Künstlerin Benedikt
"Das Handwerk wird nicht mehr so geschätzt wie früher"
Die Keramik- und Glaskünstlerin Rosemarie Benedikt lebt und arbeitet in Wien und Murano bei Venedig. Im Gespräch mit MeinBezirk.at erklärt die 83-Jährige, warum sie ausgerechnet mit Keramik und Glas arbeitet, welche traurige Symbolik heute hinter ihren Tier-Skulpturen steckt, und was sie jungen Künstlerlinnen, die erfolgreich sein wollen, mitgibt.
ÖSTERREICH/WIEN. Rosemarie Benedikt ist bekannt für ihre Keramik- und Glastiere, die sie rund um den Globus verkauft. Vor allem mit ihrem "Nasenbär" - ein Phantasiewesen - hat sie Berühmtheit erlangt. Die Künstlerin erklärt, warum sie so viel Erfolg hatte und versucht, jungen Künstlerinnen Mut zu machen.
MeinBezirk.at: Sie sind 1939 in Baden bei Wien geboren, in der Nachkriegszeit haben Sie Ihre Bildungslaufbahn begonnen. Wie sind Sie dazu gekommen, den Lebensweg einer Künstlerin einzuschlagen?
Rosemarie Benedikt: Eigentlich habe ich schon in der Kindheit sehr viel gezeichnet und mir gute Sachen überlegt. Wie ich in die Pubertät gekommen bin, habe ich besonders viel gearbeitet. Ich wollte in die Modebranche und habe dann fünf Jahre lang die Modeschule Hetzendorf besucht, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Und danach bin ich für fünf Jahre nach Schweden gegangen, als Designerin für Dekor. Da habe ich den ersten Kontakt zu Keramik bekommen und eigentlich wollte ich dann nur mehr Keramikerin werden. Ich habe das Material so geliebt! Die Art und Weise, Gefäße und Tiere und Skulpturen in Ton zu gestalten, war etwas ganz, ganz Neues, Inspirierendes.
Dann ist ja auch noch Glas dazugekommen...
Genau. 1985 habe ich ein Stipendium von Lobmeyr - die hatten ihr Geschäft auf der Kärntner Straße - bekommen und bin für zwei Monate nach Seattle gegangen, zur Pilchuck Glass-Schule. Da ist dann meine zweite Leidenschaft entstanden. Es war sehr mühsam und sehr anstrengend für eine Frau. Ich bin dann auch nach Tschechien gegangen. Erst im Jahr 2006 habe ich Adriano Berengo in Murano angeschrieben, der jedes zweite Jahr die Glas- Biennale veranstaltet, und habe mich dort angemeldet. Das war meine ganz große Freude. Da habe ich angefangen, hauptsächlich mit Skulpturen zu arbeiten. Das berühmteste Tier von mir ist ja der Nasenbär, den es eigentlich gar nicht gibt, weil er sieht aus wie so ein Elefant im Tal...
- Die Glas- und Keramikkünstlerin Rosemarie Benedikt vor ihrem Atelier in Wien.
- Foto: Martin Baumgartner
- hochgeladen von Mag. Maria Jelenko-Benedikt
Als Sie begonnen haben mit Kunst war diese „Branche“ ja noch starke Männerdomäne. Wie haben Sie sich anfangs getan als Künstlerin?
Eigentlich war es nicht so schwer, aber der Beruf Keramiker ist eben sehr anstrengend, das kann ich nur immer wieder betonen. Besonders für eine Frau. Man muss schwere Platten heben, man muss den Ton bearbeiten...
Und Sie haben ja ab 1964, als Sie von Schweden, wo Sie als Designerin gearbeitet haben, an der Angewandten in Wien einen Lehrauftrag erhalten. War das damals schwierig, sich gegen männliche Kollegen durchzusetzen, oder war das ganz einfach?
Ich würde sagen, es war eher einfach. Es war ein kleiner Lehrauftrag für keramische Malerei und es war damals genau mein Gebiet, da hatte ich ja in Schweden ein großes Wissen erworben .
