06.10.2016, 09:03 Uhr

Runder Tisch für Lehrlinge aus Urfahr-Umgebung

Fünf Lehrlinge diskutierten mit Vertretern der WKO, AK und Bezirkspolitik über ihre Sorgen und Nöte.

LINZ/URFAHR-UMGEBUNG (fog). Für die Lehrlinge aus Urfahr-Umgebung war es vermutlich ein Erlebnis, ihre Anliegen am "Runden Tisch" in der Hafenstraße vorzutragen. Aber Christina Voit, Sonja Kucera, David Jax, Manuel Schwentner und Manuel Pirklbauer nahmen sich kein Blatt vor dem Mund. Ihnen standen Reinhard Stadler, Obmann der Wirtschaftskammer Urfahr-Umgebung, Franz Molterer, Direktor-Stellvertreter der Arbeiterkammer OÖ und der ÖVP-Landtagsabgeordnete Josef Rathgeb Rede und Antwort.

1. Video-Mitschnitt vom Runden Tisch

Lehrling nicht hoch angesehen

In der Diskussion kristallisierte sich schnell heraus, dass die fünf Jungen generell den Stellenwert eines Lehrlings in Österreich nicht hoch einschätzen. "Im Freundeskreis bist du als Lehrling der Idiot", waren sich David Jax, Manuel Pirklbauer und Manuel Schwentner einig. Die Matura oder ein Studium würden noch immer mehr zählen als eine Lehre. WKO-Obmann Reinhard Stadler ortet das Problem bereits an den Schulen: "Ich kenne Lehrer, die sich freuen, wenn ihre Schüler in eine höhere Schule weitergehen." Auch die Lehre mit Matura habe das Image der Lehre nicht um viel verbessert. "Wenn ich so mit meinen Freunden zu Hause rede, hat die normale Matura schon einen höheren Stellenwert", meinte Manuel Schwentner. "Das stimmt aber überhaupt nicht", ergänzte AK-Vertreter Molterer. Eine Matura neben dem Arbeiten zu machen, erfordere oft noch mehr Disziplin und Fleiß. "Es fehlt den Lehrlingen an Wertschätzung. Das müssen wir ändern und bereits im Schulsystem ansetzen", stellte Rathgeb während der Diskussion fest.

2. Video-Mitschnitt vom Runden Tisch

Natürlich wurde der vieldiskutierte Fachkräftemangel angesprochen. Weshalb es trotz dieses Mangels nicht recht viel mehr Lehrstellenangebot gibt, zum Beispiel in Urfahr-Umgebung, versuchte Stadler den Teilnehmern am "Runden Tisch" klarzumachen. Im schlimmsten Fall für einen Unternehmer investiert er drei bis vier Jahre in einen Lehrling, der dann die Firma verlässt. Dazu fiel Molterer von der AK ein, dass es früher einmal die Idee eines Fonds gegeben hätte, auf den ein Ausbildungsbetrieb, in so einem Fall zugreifen könnte. Ob es klug sei, nach der Lehre in der selben Firma zu bleiben, wurde angesprochen. Ewiger Lehrling will natürlich keiner bleiben.

Bewusstseinsbildung nötig

Neben dem großen Problem der Mobilität von Lehrlingen im Bezirk – die öffentlichen Verkehrsmittel sind in Urfahr-Umgebung teils katastrophal – war auch die Höhe der Lehrlingsentschädigungen ein Punkt in der Diskussion. Vor allem die teilweise großen Unterschiede waren den Lehrlingen nicht klar. Bei den kollektivvertraglichen Verhandlungen würden Angebot und Nachfrage entscheiden, waren sich Reinhard Stadler von der WKO und Franz Molterer von der AK einig. "Friseurlehrlinge verdienen deshalb so wenig, weil viele Friseur werden wollen. Bei anderen Berufen gibt es einen Mangel. Deshalb ist auch die Lehrlingsentschädigung höher", erklärte Stadler. Am Ende des "Runden Tisches" waren sich alle einig, dass es in Sachen Lehre eine Menge Aufholbedarf gibt und noch viel Bewusstseinsbildung nötig ist, um den Stellenwert der Lehre zu heben.
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