08.03.2016, 15:26 Uhr

Früher Ostertermin - Herausforderung für die Eiererzeuger

Franz Karlhuber und Franz Reisecker (von links) (Foto: LK OÖ)

Ostern fällt heuer auf den 27. März. Dieser frühe Ostertermin stellt Bauern, Färbereien und Packstellen vor eine große Herausforderung, denn die zusätzliche Nachfrage aufgrund der Osterzeit neben dem kontinuierlich laufenden Haushaltseinkauf und der Nachfrage aus dem Wintertourismus verlangt enorme Stückzahlen an Eiern.

WARTBERG, OÖ. Das Hauptgeschäft der Legehennenbetriebe beginnt im Herbst mit dem Ende der Schulferien, wenn die Urlauber zurückkehren, und erreicht seinen Höhepunkt mit der Backsaison vor Weihnachten. Nach einem häufig etwas schwächeren Jänner folgt heuer schon sehr früh der zweite Höhepunkt der Saison, das Osterfest.

„Die Marktexperten gehen davon aus, dass dennoch die benötigten Mengen aus heimischer Erzeugung gedeckt werden können, wenn auch hin und wieder mit erheblichen Anstrengungen“, erläutert Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ. Nach Ostern geht erfahrungsgemäß die Nachfrage zurück. Sollte dann von April bis Juli nicht die gesamte Ware am Frischmarkt absetzbar sein, wird diese Menge durch die Eiverarbeitungsindustrie aus dem Markt genommen, die daraus haltbare Produkte wie fertig abgefülltes Vollei, Dotter oder Eiklar für die Backwarenhersteller erzeugt.

Fünf Prozent des Eiverzehrs sind Oster- und Jauseneier

Etwa 12 Millionen Eier werden in Oberösterreich rund um Ostern verzehrt. Von den durchschnittlich acht Ostereiern die pro Kopf und Österreicher verzehrt werden, werden bereits sechs Stück fertig gekocht und gefärbt gekauft. In Familien mit Kindern ist das Erlernen des Selberfärbens aber nach wie vor eine beliebte Tradition. Das gekochte, manchmal gefärbte oder nur transparent versiegelte Ei hat jedoch auch nach Ostern in Form von Salat- oder Jauseneiern ganzjährig Saison. Die Bemühungen der Branche tragen langsam Früchte. Zu aufwändig ist vielen Konsumenten das Kochen von ein bis zwei Eiern für den Salat oder eine Jause. Daher wird seit Jahren das gekochte Ei im Handel angeboten.

Nachhaltigkeit und Regionalität beflügeln Kleingeflügelhaltung

Es ist ein immer stärkerer Wunsch der Konsumenten, das Lebensmittel Ei von Legehennenhaltern in der Region zu kaufen. Um diese Nachfrage abzudecken, steigen vermehrt Landwirte in die Eierproduktion mit Bestandsgrößen von etwa 30 bis rund 300 Hennen ein. „Produkte mit heimischer Herkunft liegen bei den Konsumenten im Trend. Deshalb macht es für viele bäuerliche Legehennenbetriebe Sinn, mit der Direktvermarktung von Eiern zusätzliches Einkommen zu erwirtschaften", so Reisecker.

Ob bei bäuerlichen Betrieben, in Siedlungen oder in kleinen fahrbaren Hühnerställen - die Kleinstlegehennenhaltung (3 bis 10 Hennen) wurde in den letzten Jahren beträchtlich ausgebaut. Die Motive sind unterschiedlich und reichen von der Selbstversorgung bis zum besseren Verständnis der Mensch-Tierbeziehung in Familien mit Kindern. Speziell für Interessenten an Kleinstallungen wurde eine Beratungsbroschüre zu diesem Thema erstellt, die bei der Landwirtschaftskammer erhältlich ist.


