07.02.2017, 15:17 Uhr

Wirtschaftskammer will Exporte in den Osten forcieren

WK-Obmann Josef Resch (li.) und WK-Leiter Manfred Spiesberger (re.) mit Hans Christian Kügerl (Slowakei) und Christian Miller (Tschechien). (Foto: Herzog)

Heimisches Know-how ist in Tschechien und der Slowakei gefragt.

WELS. Oberösterreich macht 60 Prozent seines Umsatzes mit dem Export ins Ausland. Der Wirtschaftsraum Wels leistet dazu, als eine der stärksten Regionen des Landes, einen wesentlichen Beitrag. "Ich bin davon überzeugt, dass das Potential noch nicht ausgeschöpft ist und bei vielen Unternehmen noch Reserven schlummern", ist sich WK Wels-Obmann Josef Resch sicher. Daher sollen die Schwerpunktaktivitäten 2017 auch auf der Weiterentwicklung des Standortes und der Forcierung von Exportaktivitäten bei den Welser Betrieben liegen. Nach "Grüezi Schweiz" im vergangenen Jahr sollen heuer die Exportmärkte im Osten in Angriff genommen werden. Auf Einladung der Welser Wirtschaftskammer waren daher die WKO-Wirtschaftsdelegierten Christian Miller (Tschechien) und Hans Christian Kügerl (Slowakei) nach Wels gekommen. Beide Länder seien auf Grund der geografischen Nähe, dem steten Wirtschaftswachstum und der Tatsache, dass viele Arbeitskräfte deutsch sprechen für die Expansion heimischer Unternehmen prädestiniert.

Österreich ist in Tschechien zweitgrößter Investor

"Ein Drittel aller tschechischen Exporte geht nach Deutschland. Um dort erfolgreich zu sein, braucht es Top-Produkte und dafür werden die besten Maschinen und Komponenten benötigt. Das ist dann unsere Spielwiese", fasst es Christian Miller zusammen. Tschechien gilt als Industriestandort. Das Wirtschaftswachstum des Landes stammt aus dem Export und der Industrie. Vor allem die Automobilindustrie ist stark vertreten. 1,3 Millionen Pkw werden jährlich produziert. Neben den industriellen Zulieferungen, dem Maschinen-, Anlagen- und Fahrzeugbau seien es vor allem Logistik, hochwertige Konsumgüter, Lebensmittel, Freizeitangebote sowie nachhaltiges Bauen und der Umweltbereich, in denen heimische Anbieter gefragt sind. Lange standen ein hohes Wirtschaftswachstum (2014: 4,5 Prozent) einer kaum vorhandenen Inflation (2015: 0,3 Prozent) gegenüber. Zwar ist das Wachstum mittlerweile leicht rückläufig und die Inflation beginnt langsam zu steigen, die Arbeitskräftenachfrage ist aber immer noch ungebrochen hoch.

Slowaken sind bereit für Industrie 4.0

Auch in der Slowakei seien fast alle großen österreichischen Firmen bereits vertreten. Nur zweieinhalb Autostunden von Wels entfernt ergeben sich vor allem in den Bereichen Maschinenbau, (Tourismus-) Infrastruktur und Automotive gute Möglichkeiten. "Geht ein Kunde ins Ausland, geht der Lieferant gleich mit. Das sehen wir immer wieder", meint Hans Christian Kügerl. Eröffnet ein Autoproduzent einen Standort, entstehen 12.000 Arbeitsplätze. Weitere 12.000 würden aber durch nachfolgenden Zulieferer dazukommen. "Früher ging man in die Slowakei, weil es dort billig war. Heute geht man hin, weil dort die fähigen Fachkräft sitzen", so Kügerl. Im Hinblick auf Industrie 4.0 würde die Autoindustrie gerade den Wechsel hin zum Facharbeiter durchexerzieren. "Die Slowaken sind dafür bestens vorbereitet. Sie können mit den teuren Industrierobotern und -maschinen gut umgehen", weiß Kügerl.

Die "gelben Engel" fürs Auslandsgeschäft

Miller und Kügerl schätzen, dass bereits 100 Unternehmen aus der Region mit eigenen Niederlassungen in Tschechien und der Slowakei vertreten sind. Geht es nach den beiden Wirtschaftsdelegierten könnten es noch wesentlich mehr werden. Die österreichischen Wirtschaftsdelegierten betreuen jährlich rund 1200 heimische Unternehmen und helfen bei allen Fragen, die den Eintritt in einen neuen Markt betreffen. "Man könnte wirklich von den gelben Engeln des Auslandsgeschäftes sprechen", scherzt WK-Obmann Resch.

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