Frantschach-St. Gertraud: Veranstaltungszentrum entzweit Gemeindebürger

Die Grobplanung für das neue Veranstaltungszentrum am Dorfplatz in St. Gertraud
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FRANTSCHACH-ST. GERTRAUD. Quo vadis Frantschach-St. Gertraud? Die WOCHE Lavanttal-Redaktionsleiterin Petra Mörth diskutierte mit Bürgermeister Günther Vallant (SPÖ), Vizebürgermeister Ernst Vallant (Liste Hirzbauer), Gemeindevorstand Kurt Jöbstl (ÖVP) und Gemeinderat Franz Paulitsch (FPÖ) über brennende Zukunftsthemen in der Marktgemeinde Frantschach-St. Gertraud. Nachdem der Bauamtsleiter Roland Kleinszig den vom Gestaltungsbüro "nonconform" begleiteten Ortskernbelebunsprozess mit Bildern Revue passieren ließ, diskutierten die Frantschach-St. Gertrauder im voll besetzten "Mondi"-Festsaal kräftig mit. Lesen Sie hier die ausführlichen Standpunkte der Frantschach-St. Gertrauder Gemeindevertreter zum Neubau des Kultursaales am Dorfplatz (weitere Themen folgen noch!).

WOCHE: Wie weit sind die Planungen für den neuen Kultursaal am Dorfplatz in St. Gertraud fortgeschritten? Und ist das Projekt für Sie in dieser Form unverrückbar?
GÜNTHER VALLANT: Als Erstes zum Stand der Dinge: Die Grobplanung stammt aus der Feder des Architekten Heinz Petschenig. Das ist aber nicht so, dass wir es uns leicht gemacht haben, dass wir gesagt haben, wir beauftragen das Büro Petschenig aus Wolfsberg mit der Planung. Dem ist schon ein intensiver Prozess vorangegangen. Nämlich, dass wir im Vorfeld bereits unterschiedliche Architekturbüros zu einer Konzepterstellung ganz klar nach den Vorgaben, dass da oben ein belebter Platz entstehen soll, eingeladen haben. Der Dorfplatz soll geöffnet werden. Es sollen Veranstaltungen, die wir heute kennen, wie Adventmarkt, Sportveranstaltungen und andere Aktivitäten nach wie vor stattfinden können, es sollen aber auch neue Veranstaltungen hinzukommen können. Dieser Platz soll multifunktionell sein. "Nonconform" hat das in seiner Untersuchung so formuliert, dass, wenn wir am Dorfplatz nichts ändern, wir dann auch ein Unikat in Österreich haben, nämlich den einzigen Dorfplatz im ersten Stock, den keiner sieht. Die weitere Herausforderung war die Verbindung von der "Knusperstube" und dem Platz. Bei einer Outdoor-Veranstaltung am Dorfplatz kann man die Infrastruktur des Kultursaales mit Toilettanlagen mitnutzen. Oder bei einem Fest der Kirche kann man bei Schlechtwetter relativ leicht ausweichen. Das waren so verschiedene Parameter, die wir den Planern mitgegeben haben. Wir haben uns das dann natürlich präsentieren lassen, nicht nur vor den Gemeindemandataren, sondern auch die Wirtschaft und die Vereine waren miteingebunden. Daraus ging das Architekturbüro Petschenig als Sieger hervor. Wir reden aber noch von keiner Detailplanung, das ist kein Projekt, das morgen baureif zur Bauverhandlung einzureichen ist. Das ist jetzt einmal die Grundlage, um mit der Bevölkerung darüber zu diskutieren. Es ist nichts in Stein gemeißelt, wir haben jetzt nur einmal eine Grobplanung, von der Detailplanung sind wir noch weit, weit weg. Wenn ich jetzt die letzte Frage beantworten soll, ob das jetzt für uns so ist, dass wir das neue Veranstaltungszentrum da oben haben wollen oder ob wir doch da herunten diesen alten Festsaal sanieren sollen, dann muss ich das in der Form beantworten: Wir haben uns dazu entschieden, dass es nicht sinnvoll ist, zwei Ortszentren zu haben, sondern ein Ortszentrum in St. Gertraud zu entwickeln, das lebt, und damit der zweite Ortsteil Frantschach nicht unter die Räder kommt, wird er natürlich auch mitentwickelt und soll mit dem Projekt Wohnen im Park aufgewertet werden. Und deshalb ist es für mich unausweichlich, dieses Konzept von A bis Z, das einen Sinn hat, auch so umzusetzen.

