben, die vielleicht spielen", sagt Göttlinger über Huber.

Was bisher geschah

Begonnen hat die aktuelle Misere mit dem Erhöhen der Mitgliedsbeiträge im vergangenen Sommer, laut Göttlinger, von 60 auf 144 Euro. Zudem mussten die Eltern die Jugendtrainer und weitere Leistungen selbst bezahlen. Dies ließen sie sich nicht länger gefallen und stiegen auf die Barrikaden. Mittlerweile stellt der ESV-Mutterverein einen Jugendtrainer, die Kinder trainieren am ESV-Platz. Meisterschaft können sie im Frühjahr jedoch nicht spielen, denn der Mutterverein ist nicht beim Fußballverband gemeldet und müsste für die nächste Saison eine neue Fußball-Sektion gründen. Die Nachwuchsspieler können im Frühjahr auch deshalb keine Bewerbsspiele absolvieren, da bei einem Winter-Wechsel zu einem anderen Verein der aktuelle Klub zustimmen muss.

Geldstrafe bei Nichtantreten

Der Verband werde bei Nichtantreten jedoch aktiv werden. Für jeden Fall bemisst der Strafausschuss eine neue Geldstrafe. Sei absehbar, dass das Nichtantreten System hat, steige der Betrag von zunächst etwa 100 Euro immer weiter an. "Wenn drei Spiele nicht gespielt werden, gibt es eine Beratschlagung, ob wir sie im Sinne der Meisterschaft aus dem Bewerb nehmen." In so einem Fall würden die Spiele aus der Hinrunde gezählt, jene aus der Rückrunde kämen aus der Wertung. Laut Sportreferent Gerhard Kroiß bekam der ESV Wels als einziger Welser Fußballklub 2016 keine Subventionen der Stadt. Obmann Huber habe ihm versichert, er sei darauf nicht angewiesen. Es geht Kroiß nun vor allem um die Nachwuchsspieler. "Für mich ist es schade, dass sie keine Lösung im Sinne der Kinder gefunden haben. Es kann doch nicht sein, dass die Kinder gesperrt werden und nicht Meisterschaft spielen dürfen."
Was Jürgen Huber zu den Vorwürfen und Vorfällen zu sagen hat, erfahrt ihr im Interview.
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