Eiszeit am Neusiedler See
Von historischen Wintern und dem Klimawandel
- Wie steht es um das Eis am Neusiedler See und welche Auswirkungen hat es, wenn der See nicht mehr zufriert.
- Foto: FF-Mörbisch
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Noch vor wenigen Jahrzehnten war eine dicke, geschlossene Eisfläche am Neusiedler See selbstverständlich. Autos fuhren darüber, Eisdiscos zogen zahlreiche Besucherinnen und Besucher an, und monatelang konnte man Eislaufen. Doch der Klimawandel hinterlässt deutliche Spuren: Die Winter im Burgenland werden milder, das Eis dünner – und eine einstige Tradition droht zu verschwinden.
BURGENLAND. Aufzeichnungen über eine geschlossene Eisdecke am Neusiedler See gibt es vom Austrian Institute of Technology (AIT) in Kooperation mit dem Hydrographischen Dienst Burgenland seit 1965. Bis ins Jahr 2005 war der Steppensee bis zu 100 Tagen im Winter mit einer Eisschicht bedeckt. Burgenländerinnen und Burgenländer gingen verschiedenen Wintersportarten nach und wurden dabei zunehmend kreativ. Autos befuhren den See, es wurden Eisdiscos veranstaltet und bis vor einigen Jahren befuhren ganz Mutige die Eisdecke noch mit ihren Fahrrädern, doch die Winter im Burgenland werden milder.
- Der Neusiedler See bot über Jahrzehnte Eislaufvergnügen ohne Ende für die ganze Familie. In den letzten Jahren werden jedoch die "Eis-Tage" immer weniger.
- Foto: Hans Wetzelsdorfer
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Von den Jahren 2010 bis 1019 betrug der Mittelwert der Eisdeckdauer in Tagen am Neusiedler See nur noch 25 Tage im Jahr. Im Vergleich, im Zeitraum 1980 bis 1989 waren es noch im Schnitt 62 Tage.
Der Neusiedler See im Winter
Laut Aufzeichnungen waren die Jahre 1968, 1969, 1986, 1995 und 2005 die Zeiträume, in welchen der Neusiedler See über 100 Tage zugefroren war. Seit 2005 sinkt die Anzahl der Tage jedoch rapide. So blieb im Winter 2021/2022 jegliche ansatzweise Eisbildungen komplett aus. Seit Beginn der Aufzeichnung an der Biologischen Station war dies zum ersten Mal der Fall. Diese Entwicklung wird kritisch gesehen und im Vergleich gesetzt. Am Beginn der 2000er Jahre betrug die vollständige Eisbedeckung noch im Schnitt zwischen vier bis acht Woche. In den letzten Jahren liegt der Durchschnitt unter einer Woche.
Die drei kältesten Winter der Messreihe waren 1939/40 mit einer Winter-Mitteltemperatur (Mittelwert über alle Tages- und Nachtemperaturen des Winters) von -5,3 °C, gefolgt vom Winter 1962/63 mit einer Winter-Mitteltemperatur von -4,8 °C und dem Winter 1946/47 mit einer Winter-Mitteltemperatur von -4,5 °C.
- Von den Jahren 2010 bis 1019 betrug der Mittelwert der Eisdeckdauer in Tagen am Neusiedler See nur noch 25 Tage im Jahr.
- Foto: Franz Tscheinig
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Vonseiten GeoSphere Austria wird ebenfalls bestätigt, dass die Winter speziell in den letzten Jahrzehnten deutlich wärmer wurden. Im Zeitraum 1961 bis 1990 hatte ein durchschnittlicher Winter in Eisenstadt eine Winter-Mitteltemperatur von -0,1 Grad, im Zeitraum 1991 bis 2020 hatte ein durchschnittlicher Winter dagegen schon eine Winter-Mitteltemperatur von +1,3 Grad. Zudem wird angemerkt, dass die wärmsten Winter der Messgeschichte alle in der jüngsten Vergangenheit zu verorten sind. An der Spitze liegt der Winter 2023/24 mit einer Winter-Mitteltemperatur von +4,8 Grad. Die letzten relativ kalten Winter der jüngeren Vergangenheit waren 2002/03 (-1,2 Grad) und 2005/06 (-1,0 Grad). Der aktuelle Winter 2024/25 liegt in Eisenstadt derzeit im Bereich von +1,7 Grad.
Heuer ist der Neusiedler See bereits einmal zugefroren. Die Eisdecke hielt sich allerdings nur einige Tage, wie MeinBezirk berichtete. Die aktuelle Woche brachte einige eisige Tage, die Temperaturen hielten sich im Minusbereich. Der Neusiedler See ist jedoch bisher nicht betretbar und auch die kommende Woche und die angesagten milden Temperaturen lassen die Hoffnungen auf eine tragfähige Eisfläche am See sinken.
Verdunstung und Wasserstand
Auch der rückgängige Niederschlag in der Region rund um den Neusiedler See wird mit Besorgnis beobachtet. So lag dieser im Jahr 2021 bei nur 450 Millimeter und sank im Jahr darauf um weitere 50 Millimeter. Da der durchschnittliche Niederschlag in den letzten fünf Jahren nur noch 500 Millimeter beträgt, dann dieser die örtliche Verdunstung nicht mehr kompensieren. Daher verliert der See an Wasser.
- Für eine tragfähige Eisschicht sind die Winter im Burgenland in den letzten Jahren oft zu mild.
- Foto: renatahfotografie
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Im Winter ist dann ein Wasserschwund zu verzeichnen, wenn starke Stürme aufziehen und das Wasser von Nord nach Süd gedrängt und ins Schilf getrieben wird.
Dabei kann es zu Verlusten kommen, die bei starken Ereignissen bis zu einigen wenigen Zentimetern ausmachen können, berichtet das Referat Hydographie, Neusiedler See auf Nachfrage von MeinBezirk. Abseits solcher Wetterereignisse gibt es im Winter jedoch keine Verluste an Wasser am See zu beklagen. Dies gilt auch für die Versickerung. Die Seewanne ist weitestgehend dicht. Die Verdunstung setzt wieder im April ein.
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