13.04.2016, 00:00 Uhr

Mit einem Hauch Größenwahn zum Erfolg – 15 Jahre Open Air-Sommer in Purkersdorf

Niki Neunteufel organisiert seit 15 Jahren den Purkersdorfer Open Air-Sommer.

Die Stadt Purkersdorf blickt heuer auf 15 Jahre Open Air-Sommer zurück. Wir baten Organisator Niki Neunteufel zum Interview.

PURKERSDORF. Heuer feiert man 15 Jahre Open Air-Sommer – wie hat alles angefangen?
NIKI NEUNTEUFEL: Dazu muss ich ein bisschen ausholen: 1989 bin ich aus den USA zurück gekommen und habe zufällig Wolfgang Ambros, den ich aus meinem Elternhaus kannte, getroffen und es hat sich schnell eine sehr gute Freundschaft entwickelt. Wir hatten damals in Purkersdorf die Problematik, dass wir zwar eine sehr schöne Fußgängerzone hatten, allerdings keine Besucher. Damals entstand mit Ambros' damaliger Gattin Margit die Idee am Samstag Vormittag Konzerte am Hauptplatz zu machen um Leute in die Fußgängerzone zu locken. Das hat sehr einfach gestrickt begonnen: Wir sind auf die Kärnter Straße gefahren und haben irgendwelche Musiker gefragt ob sie auftreten wollen (lacht). Aber für den Anfang hat's gereicht und es hat funktioniert. Die Grundidee war: Eintritt frei, kommen und schauen – und es tut sich was. 1990 hab ich dann das Nikodemus eröffnet und es war dann irgendwie nicht mehr notwendig.

Und wie kam's dann zum Open Air Sommer?
Im Jahr 2002 ist Bürgermeister Karl Schlögl an mich herangetreten und hat mich gefragt ob ich mir vorstellen könnte so etwas wieder zu machen um die Stadt ein bisschen lebendiger zu machen. Der Grundwunsch war Purkersdorf als Kulturstadt zu etablieren. Ich sagte Ja, doch im Jahr 2002 ging das nicht mehr zu den simpel gestrickten Bedingungen von damals – also brauchten wir Budget dafür. Karl Schlögl hat sich dann um's Budget gekümmert und ich mich darum dass es stattfindet. Damals haben wir noch am Samstag Vormittag auf der Bühne vor der Volksbank gespielt: Andi Lee Lang, Roland Düringer mit Wolfgang Grünzweig und die Spider Murphy Gang. Als letzte Veranstaltung wurde eine Bühne vor der Kirche aufgebaut und Ambros ist aufgetreten – da haben wir zum ersten Mal gemerkt dass das eine gute Idee ist.

Wie waren die Reaktionen damals?
Ab 2003 haben wir's dann groß probiert – nicht mehr am Vormittag, sondern am Abend und die Bühne kommt vor die Kirche und wir bespielen den gesamten Hauptplatz. Am Anfang hielt man uns für größenwahnsinnig, weil sich damals niemand vorstellen konnte dass auch nur der halbe Platz voll wird. Doch spätestens 2004 konnte sich niemand mehr vorstellen das Ganze abzudrehen, dazu war es zu erfolgreich geworden.

Bonnie Tyler, Jimmy Cliff, Kool and The Gang, in Kürze Kim Wilde – wie holt man solch internationale Stars nach Purkersdorf?
Ich hatte von Anfang an das große Glück mit Georg Leitner gut befreundet zu sein, ein österreichischer Künstler-Agent, der so Weltstars wie Kool and the Gang, Earth, Wind & Fire und Ziggy Marley vertritt. Ich kam damals mit der Idee auf ihn zu. Und aus diesem 'Bittstellangebot' von damals wurde eine sehr schöne Zusammenarbeit, gemeinsam haben wir jetzt bestimmt schon 20 internationale Stars hierher geholt, die ohne seine Verbindungen nicht möglich gewesen wären.

Was steckt organisatorisch hinter solchen Open Air-Auftritten?
An dieser Stelle muss ich sagen: Der Open Air-Sommer wäre ohne die Stadtgemeinde, die Feuerwehr, den Samariterbund und das Rote Kreuz nicht denkbar – das war nicht nur für mich, sondern für uns alle eine große Herausforderung. Mit den vielen Jahren haben wir gelernt worauf wir uns einstellen müssen. Und letztendlich ist es eine Eventserie der Stadt und ich habe die Ehre das durchführen zu dürfen, aber die Stadt Purkersdorf steht im Fokus und wird es auch immer sein.
Prinzipiell ist der Open Air-Sommer für mich und meine Frau eine Ganzjahresbeschäftigung. Im Kopf bin ich mit der Organisation für 2016 fertig und bin jetzt voll in den Vorbereitungen für 2017.

Was waren deine persönlichen Highlights?
Was mich mit Glück erfüllt hat war Wolfgang Ambros und Reinhard Fendrich gemeinsam auf die Bühne zu bringen. Dadurch dass hier Austria 3 gegründet wurde hat sich so ein Kreis geschlossen. Von den internationalen Konzerten ist meine schönste Erinnerung das Jimmy Cliff-Konzert.

Auf regionale Vorbands wird ja besonderer Wert gelegt.
Das liegt uns extrem am Herzen. Wenn ich irgendwann in Pension gehe möchte ich gerne das Gefühl haben, dass jeder in dieser Region, der ein Talent hat und etwas mehr als ein ambitionierter Hobby-Musiker ist, die Möglichkeit bekommen hat sich einem großem Publikum zu stellen.

Mal angenommen Geld würde keine Rolle spielen: Wen würdest du dann gern nach Purkersdorf holen?
Wenn Geld keine Rolle spielen würde, würde ich gerne Zucchero veranstalten, das würde wunderbar nach Purkersdorf passen – und da gäbe es wahrscheinlich ein paar Gäste die das genauso sehen (lacht). Ansonsten habe ich lernen müssen dass ich meine Erwartungshaltungen und die Dinge, die ich in Angriff nehme, zwar schon leicht größenwahnsinnig sind – wie zum Beispiel Kim Wilde herzuholen – aber dass da durchaus noch eine Chance da ist das tatsächlich zu schaffen. Aber ich lebe nicht in der Illusion dass eines Tages Robbie Williams dastehen wird. Aber wenn man mir vor 10 Jahren gesagt hätte wer aller kommen wird, hätte ich gesagt das wird im Leben nichts (lacht).

Also steht den nächsten 15 Jahren Open Air-Sommer nichts im Weg?
Solange die Rahmenbedingungen so gegeben sind, mache ich – von meiner Seite – mit großer Freude weiter. Solange die Stadt und Bürgermeister Karl Schlögl das gerne wollen, werde ich mich weiter zur Verfügung stellen, weil das ja auch für mich persönlich tolle Erinnerungen sind.

ZUM WEITERLESEN:

Purkersdorfer Open Air-Sommer 2016 mit Kim Wilde und Wolfgang Ambros
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