18.08.2016, 13:04 Uhr

18. August 2016: Wer braucht einen echten Apple-Store in Wien?

WIEN. "Wenn die Welt untergeht, kommt nach Wien, dort passiert alles 10 Jahre später", heißt es im Volksmund. Mit den Gerüchten rund um einen Apple-Store auf der Kärntner Straße scheint sich das Sprichwort wieder zu bestätigen. Derzeit spekuliert die Stadt über die mögliche Eröffnung. Seitens des Konzerns hört man dazu freilich nichts – Geheimnisse sind quasi Firmenpolitik.

In Wien soll also dann ein Apple-Store eröffnen, wenn kein Mensch mehr einen Apple-Store braucht. Erstens ist der Hype um den Apfel spätestens mit der Einführung des iPhone 6 recht rasant abgeflaut – auf weiter Flur sind keine technischen Innovationen in Sicht. Das Nachfolgemodell 6S brachte minimale Veränderungen. Das angekündigte iPhone 7 macht Negativschlagzeilen, da Apple allen Anschein nach den Kopfhörer-Anschluss kicken will. Stattdessen wird man bestimmt kabellose Bluetooth-Kopfhörer anbieten – natürlich zu einem, wie für Apple-Zubehör üblich, stolzen Preis.

Zweitens stellt sich die Frage, ob Wien Jahre nach dem großen Run auf iPhone 3, 4 und 5 heute überhaupt noch einen physischen Apple-Store benötigt. Der Onlinehandel hat weitgehend Fuß gefasst. Die Apple-Homepage lässt sämtliche Konfigurationen zu und liefert prompt nach Hause. Wer pilgert noch gern ins Apple-Glashaus? Schwer vorstellbar, dass sich zum Verkaufsstart des iPhone 7 auf der Kärntner Straße campierende Menschen einfinden werden. Mehr noch läuft die Versorgung mit den ansonsten sehr teuren Apple-Smartphones in Österreich zum großen Teil über die Mobilfunkanbieter im Rahmen bestimmter Deals.

Eine offene Frage ist auch, ob Apple den Flagship-Store selbst betreiben will, oder dafür mit autorisierten Händlern kooperieren wird. Sollte Ersteres zutreffen, wird vor allem einer zittern müssen: Zeljko Drmic, der Betreiber von Österreichs größtem Apple-Händler "McShark". Der kämpft ohnehin ums Überleben – wie gesagt: Onlinehandel, Mobilfunkanbieter. Dass McShark die direkte Apple-Konkurenz in Wien überleben würde, erscheint unwahrscheinlich. Verlieren würde jedoch letztlich nicht nur Drmic, sondern auch der österreichische Staat: McShark ist ein in Österreich steuerpflichtiges Unternehmen mit mehreren Standorten und unzähligen Mitarbeitern. Apple hingegen ist ein multinationaler Konzern, der Steuerlasten überlicherweise über nationalstaatliche Grenzen hinweg für sich optimieren könnte.

Vielleicht würden im Herbst doch Menschen vor dem Apple-Store campieren. Aber nicht wegen dem neuen Gerät, sondern wegen der verlorenen Jobs.

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