Was ist der Standpunkt der Liste Hirzbauer zum Veranstaltungssaal?
ERNST VALLANT: Wie vorhin schon erwähnt, das Grundkonzept, die Marktgemeinde Frantschach-St. Gertraud und das Ortszentrum zu beleben, ist die zentrale Frage, mit dem das Projekt gestartet wurde. Das ist etwas, was wir ganz gleich sehen. Das Thema des neuen Kultursaales, wie wir heute von den Ausführungen von Herr Kleinszig gesehen haben, ist ja nur ein Teil von ganz vielen anderen wichtigen Punkten, beginnend von Sportplatz integrieren, Generationenpark, Wohnraum schaffen bis hin zu die Ortsteile Frantschach und St. Gertraud miteinander verbinden. Das heißt auf den Punkt gebracht sind wir der Meinung, dass der Standort des Kultursaales grundsätzlich zwar ein Ergebnis aus diesem Prozess ist, aber aus unserer Sicht in keiner Art und Weise voraussetzt dem Ergebnis dieses Projektes unausweichlich zustimmen zu müssen, nämlich dem Dorfplatz. Weil es da einen ganz wesentlichen Aspekt im Laufe dieser Zeit gibt und das ist das Thema der Finanzierbarkeit. Egal wie schön und interessant auf den ersten Blick etwas sein kann, wenn aber unter dem Strich eines über bleibt, eine Finanzierung in einer Größenordnung von 3,5 Millionen Euro, was diesen Teil des Prozesses betrifft, nämlich den Kultursaal, ist es aus unserer Sicht unter der Verantwortung, die wir haben, nämlich auch auf die Gesamtsituation zu achten, finanziell nicht umsetzbar. Das heißt wir müssen uns in der jetzigen Phase, nachdem wir wissen, was der Kultursaal voraussichtlich kosten würde, und mit dem Wissen, dass eine gravierende finanzielle Reduktion quasi nicht möglich ist, um dem zu entsprechen, was gefordert ist, nämlich ein Veranstaltungszentrum zu bieten und gleichzeitig aber auch genügend Platz für Vereine für Proben und so weiter zu bieten, so schnell wie möglich nach einer Alternative umschauen. Und die Alternative liegt für mich auf der Hand: So schnell als möglich schauen, was die Sanierung des Werkssales kosten würde.

Wie sieht das die ÖVP?
KURT JÖBSTL: Am Anfang bei der Gemeinderatswahl haben wir die Erhaltung des Werkssaales drauf gehabt. Doch im Laufe des Prozesses, an dem wir alle beteiligt waren, Betriebe, Vereine, Architekten, Raumordnungsprofis, haben wir dann gesehen, dass wir den Dorfplatz als Zentrum stärken sollen. Dass es in unserer Gemeinde nicht zwei Zentren, sondern nur ein Zentrum geben soll. Dann haben uns die Architekten gezeigt, dass das mit dem Veranstaltungszentrum am Dorfplatz geht. Das hat mich zuerst überrascht, aber dann überzeugt. Und hinter dem stehen wir auch, dass wir am Dorfplatz, dort wo eben das Zentrum unserer Gemeinde ist, dass wir dort auch das Veranstaltungszentrum neu errichten sollten. Die von Ernst Vallant erwähnten 3,5 Millionen Euro, die sind ein Wunschkonzert, da haben wir alle Vereine nach ihren Wünschen gefragt. Dass das noch abgespeckt wird, ist natürlich auch klar. Das ist eine Chance, die wir Jahrzehnte nicht mehr haben werden, ein gemeinsames Zentrum zusammenzubringen. Und die Erhaltung des Werkssaales würde uns ja auch sehr viel Geld kosten, und also wenn man hier ruhiges Wohnen im Park geplant hätte, das würde sich dann auch nicht so ganz vertragen. Mich hat das Ergebnis, das wir mit allen gemeinsam gehabt haben, das Veranstaltungszentrum am Dorfplatz in St. Gertraud zu errichten, überzeugt, und unsere Fraktion steht auch dahinter.