Landwirtschaftskammer fordert bessere Lebensmittelkennzeichnung


Überall dort, wo die heimischen Konsumenten selbst die Wahl haben und eine klare Kennzeichnung – wie beim Schalenei (Einzeleikennzeichnung am Produktionsbetrieb) – vorhanden ist, fällt die Kaufentscheidung eindeutig zugunsten heimischer Qualitätseier aus. „Bei Lebensmitteln wie Nudeln oder Backwaren und in der Gastronomie fehlt allerdings eine solche klare Kennzeichnung hinsichtlich Herkunft und Haltungsform und damit auch die Möglichkeit für den Konsumenten, selbst zu entscheiden", stellt Reisecker fest.
Etwa 15 Prozent des heimischen Eierbedarfes werden durch nicht in Österreich erzeugte Eier, meist aus der Käfighaltung, abgedeckt. Nicht deshalb, weil Österreichs Bauern nicht in der Lage wären, diese Menge selbst zu produzieren, sondern weil Käufer die geringfügig billigeren ausländischen Käfigeier den heimischen Eiern aus tierfreundlichen Haltungsformen vorziehen.

Diese 15 Prozent entsprechen einer Menge von ca. 380 Millionen Eiern pro Jahr, welche von ca. 1,44 Millionen Legehennen gelegt werden. „Die fehlende verpflichtende Kennzeichnung hinsichtlich Haltungsform und Herkunft bei Verarbeitungsprodukten im Lebensmitteleinzelhandel und in der Gastronomie in Verbindung mit der nicht fristgerechten Einhaltung des EU-Käfigverbotes schwächt die Marktposition österreichischer Erzeuger. Eier aus der konventionellen Käfighaltung drängen auf den österreichischen Markt und setzen unsere Eierproduzenten einem ruinösen Preiskampf aus", zeigt Präsident Reisecker die schwierige wirtschaftliche Situation betroffener Betriebe auf.
Deshalb fordert die Landwirtschaftskammer OÖ die verpflichtende Kennzeichnung für Verarbeitungsprodukte mit Eianteil im Lebensmittelhandel und in der Gastronomie hinsichtlich Herkunft und Haltungsform. „Nachdem nun auch Verarbeitungseier (Flüssigeiprodukte) mit dem AMA-Gütesiegel zur Verfügung stehen, besteht auch bei Fertigprodukten die Möglichkeit, Herkunftsland und Haltungsform zu deklarieren", so Reisecker. Mit dem Bau des EiVitag Werkes in der Steiermark wird nun seit mehr als einem Jahr auch Eitrockenpulver aus heimischer Ware erzeugt. Dieses wird in über 800 Lebensmitteln verarbeitet. Auch in diesem Bereich hat der Konsument ein Recht zu erfahren, woher die Rohstoffe kommen und unter welchen Bedingungen (Haltungsform, Tierwohl, gentechnikfreie Fütterung …) diese erzeugt wurden.

TTIP eine Gefahr für das Osterei?

Da der Lebensmitteleinzelhandel den Verkauf von Frischeiern aus Österreich unterstützt, sollten sich aus TTIP in diesem Bereich kaum Probleme für das Schalenei ergeben. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass nahezu jedes zweite Ei in Österreich in der Hotellerie und Gastronomie bzw. in der lebensmittelverarbeitenden Industrie verwendet wird. Sollte es im Zuge der Verhandlungen im Rahmen von TTIP zu einer Abschaffung bestehender Einfuhrzölle für Eiprodukte kommen, dann wären europäische Eiprodukte im Preiswettbewerb mit Nicht-EU-Ländern wie den USA nicht mehr annähernd konkurrenzfähig. Die Österreichischen Eierproduzenten wären aufgrund ihrer Vorreiterrolle bei Tierschutz- und Futtermittelstandards innerhalb Europas aber doppelt stark betroffen, weil noch mehr Eiprodukte aus Eiern aus der in der EU nicht mehr erlaubten konventionellen Käfighaltung auf den österreichischen Markt drängen würden.

Es ist nicht davon auszugehen, dass die USA im Rahmen von TTIP verlangen werden, die EU müsse ihre Tierschutzstandards verringern. Aber allein aus dem Umstand, dass in den USA „Billig-Eier“ in Käfighaltung erzeugt werden dürfen, die dann zu Niedrigstpreisen in den EU-Markt gedrückt werden könnten, würde sich eine massive Benachteiligung der EU-Legehennenhalter ergeben. Daher fordern die österreichischen Geflügelbauern, dass die inländische Eier- und Geflügelfleischproduktion nicht dem internationalen Freihandel geopfert werden darf.

