17.10.2017, 23:59 Uhr

Autodieb landete vor Gericht

Der 24-jährige Litauer hatte Schulden. (Foto: Probst)

Eine Autobande überbrückte bei zwei BMW in Maria Anzbach beinahe alle Diebstahlsicherungen.

MARIA ANZBACH/ST. PÖLTEN (ip). Höchst professionell ging eine Bande von Autodieben vor, als sie in der Nacht zum 1. März 2017 in Maria Anzbach zwei hochpreisige BMW stahlen. Einer der Einbrecher wurde nun am Landesgericht St. Pölten zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt (nicht rechtskräftig).

Daten "gestohlen"

Mit ihrer Methode, die seit rund zwei Jahren auch in Österreich angewandt wird, setzen die Kriminellen beinahe alle Diebstahlsicherungen außer Kraft. Sie benutzen dazu zunächst ein Gerät, das, etwa an die Hausmauer des Autobesitzers gehalten, die Daten des Fahrzeugschlüssels, der sich im Haus befindet, „klaut“, wobei diese Geräte eine Reichweite von bis zu 400 Metern haben. Die Daten werden anschließend auf ein entsprechendes Gerät, mit dem ein weiterer Täter beim Fahrzeug steht, geladen, womit einem Öffnen und Starten des Wagens nichts mehr im Wege steht, zumal es auch zu keinem Alarm kommt. Danach müssen die Täter mit dem Auto zum Zielort durchfahren, da ein neuerlicher Start ohne entsprechende Maßnahmen nicht möglich ist.

In Tschechien geortet

In Maria Anzbach übernahm ein 24-Jähriger aus Litauen die Aufgabe, mit einem bereits gestarteten BMW, der einen Zeitwert von 45.000 Euro hatte, über Tschechien nach Polen zu fahren, wobei zuvor bereits das BMW-interne Überwachungssystem ausgeschaltet wurde. Dass der Besitzer ein weiteres System im Wagen hatte, ermöglichte es den Ermittlern, das Fahrzeug, auf dem die Diebe gestohlene Kennzeichen montiert hatten, dennoch zu orten, sodass ihre tschechischen Kollegen den Wagen stoppen konnten. Nach ersten Fluchtgedanken gab der Litauer auf und ließ sich festnehmen. Im Fahrzeug entdeckten die Beamten schließlich ein Mobiltelefon, das auch beim Diebstahl des zweiten Autos, ein BMW im Wert von 120.000 Euro, verwendet worden war.

Drogensucht als Grund

Der Angeklagte bekannte sich zu den Vorwürfen von Staatsanwältin Barbara Kirchner nur im Zusammenhang mit dem sichergestellten Fahrzeug schuldig. Verteidiger Rainer Mutenthaler gab dabei zu bedenken, dass der Beschuldigte ja nicht gleichzeitig mit zwei Fahrzeugen unterwegs sein konnte. Als Motiv führte der Litauer an, dass er drogensüchtig sei und bei seinen Dealern Schulden hatte. Diese hätten ihm daher nahe gelegt, sich an der Sache zu beteiligen.
„Der Angeklagte versucht, seine Rolle herunterzuspielen“, meinte Kirchner, die ebenso wie Richter Martin Kühlmayer auf die höchst professionelle Vorgangsweise hinwies. „Es spricht unglaublich viel dafür, dass er auch beim zweiten BMW, der in unmittelbarer Nähe und auf die gleiche Art gestohlen wurde, dabei war“, erklärte Richter Martin Kühlmayer in seiner Urteilsbegründung, allerdings gebe es nur ein Indiz und das sei zu wenig, um ihn auch diesbezüglich schuldig zu sprechen.

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