Herr Paulitsch, wie steht die FPÖ zum Veranstaltungssaal?
FRANZ PAULITSCH: Ja, unsere Fraktion steht hinter dem Neubau. Wir können uns aber da nicht die Zukunft verbauen, weil wir Straßen auch brauchen, wir haben ein riesengroßes Wegenetz. Ich finde es toll, wenn wir sagen, wir bauen das da oben, aber es muss finanziell stemmbar sein, wir müssen es uns leisten können. Wir stehen zwar dahinter, aber wenn es finanziell nicht geht, dann müssen wir schauen, dass wir eine Alternative finden, also den Werkssaal sanieren. So sehe ich das und auch unsere Fraktion, weil das neue Kulturzentrum sicher alle Stücke spielt, aber es geht darum, können wir es uns leisten oder können wir uns das nicht leisten.

Eine Anmerkung des Besuchers Hans Zarfl von der Tischlerei Zarfl in St. Gertraud: 
"Wir haben das beste Büro Österreichs ausgesucht, um dieses Projekt zu erarbeiten. Das hat glaube ich 50.000 Euro gekostet. Und jetzt stelle ich fest, dass in St. Gertraud sehr viele Architekturtalente sind, die besser sind als dieses Büro. Ich meine, dass ist ein bisschen eigenartig, aber okay, das ist halt so. Aber wie soll das funktionieren, den Festsaal wieder sanieren und das ganze Wegekonzept und das ganze Grundkonzept ist auf den Dorfplatz konzentriert? Also ich kenne mich nicht mehr aus. Wie soll das gehen? Herr Vallant Ernst, du warst der Moderator für dieses große Konzept und jetzt bist du der Erste, der das umschmeißt. Mein Vorschlag wäre: Wir machen einen ein bisschen billigeren Festsaal im Dorfkern, dass wäre wohl möglich, dass man das ein paar tausende Euro billiger macht. Und sonst wäre es das Beste, wenn die Anrainer Probleme haben und wir so viel Lärm haben, dann schlage ich vor, wir machen eine Ruhezone, den Verkehr weg, die Betriebe weg und Steuer zahlen tut dann vielleicht irgendein anderer."

WOCHE: Eine Publikumsfrage von Georg Brunner: Ist der alte Werkssaal so baufällig, wie viel kostet die Renovierung und gibt es da ein zeitgemäßes Gutachten?
GÜNTHER VALLANT: Was den Zustand des Festsaales betrifft, würde ich die Frage gerne an den Architekten Heinz Petschenig weiterleiten, weil der vom Bauen sicherlich mehr versteht als ich (siehe dazu den Bericht in Kursiv-Schrift unten). Ein Gutachten, was die Sanierung betrifft, gibt es nicht. Wir haben uns mit der Thematik Festsaal im Vorfeld natürlich beschäftigt. Und wie ist die Diskussion vielleicht auch entstanden? Die Diskussion ist nämlich so entstanden, dass man grundsätzlich gesagt hat, ja wie schaut es aus, die Gemeinde übernimmt diesen Festsaal mit 1. Jänner 2020, bis dahin hat sich "Mondi" bereit erklärt, ihn bis 31. Dezember 2019 für unsere Vereine aufrecht zu erhalten. Wir haben dann gesagt, das wir uns bis zu diesem Datum natürlich mit einer Lösung beschäftigen müssen. Sanieren, renovieren, umbauen oder wie auch immer. Dann kam dabei die Frage auf, was mit dem ehemaligen Kindergarten ist, ob der uns gehört. Dann war die Empfehlung, dass man eben gesagt hat, dass der Festsaal in seinem derzeitigen Zustand mit dem was wir wollen, irgendwie nicht zusammenpasst, und dass auch mit einer Renovierung, einem Zubau oder einem Umbau nicht möglich sei. Es wäre geschickt, wenn man den Festsaal so lässt wie er da steht, daneben einen neuen aufbaut und den dann abreißt. Und erst diese Frage hat dann dazu geführt, dass man gesagt hat im Ortskernbelebungsprozess, naja wenn wir jetzt einen neuen Festsaal bauen würden, ist denn das überhaupt der richtige Ort? Und dann hat diese Diskussion in diese Richtung begonnen, wie sie heute eben stattfindet.

