Agrardiesel
Hohe Kosten, niedrige Erträge: Bauern sind jetzt doppelt gestraft
- Landwirte im Bezirk überlegen sich inzwischen zweimal, ob sie einen Umweg mit dem Traktor fahren.
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Bäuerliche Betriebe im Bezirk stehen unter Druck: Steigende Dieselpreise treffen die Landwirtschaft hart. Die Rücknahme der Agrardiesel-Maßnahmen könnte helfen.
BRUCK/BEZIRK. Der Konflikt im Nahen Osten bringt nicht nur die Weltwirtschaft ins Wanken, sondern auch die Existenz der Bauern in Niederösterreich. Die Kosten steigen, Entlastung fehlt. Der NÖ Bauernbund fordert daher rasches Handeln für faire Wettbewerbsbedingungen.
Mit dem Auslaufen der Agrardieselmaßnahmen 2025 zahlen NÖs Betriebe im EU-Vergleich besonders hohe Treibstoffkosten. Gleichzeitig steigen die Preise für Energie und Betriebsmittel, während die Erlöse etwa bei Milch, Fleisch und Getreide sinken. LKNÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager betont: "Österreichs Bauern bezahlen im internationalen Vergleich zu viel für den Diesel. Diese Situation ist eine bäuerliche Existenzfrage." Auch der NÖ Bauernbunddirektor Paul Nemecek warnt: "Fallende Preise bei steigenden Kosten können nicht lange gut gehen. Wir müssen jetzt die Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen."
Zur Sache: Agrardiesel
In den vergangenen Jahren wurde den österreichischen Bauern – wie auch in anderen EU-Ländern – der CO₂-Preis sowie ein Teil der Mineralölsteuer rückvergütet, um Wettbewerbsgleichheit innerhalb der Europäischen Union herzustellen. Diese befristeten Maßnahmen sind 2025 ausgelaufen.
Bauernbund stößt ins gleiche Horn
Handlungsbedarf sehen auch die Bauern im Bezirk Bruck, wie der Bezirksobmann der Bauernkammer, Gerhard Mörk, erläutert. Schließlich bleibe niemand von der Kostenexplosion verschont: "Nicht nur beim Diesel als unersetzbarer Betriebsmittel für unsere Traktoren, sondern auch Dünger und Pflanzenschutzmittel bestehen zum überwiegenden Anteil aus Erdölprodukten. Es kann sich kein Betrieb diesen Zusatzkosten entziehen."
Sprit bestmöglich nutzen
Der Mannersdorfer Landwirt Andreas Kolb bestätigt das. Er schätzt, dass seine Treibstoffkosten in diesem Jahr um mehr als die Hälfte steigen werden. "Da überlegt man sich jede Fahrt mit den Traktoren zweimal." Eher werden Wege nach Möglichkeit verbunden, um den kostbaren Sprit bestmöglich zu nutzen. Sorgen machen ihm auch die fallenden Preise für landwirtschaftliche Produkte. Besonders schlimm trifft es derzeit die Kartoffelbauern, aber auch die Preise für andere Produkte stagnieren oder sinken. "Letztendlich müssen sich manche Bauern überlegen, ihr Gemüse wieder einzuackern, um wenigstens Humus daraus zu gewinnen."
Ab Hof kaufen unterstützt
Während der COVID19-Pandemie hat die Ab-Hof-Verkauf einen Aufschwung erlebt, der unseren Landwirten auch jetzt weiterhelfen würde. "Zumindest ist Direktvermarktung in Hofläden und Bauernmärkten eine zusätzliche Einnahmequelle", bestätigt Gerhard Mörk. Die massiv gestiegenen Kosten abfedern könne sie aber nicht.
Bezirksobmann Mörk unterstützt die Forderung des Landwirtschaftsministers Norbert Totschnig (ÖVP) nach einer Verlängerung der Agrardieselmaßnahmen: "Kurzfristig kann sie zumindest die Wettbewerbsnachteile innerhalb von Europa verringern."
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