Im österreichischen Lebensmittelhandel sind in den überwiegenden Fällen die Ostereier sehr ausführlich gekennzeichnet. Im eigenen und im Interesse der regionalen Legehennenhalter sollte beim Einkauf besonders geachtet werden auf Angaben wie Haltungsform der Hennen, Österreichische Herkunft und Fütterung. "Wird keine Haltungsform und auch kein Herkunftsland angegeben, so handelt es sich möglicherweise um Ostereier aus Käfighaltung", warnt Franz Karlhuber, Obmann des Landesverbandes der landwirtschaftlichen Geflügelwirtschaft OÖ.

Augen auf beim Ostereiereinkauf

Ostereier unterliegen nicht den Vermarktungsnormen für Hühnereier. Daher müssen Herkunft und Haltungsform nicht zwingend beim Verkauf deklariert werden. Der österreichische Lebensmittelhandel bietet aber mittlerweile fast ausschließlich Ostereier an, bei denen auch Herkunft und Haltungsform klar gekennzeichnet sind.

Eikonsum stabil – der Selbstversorgungsgrad steigt

Mit 234 Stück zeigt der pro Kopf Verbrauch pro Österreicher und Jahr bei Eiern eine sehr stabile Entwicklung. Umgerechnet bedeutet diese Menge einen Verzehr von 14,5 Kilogramm Eimasse pro Jahr. Damit kann das Ei seine bedeutende Rolle als wichtiges Grundnahrungsmittel klar behaupten. Der Großteil davon wird aber nicht als Frühstücks- oder Osterei konsumiert, sondern geht in die Lebensmittelherstellung wie in Back- und Konditorwaren.
Durch intensive Bemühungen der Branche hat das Ei im Vertrauen der Konsumenten viele Pluspunkte sammeln können.

Nachdem in den letzten Jahren der Bestand an Legehennen in Oberösterreich langsam aber kontinuierlich gestiegen ist, konnte heuer erstmals die Marke von einer Million Legehennen im Legehennenregister übertroffen werden. Inklusive aller übrigen Klein- und Mittelbestände bzw. Hobbyhaltungen darf ein Bestand von ca. 1,1 Millionen Legehennen in OÖ. angenommen werden. In Österreich werden insgesamt ca. 6,5 Millionen Legehennen gehalten.

„Um den durch den Bevölkerungsanstieg höheren Bedarf decken zu können, werden nach wie vor neue Stallungen in allen Kategorien errichtet. Auch in den kommenden Jahren wird es die Möglichkeit für bestehende oder neue Betriebe geben, in die Legehennenhaltung zu investieren. Mit einer Inlandsversorgung von 84 Prozent ist eine Ausweitung der heimischen Erzeugung jedoch begrenzt. Ziel der Branche ist es, knapp unter 90 Prozent Inlandsversorgung zu erreichen“, erläutert Franz Karlhuber.

Insgesamt wurde seit dem Jahr 2010 die Legehennenhaltung im Oberösterreich um 28,7 Prozent ausgeweitet. Die Umstiegsphase seit dem Ausstieg aus der Käfighaltung im Jahr 2009 konnte somit positiv bewältigt werden. Großen Anteil an dieser erfreulichen Entwicklung hatte auch der heimische Lebensmittelhandel, der nahezu ausschließlich heimische Frischeier im Sortiment führt. Bezogen auf die Verteilung innerhalb der Haltungsformen gibt es seit Jahren stabile Positionen. Mit 61 Prozent liegt das Bodenhaltungsei in der Käufergunst klar voran. 25 Prozent der Konsumenten greifen zum Freilandei. Mit 14 Prozent Bioanteil hat sich das Ei zu einem der führenden Bioartikel im Lebensmittelhandel etabliert. Die Verteilung in OÖ. zeigt gegenüber der österreichweiten Verteilung einen eindeutig höheren Anteil an Freiland- und Biofreilandeiern.

Eierdatenbank informiert beim Frischei über Eierherkunft

Auf jedem Ei im Lebensmittelhandel ist der Erzeugercode aufgedruckt, bestehend aus dem Code für Haltungsform, Herkunftsland und der Betriebsnummer des Erzeugers. Der Konsument kann auf der Homepage www.eierdatenbank.at diesen Erzeugercode in die Datenbank eingeben und erhält umgehend den Namen und die Anschrift des Legehennenhalters. „Die Eierdatenbank schafft damit größtmögliche Transparenz bezüglich Herkunft der Eier und soll über das AMA-Gütesiegel hinaus das Vertrauen in das österreichische Ei stärken", sagt Obmann Karlhuber.
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