ERNST VALLANT: Vielleicht nur eine kurze Ergänzung: Der Herr Petschenig hat es dankenswerterweise richtig angesprochen: Wir haben einen ganz entscheidenden Punkt und darauf möchte ich zurückkommen was ich vorher gesagt habe. Wir wissen heute eines aufgrund profunder Architektenarbeit von Herrn Petschenig, dass der Kultursaal, der am Dorfplatz geplant wäre, eine Größenordnung von 3,5 Millionen Euro kostet, um den Anforderungen, die in einem ausführlichen Workshop erarbeitet wurden, zu entsprechen. Das wissen wir. Wir wissen heute aber eines nicht: Was würde die Sanierung dieses Werksaales kosten. Wir haben nur einen Richtwert, der massiv auseinander geht. Man spricht von einer Million, von 1,3 Millionen, von 1,5 Millionen Euro. Deshalb habe ich früher gesagt, dass es jetzt wichtig ist, so schnell wie möglich konkrete Zahlen herauszufinden, was eine Sanierung dieses bestehenden Objektes kosten würde, weil es dann möglich ist, dass man konkret weiter entscheiden kann. Ich darf da anmerken, dass wir bereits im Frühjahr letzten Jahres einen Anstoß gesucht haben, um konkret zu wissen von was man spricht, um die Sanierungskosten zu eruieren, aber das ist leider im Sand verlaufen, weil es keine politische Mehrheit gefunden hat.

KURT JÖBSTL: Was der Ernst Vallant jetzt angedacht hat, würde den ganzen Ortskernbelebungsprozess über den Haufen werfen. Wir haben schon darüber gesprochen, Werkssaal erneuern oder renovieren, aber im Laufe des Prozesses, an dem wir alle beteiligt waren, hat sich herausgestellt, dass es am Dorfplatz am sinnvollsten wäre, das Veranstaltungszentrum neu zu errichten. Jetzt sind wir dabei die Kosten zu eruieren, dann muss natürlich wieder abgespeckt werden. Man kann natürlich wieder schauen, was das hier kosten würde, aber dann wäre unser ganzes Konzept umsonst gemacht worden. Die Sanierung des Werkssaales wäre wohl die letzte Ausweichvariante Plan B. Unser Wunsch wäre es, dass das Veranstaltungszentrum am Dorfplatz zustande kommen könnte, wenn es finanzierbar ist, das letzte Wort hat immer das Geld, das ist ganz klar. Das ist gar keine Frage. Aber wenn Storfer sowieso bauen möchte, und wir bauen dann ein paar Quadratmeter größer und dort könnten dann Bälle auch abgehalten werden, wäre das auch unserer Sicht eine sinnvolle Lösung.

FRANZ PAULITSCH: Plan A war für uns immer beim Storfer oben der Neubau. Es ist vor allem eine Kostenfrage. Wenn wir es uns leisten können, sind wir bei Plan A und sonst müssen wir uns auf Plan B zurückschrauben.

