Schulen in Wiener Neustadt
Schulfeste "light" nach dem Amoklauf
- HTL-Wiener Neustadt: Das Schulfest findet plangemäß statt.
- Foto: Kathrin Schauer
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Nach dem Amoklauf in Graz und der ausgerufenen Staatstrauer stehen die Schuldirektoren aus Stadt und Bezirk vor Herausforderungen und wichtigen Entscheidungen. Denn kurz vor den Sommerferien finden die Schulfeste statt, in deren Planung Lehrer und Schüler viel Zeit und Mühen investiert haben.
WIENER NEUSTADT. Drei Tage lang trug Österreich angesichts des tragischen Amoklaufs in Graz, bei dem elf Menschen ums Leben kamen, Trauer. Eigentlich hätten vergangene Woche die ersten großen Schulfeste stattfinden sollen, MeinBezirk fragte nach, ob und in welcher Form sie denn stattfinden.
Keine Vorgaben
Michael Dollischal, Schulqualitätsmanager für die Bildungsdirektion NÖ, verantwortlich für den Sprengel Wiener Neustadt, gab den Schulen keine Vorgaben: "Schulfeste werden lange vorbereitet, es ist fast unmöglich, sie abzusagen, allein schon wegen der eingekauften Lebensmittel."
- Bundesrealgymnasium Gröhrmühlgasse
- Foto: Kathrin Schauer
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Dollischal rät deshalb: "Wir empfehlen eine gedämpfte Form des Feierns, etwa den Sektempfang wegzulassen und eine Trauerminute abzuhalten."
Miteinander feiern
Am Freitag, 13. Juni, fanden im Bezirk 17 Schulfeste statt, sechs davon in der Stadt. Stadtrat Franz Dinhobl: "Wir haben im Landtag mit der Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner unser weiteres Vorgehen besprochen."
Und weiter: "Wir waren uns aber einig: Die Kinder haben ein Jahr lang auf diese Feste hingefiebert und sich so viel dafür überlegt. Die Schulfeste müssen stattfinden. Denn sie feiern das Miteinander."
Drei Aktionen zum Gedenken
Mit einer Schweigeminute begann das Gartenfest im Bundesrealgymnasium Gröhrmühlgasse. Direktor Gerald Stachl: "Wir gedenken den Opfern und Hinterbliebenen in Graz. Die Einnahmen des Abends gehen an Organisationen, die Kindern mit posttraumatischen Belastungsstörungen helfen."
- Lichtermeer: Das BRG gedachte mit einer Lichterecke beim Schulfest den Opfern von Graz.
- Foto: z.V.g./Hans Schroll
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Außerdem wurde eine Gedenk-Lichter-Ecke eingerichtet. Stachl hatte dies schon im Vorfeld angekündigt: "Wir werden das für Freitag geplante Gartenfest des BRG durchführen, aber im Rahmen des Festes durch diverse Aktivitäten den Opfern von Graz gedenken."
Bereits am Mittwoch begann der Unterrichtstag im BRG mit einer Trauerminute und: " Wir besprechen den Amoklauf natürlich auch in den Klassen", so Stachl.
Mündliche Prüfungen
An den Tagen nach dem Amoklauf in Graz fanden in vier Abteilungen der HTL teilweise parallel die mündlichen Prüfungen der RDP statt. Martin Lang, Direktor der HTL (Höhere Technische Lehr- und Versuchsanstalt): "Die Prüfungen dauern aufgrund der hohen Anzahl an Schülerinnen und Schülern (insgesamt ca. 170, d.h. ca. 650 Prüfungen) von 7 bis 20 Uhr."
Die jeweiligen Abteilungsvorstände seien Vorsitzende der Prüfungen und zusätzlich extern als Vorsitzende im Einsatz. "Ich bin als Schulleiter ebenfalls Mitglied der Prüfungskommission gem. SchUG §35. Eine umfassende Diskussion der Ereignisse im Führungsteam der Schule war daher noch nicht möglich", so Lang.
HTL-Schulfest findet statt
"Unser Schulfest am 20. Juni soll plangemäß stattfinden. Es ist unser erstes Schulfest in dieser Form, eine Absage kommt auch aufgrund der hohen Stornokosten nicht in Betracht", versichetr Lang.
Zudem meint er: "Ein Schwerpunkt der Veranstaltung ist die Durchführung von Sportbewerben der Schülerinnen und Schüler. Ich bin der Ansicht, dass sportliche Betätigung die Verarbeitung der Geschehnisse fördern kann."
Das eigentliche Fest sei in erster Linie ein Treffen aller Personen, die sich der Schule in irgendeiner Form verbunden fühlen (Schüler, Eltern, Lehrer, Verwaltungspersonal, Absolventen, Firmenvertreter, Schulbehördenvertreter, etc.) und diene der Stärkung der Schulgemeinschaft.
"Eine Änderung des Ablaufes des Schulfestes ist nicht geplant, die Stimmung wird vielleicht gedämpft sein", so Lang und weiter: "Selbstverständlich werden die Vorfälle mit den Schülerinnen und Schülern besprochen und allfällig gewünschte Unterstützung (Schulpsychologie, Schulärztin, Vertrauenslehrer) angeboten."
Bestürzung auch am Babenbergerring
"Natürlich herrscht unter den Schüler*innen Bestürzung, Trauer und Mitgefühl. Auch wenn wir zu der Schule in Graz keinen direkten Bezug hatten, sind unsere Gedanken als Schulgemeinschaft bei den Opfern, deren Mitschüler*innen, Eltern und Lehrkräften", so Martin Seitz, Direktor des Bundesgymnasiums Babenbergerring.
Und weiter: "Diese wurden im selben Umfeld, wie wir es täglich erleben, von einer schrecklichen Gewalttat getroffen. Neben den offiziellen Trauerakten, welche von der Bildungsdirektion vorgegeben wurden, werden die Ereignisse auf individuell sehr unterschiedliche Art von uns verarbeitet."
Denn so Seitz: "Jede Art von gegenseitiger Unterstützung durch Gespräch oder irgendeine Form der persönlichen Zuwendung hilft."
Positives Zeichen setzen
Auch im BG Babenbergerring werden die geplanten Veranstaltungen stattfinden. "Wir führen die geplanten Schulschlussfestivitäten wie die Maturantenverabschiedung oder das Schulfest durch", so Seitz. Natürlich werde die Stimmung gedämpfter sein.
"Wir wollen aber durch unser tägliches schulisches Tun ein positives Zeichen der Zuversicht und des Glaubens an das Gute im Menschen setzen. Gerade im so wichtigen Lehrberuf und bei der Arbeit mit Jugendlichen ist es entscheidend, dieses Grundvertrauen auch angesichts einer solchen Tragödie nicht aufzugeben", so Seitz abschließend.
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