09.08.2016, 10:28 Uhr

Velden-Hotelier Anton Wrann: "Bei der Servicequalität müssen wir noch besser werden"

Seit Kurzem in Pension, aber noch immer hochaktiv: Hotelier Anton Wrann (Foto: Furgler)

Der bekannte Unternehmer ist seit kurzem in Pension. Im WOCHE-Interview spricht er über Stärken und Schwächen im heimischen Tourismus. Plus: Seine Wünsche an die Tourismus-Verbände.

VELDEN. Seit Kurzem ist er in Pension. Nicht mehr zu arbeiten ist für ihn aber keine Option: Anton Wrann, Hoteliers-Legende vom Wörthersee, hilft auch weiterhin tatkräftig in den sechs Tourismusbetrieben mit, die er mit seinem Bruder Jakob in Velden und Oberlech führt. Längst arbeiten auch die beiden Söhne Anton Sergio (26) und Jakob Mateo (25) in den Betrieben mit, in denen es, saisonbedingt, bis zu 140 Arbeitsplätze gibt.

WOCHE: Wenn Sie auf den Tourismus am Wörthersee in den vergangenen Jahrzehnten zurückblicken. Was hat sich am stärksten verändert?
WRANN:
Es hat sich alles verändert. Aufgewachsen bin ich in einer Zeit, in der Qualität keine große Rolle gespielt hat. Es ging um Massentourismus. Campingplätze und Pensionen mit WC und Dusche am Gang waren die Regel. Heute ist die Wertschöpfung besser. Und das bei deutlich weniger Wirbel.

Sie sehen den Wörthersee-Tourismus auf einem guten Weg?

Ja. Warum? Sicherheit, Sauberkeit, Qualität sind Faktoren, die in so bewegten Zeiten immer wichtiger werden. Schauen Sie, was in der Türkei oder in Ägypten passiert! Da sind wir, obwohl man das nicht zu laut sagen sollte, Krisengewinner.

Dabei heißt es doch immer, der Wörthersee sei zu teuer.
Das sagt man seit Jahrzehnten. Und stimmt es? Ich sage: nein. Schauen Sie, ich war gerade an der Cote d'Azur. Ein Espresso 10 Euro, ein Orangensaft 15 Euro. Das ist teuer!

Wenn es die Leute bezahlen ...

Ja, eh. Außerdem muss man sagen: Von der Servicequalität in diesen Hochpreisregionen können wir in Kärnten noch viel lernen.

Sind wir zu unfreundlich?
Im Vergleich: ja. Das ist eine andere Liga. Freundlichkeit, Beratungsqualität. Da müssen wir noch besser werden.

Was stört Sie sonst am heimischen Tourismus?

Ich will nicht mit dem erhobenen Zeigefinger herumlaufen. Aber wenn Sie fragen: Wir brauchen mehr Ganzjahresbetriebe. Wir haben das Hotel Post in Velden seit 33 Jahren durchgehend offen. Es geht! Aber dafür müssen die Nebensaisonen attraktiviert werden. Da braucht man Ideen. Einfach nur den Betrieb offen zu lassen, das ist zu wenig. Radfahr-Specials, Wander-Konzepte – da muss sich mehr tun. Außerdem bin ich dafür, dass die Tourismusregionen enger zusammenarbeiten. Der Faaker See, der Ossiacher See, der Wörthersee – die haben gemeinsame Interessen. Da kann man kooperieren, Synergien nutzen und damit größere Budgets für die Bewerbung freispielen.

ZUR PERSON
Anton Wrann ist 1950 geboren. Es gibt drei Brüder: Jakob, Philipp (Kaufmann), Alexander (Architekt).
Mit Jakob ist er geschäftsführender Gesellschaft der Wrann-Hotels: Hotel Post, Strandbad Wrann, Seehotel Europa, Gästehaus Post und "C6" (alle Velden) sowie Hotel Bergkristall (Oberlech). Die Hotelgruppe hat bis zu 140 Mitarbeiter.
Wrann war auch Vorsteher der Fachgruppe Hotellerie in Kärnten und Vizepräsident des Bundesvorstands der Hoteliervereinigung.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.