Ein Arbeitstag im Backofen :-)

Es war allerdings weniger bewölkt als diese Ankündigung der Wetter App vermuten lassen würde.
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  • Es war allerdings weniger bewölkt als diese Ankündigung der Wetter App vermuten lassen würde.
  • hochgeladen von Gabriela Stockmann

7 Uhr: Mittelprächtig geschlafen, eine lauwarme Dusche, Kaffee und ein erstes Telefonat machen mich munter. Es hat noch angenehme Temperatur in der Wohnung, 24 Grad. Das wird heute nicht so bleiben. Der heißeste Tag des Jahres steht an. Ich verzichte darauf, meine Haare zu fönen, wähle leichtes Sportgewand. Kein Auto, in dem es um 8 Uhr früh schon brütend heiß ist. Ich werde heute radeln. Moderate Bewegung, Fahrtwind im Gesicht.

9 Uhr, Erster Termin, Pressekonferenz in der Kulturszene Kottingbrunn. Der Schlossinnenhof eine Riesenbaustelle praktisch ohne Schatten, ich kämpfe mich durch eine Schotterwüste zur Kulturwerkstatt. Es ist hier schon heiß, und das ist erst der Anfang..Ich trinke fast eine Flasche Mineralwasser aus. Die Zeit vergeht schnell, die Pressekonferenz ist kurzweilig. Vorgestellt wird die Septembertheaterproduktion „Wie im Himmel“. Nach dem Film von Kay Pollak. Verspricht interessant zu werden, ab 7. September wird gespielt. (Tickets: 02252/74383)

10.30 Uhr;
Ich schwinge mich aufs Rad, der Euro Velo 9 am Wr. Neustädterkanal beginnt gleich hinter dem Schloss und verläuft herrlich im Schatten. Meine Idee, auf einem Bankerl am Radweg auszukühlen und ein längeres Telefonat zu führen, kann sich aber nicht erfüllen. Ich finde zwischen Kottingbrunn und Baden kein einziges Bankerl. 

11 Uhr: Schließlich in Baden habe ich noch eine Stunde zum nächsten Termin. Ich finde in der Volksbankpassage vor dem Weltladen ein Kaffeetischchen, das niemals von der Sonne beschienen wird. Ein leichtes kühlendes Lüftchen zieht durch die Passage. Vielleicht gibt es im Badener Zentrum keinen kühleren Platz im Moment. Ich bestelle Fair trade Kaffee und telefoniere endlich: Thema Asylheim im Helenental. Mir kommt in den Sinn, dass da ein schattiger Radweg hinführt, entlang der Schwechat...

12 Uhr:
Interviewtermin im Café Central am Hauptplatz Baden. Ich finde einen schattigen Platz, doch meine Interviewpartnerin, Austria Guide Dr. Christine Triebnig-Löffler, will lieber drinnen sitzen. Diese Hitze - das Gespräch ergibt sich wie von selbst. Meine erste offizielle Frage: Wo wären Sie jetzt am liebsten? Die Antwort kommt schnell: In der Kaisergruft in Wien. Wir lachen und das Gespräch nimmt seinen Lauf.

14 uhr:
Soll ich ins Büro oder das Asylheim im Helenental  anradeln? Ich entscheide mich für zweiteres. Holzrechenplatz, Wegerl im Helenental, viele Leute picknicken an der Schwechat, beim Urtelstein liegt ein tätowierter Mann komplett im Wasser und spielt mit seinem Hund.Es geht flott über mehrere Brücken dahin, an der neuen Brücke bei der Cholerakapelle vorbei. Ich bin so flott unterwegs, dass ich erst vor Heiligenkreuz auf die B 210 stoße. Ohje, ich habe das Asylheim verpasst. Hm. Soschnell kann man sich verirren, wenn man die Perspektive ändert...

15 Uhr:
Endlich das Asylheim, an dem ich per Auto schon 100e Male vorbeigefahren bin, auch mit dem Rad gefunden. Ein junger Mann aus Bangladesh zeigt mir bei einem kalten Glas Orangensaft seine Unterkunft, die er mit einem Marokkaner teilt. Er spricht neben seiner Muttersprache Bangla (Bangladesh) auch Hindi (Indien), Urdu (Pakistan) und Farsi (Iran) und etwas Englisch und Deutsch. Er erzählt mir seine Geschichte. Seit zwei Jahren wartet er auf seinen Asylbescheid. Sein Deutschkurs würde 1700 Euro kosten, er hat aber nur 160 Euro Taschengeld im Monat zur Verfügung. Das geht sich nicht aus, und arbeiten darf er auch nicht offiziell. Er gibt mir seine whatsapp-Nummer, falls ich höre, dass jemand einen Helfer im Garten bräuchte.

16.30: inzwischen hat es an die 37 Grad, ich radle heimwärts, mache aber Rast an der Schwechat. Nur einen Kilometer vom Asylheim entfernt wandern zwei elegante Damen, eine mit Strohhut, die andere im Strandkleid, die Schwechat flussaufwärts. Das Wasser sei angenehm kühl, rufen sie mir entspannt und freundlich zu. Ich bin aber zu bequem meine Sportschuhe auszuziehen und selbst auszuprobieren.

18:00:
Weinstraße, kurz vorm Ziel, fast daheim. Brütende Hitze jetzt auf der Straße. Wie im Backofen. Ich koste ein paar blaue Weintrauben, die reif und üppig an den Rebstöcken hängen. Ich bilde mir ein, noch nie so gute Weintrauben gegessen zu haben . Das muss ein toller Wein werden...

18.30:
Ich gehe doch noch ins Vöslauer Thermalbad, das für diese Zeit - Donnerstag - noch immer ungewöhnlich voll ist.  Einmal durschwimmen im Waldbecken. Das hat allerdings auch schon 26 Grad, die kalte Dusche danach erfrischt mich erst richtig. Was dann noch kam? Ein angeregtes Gespräch mit einer Kabanesin, die mir ein Buch schenkt und mich zum Sommerspritzer einlädt, und die Idee für ein nächstes Interview. Aus dem Sommer einer Kananenbewohnerin im Vöslauer Thermalbad...Ein schönes Bild bietet sie mir, auf einer Liege sitzend im Gärtchen vor ihrer Kabane, mit Blick auf die Föhren im Waldteil des Bades. Ein andermal könne ich sie gerne auch fotografieren, sagt sie. Nur heute nicht, es sei zu heiß...

22 Uhr: In meiner Wohnung hat es 30 Grad, als ich heimkomme. Draußen kommt Wind auf. Ich bilde mir ein, er bringt kühle luft. Einbildung ist bekanntlich das halbe Leben. Denn das Thermometer fällt bis Mitternacht nicht. Die Grillen zirpen, Sommer ist. Ich beginne, meinen heißen und doch schönen Arbeitstag vom 9. August 2018 aufzuschreiben.

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