Kobe/Japan, Athen, Hannover, New York: Sie haben auch in zahlreichen Galerien nicht nur in Österreich, sondern auch international, ausgestellt. Welchen persönlichen Eigenschaften haben Sie diese erfolgreiche Laufbahn zu verdanken?
Ich denke, dem Schicksal oder dem großen Glück, das ich in meinem Leben immer wieder gehabt habe. Und vielleicht auch ist es meinem optimistischen Wesen zu verdanken, dass ich eigentlich nie gezweifelt habe, dass sowieso alles gut geht.
Was sollten junge Frauen mitbringen, die sich in der Kunstwelt so erfolgreich wie Sie durchsetzen wollen?
Sie sollen fest an sich glauben und das, wovon sie träumen, versuchen, durchzusetzen. Mit viel Fleiß und Engagement und viel Information über das, was man erreichen will.
- Rosemarie Benedikt neben ihrem berühmten "Nasenbär" - eine fiktive Tierfigur aus Murano-Glas in ihrem Schauraum in Wien Wieden.
- Foto: Martin Baumgartner
- hochgeladen von Mag. Maria Jelenko-Benedikt
Ist es heute schwieriger als früher? Welche Hürden sehen Sie in Österreich heute noch als Frau in der Kunst oder herrscht hier schon völlige Gleichberechtigung?
Ich würde sagen, dass es heutzutage vollkommen anders ist als wie 1960 oder 1970 oder 1980. Das ist schwer zu vergleichen. Es ist ganz etwas anderes, allein durch Computer und Handy. Weil wir heute technische Mittel zur Verfügung haben. Es ist, glaube ich, heute schwer, in einer Galerie unterzukommen und seine Arbeiten zu zeigen, weil das Handwerk nicht mehr so geschätzt wird wie früher, als man viel mehr Respekt und Begeisterung dafür gezeigt hat. Man kann in Österreich nicht mehr Keramik studieren, weder in Linz noch auf der Wiener Universität für Angewandte Kunst. Das ist vor Jahren abgeschafft worden, obwohl wir dagegen demonstriert haben. Also, Keramik zu machen ist zurzeit sehr schwierig. Da muss man sehr viel Kraft, Glauben und Durchsetzungsvermögen haben.
Glasskulpturen, Vasen, Tonfiguren, alles mit tierischen Symbolen wie Orcs, Hippos oder Bienen: Bei Ihrer Kunst legen Sie einen starken Fokus auf die Tierwelt. Welche Bedeutung haben Tiere für Sie und ist das in Zeiten des Klimawandels auch ein Zeichen für die Achtsamkeit und die Erhaltung der einzelnen Spezies?
Ja, absolut. Erstens habe ich eine ganz große Liebe, Sympathie und Zuneigung zur Natur und zur Tierwelt, parallel zu der aussterbenden Tierwelt, zu den Insekten und auch vielen Tieren, die es bald nicht mehr geben wird. Die Begeisterung für die Tiere hatte ich schon in den 70er 80er Jahren gehabt und das ist natürlich gewachsen. Jetzt ist es so erschütternd, wenn man sieht, wie eigentlich alles durch den Klimawandel den Bach hinunter geht.
Wie viele Angestellte haben Sie bzw. bilden Sie noch junge KünstlerInnen aus?
Ich habe eigentlich immer Mithelfer gehabt. Seit Corona, seit zwei, drei Jahren, bin ich aber ein "Ein- Mann-Studio" oder -Werkstatt. Das ist sehr anstrengend für mich, weil ich auch nicht mehr die Jüngste bin. Aber ich mache es trotzdem sehr gerne. Für mich ist die Arbeit hier wie Medizin.
Link einfügen
Video einbetten
Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.
Karte einbetten
Social-Media Link einfügen
Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.
Code einbetten
Beitrag oder Bildergalerie einbetten
Foto des Tages einbetten
Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten
Du möchtest selbst beitragen?
Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.
Hier gehts zu den aktuellen
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.