Ausstellung im Wien Museum
50 Jahre Arena-Besetzung
- hochgeladen von Oliver Plischek
Vor 50 Jahren fand die Arena-Besetzung statt, eines der epochalsten Ereignisse der Wiener Nachkriegsgeschichte. Anlass genug für das Wien Museum, eine Ausstellung unter dem Titel „Jedenfalls ist es Liebe“ im 3. Stock zu präsentieren. Wobei man eigentlich zwischen drei verschiedenen „Arenen“ unterscheiden muss.
Unter dem Namen „Arena“ fanden im Rahmen der Wiener Festwochen Anfang der 70er alternative Kultur-Veranstaltungen in unterschiedlichen Locations statt, darunter auch 1976 im ehemaligen Auslandsschlachthof St. Marx. Dieser wurde an eine Modekette verkauft und sollte nach dem Programmende abgerissen werden, woraufhin Aktivisten Ende Juni das Gelände besetzten. 3 Monate lang war der Widerstand erfolgreich, mit zahlreichen Konzerten (u.a. von Leonard Cohen und Willi Resetarits), Theateraufführungen und Lesungen. Anfang Oktober aber kappte die Stadt Wien die Wasser- und Stromversorgung im Areal, die Besetzung endete mit einem (nicht von allen mitgetragenen) Kompromiss. Ein alternatives Kulturzentrum entstand am kleineren, ehemaligen Inlands-Schlachthof, die heutige Arena Wien, die basisdemokratisch selbstverwaltet wird und unter straighten Maximen wie „love music, hate fascism“ oder „no kola for rascists“ zum Wiener Epizentrum der linken Subkultur wurde.
Die Ausstellung zeigt mittels Plakaten, Flyern, Programmheften und vielen Fotos einen Überblick über die letzten 50 Jahre. Die Arena Wien ist ein gemeinnütziger Verein, die Big Acts (wie David Bowie, Iggy Pop, Dresden Dolls, Kraftwerk & Co.) finanzieren die Nachwuchskünstler, die im Beisl, im Dreiraum oder in der Kleinen Halle ihren ersten Auftritten entgegenfiebern. Die meisten Gigs lieferten übrigens der bereits verstorbene Ex-Drahdiwaberl-Chef Stefan Weber und die deutschen Beatsteaks. Spannend die Video-Interviews mit Arena-Szeneleuten wie den Obfrauen Pez (Forum Wien-Arena) und Mim (Black Box Gastro), dem überzeugten Punk Pippinga, der Produktionsleiterin Valentina oder dem Tontechniker Zottel, die allesamt schon zahlreiche Funktionen in der Arena übernommen haben.
Die Zukunft der Arena stand in den letzten Jahren auf wackeligen Füßén. Grund: Lärmbeschwerden durch Anrainer der neuerbauten Wohntürme. Die Stadt Wien reagierte noch rechtzeitig mit einer Änderung des Veranstaltungsgesetzes, das seit Juli 2025 die Existenz von historischen Event-Locations sichert. Zusätzlich wurde eine neue Sound-Anlage subventioniert, die mit einer modernen Bassbegrenzung ausgestattet ist. Dem Wunsch von Zottel für die nächsten 50 Jahre steht also nichts mehr entgegen: „Rock´n Roll!“
www.oliverplischek.at
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