Der Wolfsberger Architekt Heinz Petschenig, von dem die Grobplanung des Veranstaltungszentrums am Dorfplatz in St. Gertraud stammt, saß im "Mondi"-Werkssaal im Publikum:
"Nur ganz kurz: Ich muss vorausschicken, wir haben keine konkrete Untersuchung gemacht, wie man den bestehenden Werkssaal sanieren kann. Kein Gutachten erstellt. Ich kann nur einmal so viel sagen, dass aufgrund des Baujahres und Erhaltungszustandes davon auszugehen ist, dass man immense Sanierungskosten in die Hand nehmen müsste, um diesen Werkssaal auf den Stand zu bringen. Die Richtlinien heute stellen einfach ganz andere Anforderungen an einen Saal wie es früher einmal war, das heißt es stimmen keine Fluchtwege mehr, lärmtechnisch sind die Anforderungen natürlich gestiegen, sämtliche Installationen sind sicher nicht mehr brauchbar. Um konkrete Zahlen zu nennen, müsste ich jetzt die Flächen genauer kennen, aber ich sage einmal wir reden da von einer Nutzfläche geschätzt von 800, 900 Quadratmetern und wenn man so ganz grob drüber rechnet, kommt man da sicher auf ich sage einmal zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Euro. Würde ich jetzt einmal vom Stand weg schätzen."

GÜNTHER VALLANT: Es freut mich aus deinem Mund zu hören, dass es einen Plan A gibt. Den haben wir. Das haben wir glaube ich immer alle unmissverständlich gesagt, dass der Neubau und die Neuentwicklung unseres Ortszentrums vorrangig zu behandeln sind und wir wissen, dass wir auf den Festsaal, wenn Plan A nicht umsetzbar ist, als Alternative zurückgreifen können. Wir stoßen aber bei der Sanierung an Grenzen, das heißt, das was wir oben in St. Gertraud neu bauen würden, können wir mit der Sanierung hier in Frantschach nicht umsetzen für unsere Vereine. Was die Finanzierung betrifft, möchte ich aber schon anmerken, dass es eine Frage ist, ob wir das finanzieren wollen, denn wenn die politisch Verantwortlichen wollen, dass das Projekt umgesetzt wird, dann werden wir das schaffen. Wir haben heuer im Jahr 2017 das stärkste Jahr was die Investitionen in unserer Gemeinde betrifft. Wir haben in einem Jahr 2,9 Millionen Euro investiert, in den Tiefbau, in alle Straßenprojekte, in Kanal, in Wasser, in alles, was wir heuer investieren. Und jetzt steht man hier, und da ist bei mir schon ein bisschen die Fantasie zu Ende, wenn jemand sagt, 3,5 Millionen Euro ist für ein Objekt, das für die nächsten 60 Jahre für die Bevölkerung und die Vereine zur Verfügung stehen sollte, nicht möglich. Aber ich habe darum gebeten, das Mikrofon zu bekommen, weil ich auch eine Frage stellen möchte. Weil wenn wir jetzt in Richtung Sanierung des Werkssaales gehen sollen, was bedeutet das dann für unser Ortszentrum? Was sind die Pläne der Familie Storfer mit der ""Knusperstube"? Denn man muss eines wissen, dass die Familie Storfer die Hälfte ihrer Grundstücke der Gemeinde kostenlos überträgt, dass wir dafür die Nutzungsrechte für das Erdgeschoß in Form von Dienstbarkeiten wiederum zur Verfügung stellen und zwischen der Familie Storfer und der Marktgemeinde Frantschach-St. Gertraud kein einziger Euro fließt und wir die Investition dort oben deshalb umsetzen können, weil die Familie Storfer sich bereit erklärt hat, 300.000 Euro für diese Investition beizutragen.

