30.08.2016, 09:25 Uhr

Christoph Gerin Swarovski: "Wir müssen wachsen!"

"Die geplanten Grenzkontrollen am Brenner sind für die Sicherheit Tirols notwendig und Sicherheit steht über wirtschaftlichen Interessen", sagt Gerin Swarovski. (Foto: IV)

Christoph Gerin Swarovski ist geschäftsführender Gesellschafter von Tyrolit und IV- Präsident in Tirol.

Tyrolit agiert mit 29 Produktionsstandorten am Weltmarkt hat aber den Unternehmenssitz in Tirol. Warum?
Christoph Swarovski: „ Hier sind unsere Wurzeln und wir sind mit dem Land und den Menschen tief verbunden. Die Identifikation unserer Mitarbeiter und deren Know-how sind ein großer Wettbewerbsvorteil für das Unternehmen.“

Wie geht es Ihnen mit Industriespionage? Werden Ihre Hightech-Produkte kopiert?
„Leider werden Wettbewerbsprodukte unerlaubterweise immer wieder auch unter der Marke Tyrolit vertrieben. Die uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel helfen da nur beschränkt. Vor Industriespionage schützen wir uns indem wir die innovativsten Produkte nur an Standorten mit verlässlichen Mitarbeitern wie Tirol produzieren.“

Forschung und Entwicklung sind zentral für Ihr Unternehmen und auch die Produktion erfordert hoch qualifizierte Mitarbeiter. Finden Sie diese in Tirol?
„Ja, wir finden Sie, aber man muss heute als Arbeitgeber auch etwas bieten. Neben einem vernünftigen Gehalt gehört auch dazu, dass sich Mitarbeiter auf uns verlassen können. Und das können sie sich schon seit mehreren Generationen.“

Die Probleme in Europa oder der britische Brexit: Hat das Auswirkungen auf Tyrolit?
„Ein anhaltend schwaches Pfund als Folge des Brexit wäre nicht gut für ein nach England exportierendes Unternehmen. Währungen sind allerdings schwer prognostizierbar. England war immer eine starke Volkswirtschaft und das wird es auch bleiben. Daher bin ich nicht beunruhigt. Der mit einem Brexit verbundene Ruck Europas von liberal-konservativ nach links beunruhigt mehr.“

Seit April sind Sie Präsident der Industriellenvereinigung Tirol. Wie ist die Stimmung in der Tiroler Industrie?
„Grundsätzlich gut, aber es herrscht eine abwartende Einstellung ohne große Euphorie. Das gilt aber prinzipiell für die Industrie in ganz Europa.“

Wie sehen Sie mittelfristig die Entwicklung des Stellenangebotes in der Tiroler Industrie?
„Ich denke, in Tirol wird es in Zukunft mehr Stellen geben, denn wir müssen wachsen und dafür brauchen wir Mitarbeiter. Auch die Digitalisierung der Industrie wird nicht wirklich zu einem Stellenabbau führen, vielmehr werden Arbeitsplätze entstehen, an die wir heute noch nicht einmal denken.“

Hätten Grenzkontrollen am Brenner oder das sektorale Fahrverbot Auswirkungen auf die Tiroler Industrie?
„Mit dem sektoralen Fahrverbot sind wir nicht glücklich und wir brauchen Lösungen für besonders betroffene Unternehmen. Die geplanten Grenzkontrollen am Brenner sind für die Sicherheit Tirols notwendig und Sicherheit steht über wirtschaftlichen Interessen. Persönlich glaube ich nicht, dass die Wirtschaft durch gut geplante Kontrollen leiden wird. Was ich aber kritisch sehe, ist die unkontrollierte Zuwanderung von vielen nicht ausgebildeten und kaum integrierbaren Menschen fremder Kulturen.“

Welche Verbesserungen durch die Politik wünschen Sie sich für den Standort Tirol?
„Die Tiroler Landesregierung arbeitet sehr gut. Aber sowohl bei Land als auch beim Bund müssen Verfahren schneller ablaufen wenn ich etwa an den Ausbau der Wasserkraft oder an manche Seilbahnprojekte denke. Und natürlich ist jede Diskussion um eine Maschinensteuer ein verantwortungsloser Angriff auf den Wirtschaftsstandort und die Arbeitsplätze. Nachzudenken, wie dieses Land leistungsfähiger und der Staat schlanker wird, das wäre ein Fortschritt.“

Zur Sache:

Tyrolit mit Stammsitz in Schwaz beschäftigt derzeit über 4.400 Mitarbeiter an 29 Produktionsstandorten in 12 Ländern, davon 1.237 in Schwaz. Umsatz 2015: 634 Mio. Euro.
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