28.09.2016, 18:30 Uhr

Mistkübel Toilette: Pistole im "Gulli"

Kein schöner Anblick: Feuchttücher verklumpen zu langen Zöpfen, die sich in Pumpen verfangen und diese verstopfen.

Trotz Infokampagnen entsorgen Schärdinger noch immer die unglaublichsten Dinge via Toilette – sogar Waffen.

BEZIRK (ebd). Bereits vor vier Jahren hat die BezirksRundschau darüber berichtet, welche unglaublichen Dinge in der Schärdinger Kanalisation landen. Angefangen von Erwachsenenwindeln über Kleidungsstücke bis hin zu Handys oder Besteck. Doch hat sich in den vergangenen Jahren daran etwas geändert? "Nein, es ist ziemlich gleich geblieben", so der Obmann des Reinhalteverbands (RHV) Schärding und Umgebung, Roland Wohlmuth. Als Grund nennt er, dass die Leute durch solche "Entsorgungsmaßnahmen" Kosten sparen wollen. 2015 waren es 42 Tonnen Rechengut, die aus dem Abwasser entfernt werden mussten. Dazu Wohlmuth: "Durch die schweren Regenfälle wird zunehmend Schotter und Sand in die Kanalisation gespült – das wird immer mehr." Dennoch wurden in den vergangenen Jahren weiterhin viele Kuriositäten aus der Kanalisation geholt. Darunter ein Gebiss, Geldscheine, Unterwäsche, Eheringe und sogar eine Pistole. Und was passiert etwa mit Wertgegenständen? "Die werden im Fundbüro abgegeben", so Wohlmuth.

Probleme mit Feuchttüchern

Für weiterhin große Probleme sorgen laut Claus Hawliczek, Geschäftsführer des RHV Schärding, die Feuchttücher. "Feuchttücher verklumpen zu langen Zöpfen, die sich in Pumpen verfangen und diese damit verstopfen. Um diese Verstopfungen zu beheben, müssen die Mitarbeiter die Pumpen ausbauen, zerlegen, reinigen und wieder einbauen. Das ist zeit- und kostenaufwändig." Auch Essensreste finden sich zuhauf im Kanalnetz – was nicht ungefährlich ist: "Essensreste bleiben im Kanal liegen, wenn die im Rohr fließende Abwassermenge zu gering ist. Das Essen lockt dann Ratten an, die Kabel von elektrischen Anlagen beschädigen, Löcher im Kanal vergrößern und Krankheiten verbreiten können. Fett und Öl führen zu unangenehmer Geruchsbildung, weil sie sich an den Kanalwänden ablagern und zu faulen beginnen", gibt Hawliczek zu bedenken.

Es besteht noch Luft nach oben

Also besteht in Sachen Sensibilisierung der Bevölkerung noch viel Luft nach oben? "Ja, deshalb ist die Bewusstseinsmachung über die dunkle Seite des Lebens – also was Abwasser und Abfall betrifft – sehr wichtig", erklärt Wohlmuth. Dem fügt Hawliczek hinzu: "Dafür bieten wir Führungen vorwiegend für Schulklassen an, weil dort das Interesse meist größer ist. Generell steht die Anlage für Führungen aber jedem offen, Anruf und Anmeldung genügen."

Zur Sache

Pro Jahr laufen 1.500.000 Kubikmeter oder 1,5 Milliarden Liter Wasser (inklusive Regenwasser) durch die Schärdinger Kläranlage. Bei Trockenwetter sind es rund 3.000 Kubikmeter pro Tag oder drei Millionen Liter.
Bei Regenwetter fließen 200 Liter pro Sekunde in die Kläranlage, mehr können die Zulaufpumpen nicht fördern. Alles darüber hinaus fließt über ein Pufferbecken mit Überlauf in den Inn. Bei Trockenwetter fließen im Mittel 50 Liter pro Sekunde zur Kläranlage.
Vier Mitarbeiter kümmern sich um die Kläranlage und die 25 Kilometer Kanäle. Sämtliche Kanäle werden regelmäßig (alle 10 Jahre) mittels Kamera untersucht. Der RHV hat dazu eine eigene fahrbare Kamera angeschafft.
Foto: RHV Schärding
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