Der Seniorchef der "Knusperstube" in St. Gertraud, Edwin Storfer, antwortet aus dem Publikum:
"Der Bürgermeister hat schon gesagt, wir waren bereit, zwei Drittel unseres Besitzes der Gemeinde kostenlos abzutreten für ein Nutzungsrecht, das wir dann unten im Kaffeehaus auf 99 Jahre haben dürfen. Für uns heißt das natürlich konkret, wenn man als Unternehmer denkt, dass in erster Linie dieses Revitalisierungskonzept umgesetzt wird. Mir persönlich ist mit meinen 66 Jahren egal, ob da oben ein Veranstaltungszentrum entsteht oder nicht. Mein Sohn Peter, der Geschäftsführer, dem 55 Prozent der Knusperstube Vertriebs-GmbH gehören, ist nicht traditionsverbunden mit St. Gertraud. Der kann theoretisch auch morgen die "Knusperstube" da oben zusperren. Das wird er nicht machen, weil sie gut geht, aber er könnte es, weil unsere Kernkompetenz ist die Bäckerei. 96 Prozent unserer Einnahmen machen wir mit unserem Brot und unserem Gebäck und nicht mit dem Kaffeehaus. Also ist das nicht so, dass wir da unbedingt etwas machen müssen. Wir verdienen natürlich dank unseren Besuchern in St. Gertraud, daher sind wir interessiert, dass etwas geschieht. Das war auch der Grund, warum wir uns angeschlossen haben, und gesagt haben, dass es wirklich sinnvoll in einem Dorf wie Frantschach-St. Gertraud ist, das so auseinander gezogen ist, dass es ein Ortszentrum gibt, wie das auch 550 Menschen beim Bürgerbeteiligungsprozess gewünscht haben. Alternativ ist es uns komplett egal, ob da herunten der Werkssaal saniert oder neu gebaut wird, da herunten drei Millionen hinein gesteckt werden oder nicht, das ist uns als Unternehmerfamilie Storfer doch egal. Unser Platz da heroben - und das war schon allein unsere Initiative - ist ein stark frequentierter Platz. Zwischen 400 und 600 Personen besuchen uns täglich, so viele Menschen gehen nicht einmal an einem Tag in die Fabrik hinein. Wenn St. Gertraud weiter im Aufwind ist, werden wir natürlich, und das habe ich mit Peter abgesprochen, trotzdem unabhängig von der Gemeinde investieren. Wir können hinten unser Gebäude genauso abtragen und einen viereckigen Kasten für 120 bis 150 Leute draufsetzen. Die können dann da oben ihre Veranstaltungen durchführen. Nur werden wir das dann machen, bestimmen, wer die Verpflegung durchführt. Dann werden die Vereine nicht mehr so wie in einem Vereinshaus die Möglichkeit haben, dass sie es mieten können. Wir würden uns das auch leisten können. Das möchte ich an dieser Stelle nur zu bedenken geben. Aufgrund unserer seit Jahren bewährten Marketingstrategie wird es uns auch gelingen, dass bei uns oben in der Form alle Jahreshauptversammlungen, vielleicht kleine Taufen, vielleicht Bestattungen, Hochzeiten, vielleicht kleine Konzerte vom Gesangsverein stattfinden werden. Nur für die übrigen fünf oder sechs Bälle wird in St. Gertraud kein Platz sein. Und dafür in Frantschach herunten drei Millionen Euro in den Festsaal investieren, der der Gemeinde dann sicher zwischen 50.000 bis 70.000 Euro pro Jahr kostet, weil der muss ja auch in Stand gehalten werden, das könnt ihr euch aussuchen, wir stehen da ganz neutral dazu. Ich bin auch schon älter wie die meisten hier im Saal, aber wenn man die Visionen und Träume verliert, das kann ich euch wirklich sagen, wenn man das verliert, stirbt man. Und wenn wir so immer denken mit den Problemen, die jetzt und gestern waren, dann sind wir auch gestorben, und das ist auch der Weg, den die Gemeinde Frantschach-St. Gertraud gehen wird, wenn wir nicht vordenken und einer Vision und einem Traum nachlaufen."

