Denkmalpflege Stadt
Felix Mießls Ehrengrab in Wiener Neustadt erstrahlt neu
- Ehrenbürger von Felixdorf Erwin Buchta, Felixdorfs SPÖ-Vizebürgermeister Günther Staub und der Geschäftsführende SPÖ-Gemeinderat Andreas Jagschitz zusammen mit Wiener Neustadts Zweitem Vizebürgermeister LAbg. Rainer Spenger (SPÖ), Stadtarchivarin Sabine Schmitner-Laszakovits und Stadtarchiv-Leiter Gerhard Geissl bei der Besichtigung des fertig restaurierten Ehrengrabs.
- Foto: Stadt Wiener Neustadt/Weller
- hochgeladen von Kathrin Schauer
In Wiener Neustadt ist die Restaurierung des Ehrengrabes von Bürgermeister Felix Mießl (1778 – 1861). Vertreter der Gemeinde Felixdorf, die Mießl einst gegründet hatte, besuchten das Grab.
WIENER NEUSTADT. (Red.) Das Ehrengrab von Bürgermeister Felix Mießl am Friedhof der Stadt Wiener Neustadt wurde nach einem Lokalaugenschein der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Denkmalpflege restauriert. Im Zuge der Arbeiten wurde es gereinigt, neu fundamentiert sowie der ornamentierte Marmorrahmen und die Inschriftentafel restauriert und konserviert. Felix Mießl war von 1816 bis 1848 Bürgermeister von Wiener Neustadt und über die Stadtgrenzen hinaus als Gründer der Marktgemeinde Felixdorf bekannt.
„Die Restaurierung des Ehrengrabes von Bürgermeister Felix Mießl ist weit mehr als Denkmalpflege, sie ist ein Zeichen des Respekts gegenüber seinem Wirken für unsere Stadt und vor allem auch für Felixdorf. Durch regelmäßige Instandhaltungen bleibt die Vergangenheit lebendig und die Erinnerung an die Geschichte aufrecht. Es freut mich außerdem sehr, dass wir das fertig restaurierte Ehrengrab gemeinsam mit Felixdorfs Vizebürgermeister Günther Straub, dem Geschäftsführenden Gemeinderat Andreas Jagschitz und deren Ehrenbürger Erwin Buchta besuchen konnten“, so der für Denkmalpflege zuständige SPÖ-Stadtrat und Zweite VizebürgermeisterRainer Spenger.
Restaurierung des Ehrengrabes
Im Jahr 2025 war das Grab von Felix Mießl am städtischen Friedhof von Efeu umwachsen und die Inschriftentafel hatte sich vom Grabstein gelöst. Nach Beseitigung des Bewuchses war eine Restaurierung dringend erforderlich. Diese bestand aus einer Reinigung der gesamten Grabanlage, einer neuen Fundamentierung der Grabumrahmung, die sich im Laufe der Jahre ungleichmäßig gesetzt hatte, sowie einer vorsichtigen Restaurierung und Konservierung des Epitaphs. Letzteres besteht aus einem ornamentierten Marmorrahmen und einer Inschriftentafel. Die Stadt Wiener Neustadt und die Marktgemeinde Felixdorf teilen sich die Sanierungskosten.
Da der städtische Friedhof in Wiener Neustadt erst 1869 gegründet wurde, können Begräbnis und Bestattung von Felix Mießl (1778 – 1861) nicht auf diesem stattgefunden haben. Der verdiente Bürgermeister war ursprünglich am Friedhof St. Ulrich, westlich des Grabnerringes (heute Ferdinand Porschering) beigesetzt worden. Einige Jahre später sind seine Gebeine auf den neuen Friedhof überstellt worden.
Über Felix Mießl
Felix Mießl wurde 1778 in der böhmischen Bergstadt Platten geboren. Sein Vater war Bürgermeister dieser Stadt und dürfte Verantwortungsbewusstsein und politisches Verständnis an seinen Sohn weitergegeben haben. In jungen Jahren lebte Felix Mießl in Wien, erteilte Privatunterricht und erhielt bald eine Anstellung im Staatsdienst. 1809 wird er Verwalter der Herrschaft Klein-Mariazell und 1810 wird er in der Verwaltung der Stadt Wiener Neustadt tätig. 1816 ernennt ihn Kaiser Franz I. zum Bürgermeister von Wiener Neustadt.
Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde Bürgermeister Felix Mießl durch die Gründung von Felixdorf. Im Norden von Wiener Neustadt erstreckten sich viele Hektar Grund, der zum Burgfried der Stadt gehörte, jedoch für seine geringe Fruchtbarkeit bekannt war. Bereits 1766 war im nordöstlichen Teil Theresienfeld mit Erfolg gegründet worden. Die Idee, eine weitere Ortsansiedelung zu gründen, dürfte Mießl bereits vor 1820 gehabt haben. Im Zeitraum 1821/22 konnte mit der Klärung von Weiderechten, der Erstellung eines Lageplanes und der Versteigerung von Grundstücken zur Tat geschritten werden. Den neuen Ort nach dem Kaiser Franzensdorf zu benennen, wurde abgelehnt. Möglicherweise hat der Hof ein Gelingen des Planes zunächst nicht so optimistisch gesehen. Kurze Zeit später entschied man sich, die Ansiedlung nach dem Initiator „Felixdorf“ zu benennen. Durch die beginnende Industrialisierung ging Felixdorf einen anderen Weg wie Theresienfeld. Bald siedelten sich eine Knopffabrik, eine Baumwollspinnerei und schließlich 1868 die „Felixdorfer Weberei und Appretur“ an, welche die wirtschaftliche Grundlage des Ortes und seiner Bewohner nachhaltig sicherten. 1889 wird Felixdorf selbständige Gemeinde, 1928 zum Markt erhoben.
Als engagiertes Stadtoberhaupt hat er zahlreiche wichtige Projekte angeregt und in die Tat umgesetzt:
- 1824: erstmalige Präsentation der städtischen Antiquitäten in einer eigenen Museumsräumlichkeit im Rathaus
- dringende Erneuerung des Straßenpflasters im Stadtgebiet
- Bestand und Erneuerung des Föhrenwaldes durch Nach- und Neuanpflanzungen
- Straße von Wiener Neustadt über Neudörfl nach Pöttsching auf seine Anregung bis zum Jahr 1825 fertiggestellt
- deutliche Verbesserung der nächtlichen Sicherheit durch die Erweiterung der Straßenbeleuchtung mit insgesamt 162 Laternen
- Restaurierung der witterungsbedingt baufälligen Spinnerin am Kreuz auf sein Bestreben im Jahr 1827: Seiner Hartnäckigkeit war es zuzuschreiben, dass dieses gotische Bauwerk gerettet werden konnte. Es gelang ihm, das Kreisamt (also letztlich das Land NÖ) für die Kostenübernahme zu gewinnen, sodass nicht die Stadt mit ihrem deutlich bescheideneren Etat alleine bezahlen musste.
- Restaurierung der Mariensäule
- 1832: Neubau des Armenhauses in der Ungarvorstadt (heute Ungarviertel) auf einem der Stadt gehörigen Grundstück
- Organisation des Wiederaufbaus nach dem verheerenden Brand vom 8. September 1834: Der Brand, der bei den Scheunen südlich der Stadtmauern ausbrach und sich rasant auf das gesamte Stadtgebiet ausbreitete, vernichtete einen beträchtlichen Teil der Wohn- und Wirtschaftsgebäude innerhalb der Stadtmauern. Die Bewohner vor Obdachlosigkeit im folgenden Winter zu bewahren, war eine politische und logistische Herausforderung.
1836 wurde Felix Mießl für seine Leistungen in den Adelsstand versetzt. Den Adelstitel „Edler von Treuenstadt“ – in Anlehnung an die „allzeit getreue Stadt Wiener Neustadt“ - hat er sich selbst ausgewählt. Im Revolutionsjahr 1848 resignierte der Bürgermeister, der 32 Jahre die Geschicke der Stadt lenkte und trat zurück. Zu sehr war er dem absolutistischen Herrschaftsverständnis ergeben, als mit 70 Jahren sich auf Neues einzustellen. Am 13. April 1861 stirbt er in Wiener Neustadt.
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