26.04.2016, 16:00 Uhr

Geschwisterpaar wegen Raub vor Gericht

Dieses Geschwisterpaar musste sich wegen Raub vor Gericht verantworten. (Foto: Probst)
BEZIRK TULLN / ST. PÖLTEN (ip). Vertagt wurde am Landesgericht St. Pölten der Prozess gegen ein Geschwisterpaar, dem Staatsanwältin Barbara Kirchner unter anderem schweren Raub beziehungsweise falsche Beweisaussage zur Last legt.
„Es ist ein Indizienprozess“, meinte Richter Slawomir Wiaderek, nachdem die beiden Angeklagten sich nicht schuldig erklärten. Laut Staatsanwaltschaft habe der 28-jährige Michael W. (Name von der Redaktion geändert) über ein Wertkartenhandy Brennholz bestellt, das am 18. Dezember 2014 auf ein Grundstück im Bezirk Tulln geliefert wurde. Beim Zahlen habe W. gefragt, ob der Lkw-Fahrer wechseln könne. Als dieser die Geldbörse holte, habe ihm der Beschuldigte Pfefferspray ins Gesicht gesprüht und sei mit 2.000 Euro und 15.000 tschechische Kronen davon. Der 24-jährigen Schwester wirft Kirchner vor, ihrem Bruder ein falsches Alibi gegeben zu haben.

Unterschiedliche Versionen

In fünf Einvernahmen änderte sich die Verantwortung des Beschuldigten. Auch die letzte Version der Geschichte wich teilweise von seinen Aussagen im Prozess ab. „Da habe ich gelogen“, erklärte er wiederholt, etwa bei der Tatortfrage. Behauptete er zunächst, nie dort gewesen zu sein, gab er schließlich zu, bei dem Besitzer gepfuscht zu haben. Eine am Tatort aufgefundene Haube wies neben seiner DNA auch die Spuren einer zweiten Person auf. Die Hauben habe ihr Freund vertauscht, so die Erklärung der Freundin des Mannes. Seine Version, wieso er zweimal auf einer Bank Kronen wechselte, klang äußerst mysteriös. Er sei von einem Mann attackiert und verletzt worden. Um dessen Namen zu erfahren, habe er ihm die Geldbörse weggenommen. Als er sie im Zug, am Weg nach Hause, durchsuchte, habe er Geld und Drogen gefunden. Er habe das Geld genommen und die Börse sofort aus dem Zugfenster geworfen, so die aktuelle Version. Vor der Polizei behauptete der 28-Jährige, er habe im Casino gewonnen. „Aus Angst“, begründete er seine Lügen. Er habe nicht wegen des Pfuschens angezeigt werden wollen und die Auseinandersetzung habe er mit jemandem gehabt, der einen Bekannten besucht hätte, den er in nicht hineinziehen wollte.

Bekannter belastet Angeklagten

„Das war ein knallhart kalkulierter Raub“, versuchte Wiaderek den Angeklagten zu einem Geständnis zu bringen. „Ich geb nix zu, was ich nicht gemacht habe“, blieb dieser bei seinem „Nicht schuldig“, obwohl ihn ein guter Bekannter massiv belastet. „Sie hätten seit längerem Phantasien gehabt, dass Sie einen Raubüberfall begehen wollen“, konfrontierte der Richter W. mit der Aussage des Bekannten, den er zum Mitmachen animiert habe. Ihm gegenüber habe er im Vorfeld sogar detaillierte Angaben unter anderem im Zusammenhang mit der Holzlieferung, dem Tatort und dem Pfefferspray geliefert. „Ich hab das alles nicht ernst genommen“, so der Belastungszeuge vor Gericht. Als sich W. ihm und seiner Schwester gegenüber maskiert und verkleidet präsentierte, habe man nur gelacht. Am 18. Dezember habe er schließlich noch eine SMS von der Mitangeklagten erhalten, dass „Operation Walküre“, wie der Angeklagte den Überfall nannte, nun stattfände. Nicht zuletzt wird W. auch durch weitere SMS-Inhalte und die Ortung seiner Rufdaten belastet. Auch das komme nicht von ihm, so der Beschuldigte, der schließlich behauptete, dass möglicherweise alles von dem Zeugen inszeniert worden sei.

Hier geht's zum Artikel: "Mann attackierte Holz-Lieferant", 22. Dezember 2014
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