WOCHE: Eine Publikumsfrage von Astrid Baumgartner: Sind die unmittelbaren Nachbarn, die mit dem Lärm der Veranstaltungen dann leben müssten, befragt worden was ihnen lieber wäre?
GÜNTHER VALLANT: Jetzt ist dieser Schritt, und dazu dient ja auch diese Veranstaltung, es werden aber auch noch weitere Veranstaltungen dazu dienen, um dann, wenn Details am Tisch liegen, über diese Fragen natürlich auch mit den Betroffenen, mit den Anrainern und natürlich auch den Nachbarn darüber zu sprechen. Erster Punkt. Zweiter Punkt. Wenn es dann zu einer Realisierung und Umsetzung kommt, gibt es ja ohnehin ein ordnungsgemäßes Verfahren, sprich ein Bauverfahren, wo ja Anrainer und alle Nachbarn Behördenstellung haben und auch gehört werden müssen. Daraufhin wollen wir es aber nicht ankommen lassen, weil wir natürlich schon vorab mit Informationen an die betroffene Bevölkerung herantreten werden.

ERNST VALLANT: Ich habe da auch noch einmal bei betroffenen Personen nachgefragt, also meines Wissens hat es bis heute mit den Bewohnern rund um den Dorfplatz noch kein konkretes Gespräch gegeben. Soweit mein Wissenstand.

KURT JÖBSTL: Von den Anrainern ist mir bis jetzt noch keine Kritik bekannt geworden. Aber es wird da sicher Gespräche geben müssen. Bei der Bauverhandlung wenn es eine gibt werden sicher alle eingeladen werden. Dort können die Bedenken dann angebracht werden, die es sicher auch geben wird.

WOCHE: Eine Publikumsfrage von Franz Gutschi: Im Verhältnis zum Werkssaal - wie groß wird das in St. Gertraud oben, wie viele Leute soll es fassen?
GÜNTHER VALLANT: Wir haben im Vorfeld mit den Vereinen, und das sind natürlich in erster Linie unsere Kulturträger, Theatergruppe, sämtliche Bedürfnisse, die, wenn wir auf die grüne Wiese mit so einem Veranstaltungssaal gehen, abgeklärt. Und danach hat sich die Größe gerichtet. Wir haben heute hier eine Sitzplatzvolumen, wenn wir nur hergehen Stühle ohne Tische, sind wir bei 250 und wir haben gesagt diese 250 wollen wir auch oben wieder unterbringen. Mit einem Unterschied: Diese Bühne ist für unsere Werkskapelle, und wir reden nicht von irgendeiner Kapelle, sondern von der besten Kapelle Österreichs, zu klein, und diese Bühne wäre im neuen Veranstaltungssaal so groß, dass die Werkskapelle, nämlich unsere beste Kapelle Österreichs, darauf Platz hätte. Das ist aber keine fixe, sondern eine mobile Bühne, diese hier ist fix, die kann man nicht wegräumen. Somit ist man mit den Nutzungsmöglichkeiten in einem Saal sehr, sehr viel flexibler. Wir haben jetzt in der Größe den Saal gleich konzipiert wie diesen Saal was die Sitzplätze betrifft.

WOCHE: Eine Publikumsfrage von Reinhold Pirker: Wie sieht der Zeitplan aus?

GÜNTHER VALLANT: Mein persönlicher Wunsch ist es natürlich, wenn wir die Finanzierung klären, wenn wir mit der Planung und mit den Anrainern alles geklärt haben, dass wir mit dem Bau beginnen können und zum Zeitpunkt 1. 1. 2020 sozusagen das neue Veranstaltungszentrum in Betrieb nehmen können. Das wäre mein persönlicher Wunsch. Was realistisch ist, wird der Weg zeigen. Wir haben uns mit der Frage natürlich sehr intensiv beschäftigt, denn wir haben den Optionsvertrag mit der Firma Mondi bis zum 31. 12. 2019 und darüber hinaus sind wir dann Besitzer dieses Saales. Das heißt der verschwindet ja nicht, sondern der kann ja darüber hinaus weitergenutzt werden.

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*WOCHE-Diskussion in Frantschach-St. Gertraud

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