„Grenze ist der Rechtsstaat“

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Integration ist derzeit ein Dauerbrenner in Wiener Neustadt. Wir sprachen, zum Auftakt einer Serie zu diesem Thema, mit DSA Maria Zwicklhuber, der Leiterin des Referats Integration der Stadt Wiener Neustadt, darüber, wie sie die momentane Situation einschätzt und was man verbessern müsste.

WIENER NEUSTADT. Seit dem Mai 2008 gibt es das Referat Integration in dem neben Leiterin DSA Maria Zwicklhuber noch jeweils eine Vollzeit- und eine Halbtagskraft im Innen- und Außendienst arbeiten.
Die Sozialarbeiterin und Absolventin des Lehrganges „Interkulturelle Kompetenzen“ an der Donau-Universität war lange Zeit in der Jugendarbeit, in der interkulturellen Bildungsarbeit und in der Beratung von Gemeinden tätig, bevor sie den Job in Wiener Neustadt angenommen hat. Und ihr Job ist auch ihre Mission: „Unsere größte Herausforderung heute ist das Nicht-Miteinander-Reden. Wir sind mitten in einem totalen gesellschaftlichen Wandel, den aber viele nicht sehen wollen. Es gibt Zuwanderergruppen, die bis vor zehn Jahren kaum aufgefallen sind, und die jetzt mehr ins Zentrum wollen. Sie wollen deshalb beispielsweise einen schönen Gebetsraum statt wie bisher einen Keller.
Dieser Wandel wurde bisher oft ignoriert und fordert viel von jedem von uns. Die Mehrsprachigkeit tritt auch wieder mehr in den Vordergrund, obwohl natürlich klar sein muss, dass Deutsch die Amtssprache ist und bleibt.“
Es gebe jetzt sehr viel aufzuarbeiten. „Wenn man gleich zu Beginn der Zuwanderung Deutschkurse angeboten hätte, würde die Situation heute anders aussehen. Aber man war nur an billigen Arbeitskräften interessiert, nicht an deren Deutschkenntnissen.“
Für Maria Zwicklhuber steht fest, dass man stark bei der nicht deutsch-sprechenden Jugend ansetzen muss, aber auch bei den Einheimischen. Denn: Wenn plötzlich mehr als 50 Prozent Ausländer in einem Wohnhaus leben, fühlen sich die Einheimischen fremd. „In der Wahrnehmung der Alteingesessenen ist der Prozentsatz aber immer viel höher, als in Wirklichkeit. Und das Problem ist, die Leute kommen gar nicht auf die Idee, miteinander zu reden. Da kommen dann wir ins Spiel. Wir reden zuerst getrennt mit jeder Partei und dann versuchen wir in gemeinsamen Gesprächen eine Lösung zu finden.“

Herausforderung für Zukunft
Die Zukunft sei eine Herausforderung, von der Zwicklhuber hofft, dass wir das schaffen. „Immerhin haben viele Bundesländer und Städte schon vor zehn Jahren mit Integrationspolitik angefangen, was ein großer Fortschritt war.“
Derzeit sind in Österreich die Katholiken die größte Gruppe, gefolgt von den Konfessionslosen (ohne Religionsbekenntnis, Anm. d. Red.) und dann den Muslimen. „Jede anerkannte Religionsgruppe hat ein Recht darauf, einen schönen Gebetsraum zu haben. Diese sollten aber auch zugänglich und offen sein, dass auch Katholiken sie sich ansehen können. Schließlich ist es ja auch selbstverständlich, eine Kirche zu besichtigen. Es ist zum Beispiel wichtig, dass zukünftige Imane in Österreich ausgebildet werden und das Freitagsgebet in Deutsch abgehalten wird.“
Und was hat nun Herr und Frau Österreicher von den vielen Zuwanderern?
Zwicklhuber: „Ein starkes Arbeitskräfte-Repertoire, Menschen mit starkem Arbeitswillen und die Mehrsprachigkeit sind für Unternehmen, die mit dem Ausland Geschäfte machen, wichtig. Außerdem sollte man nie vergessen, dass diese Leute viel dazu beigetragen haben, dass Österreich heute ist, wie es ist.“
All das verlange uns ein Umdenken und auch ein neues Auseinandersetzen ab. „Umbrüche in der Gesellschaft sind immer anstrengend! Jenen, die menschenverachtend und hetzend aktiv sind, muss man da unbedingt Grenzen setzen. Es braucht allerdings nicht nur Grenzen gegen rechte Einflüsse, sondern auch gegen jene Tendenzen, die die Trennung zwischen Kirche und Staat auflösen wollen. Wer das ändern will, muss sofort und hart an die Grenze Rechtsstaat stoßen.“

Einige Aktivitäten
Hier einige Beispiele dafür, wie das Referat für Integration arbeitet:
PC-Kurs in der Wehrl-Schule in gemischter Gruppe (Männer und Frauen)
Hip-Hop-Tanzgruppe
Stiegenbefragungen in Wohnhausanlagen
Kuchen-Back-Aktion (Jeder trägt eine Zutat bei und der Kuchen wird am Freitagnachmittag gemeinsam gebacken und gegessen)
Zusätzliche Elternabende in Schulen und Kindergärten, um Eltern mit Migrationshintergrund das österreichische Schulsystem zu erklären
„Mama-lern-Deutsch-Kurse“ während der Unterrichtszeiten, wo die Mütter die Sprache bei Diskussionen über Themen, die sie interessieren, lernen oder verbessern können.

Autor:

Bianca Werfring aus Mattersburg

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