Heiliger Martin
100 Jahre Landespatron des Burgenlandes

Hirtenbrief unseres Herrn Diözesanbischofs Ägidius J. Zsifkovics

Dieser Brief ist kein Kanzelwort im traditionellen Sinn, sondern richtet sich an alle im Burgenland und macht auf den besonderen Anlass „100 Jahre heiliger Martin – Landespatron“ (nicht Diözesanpatron) aufmerksam. | Foto: kathpress
2Bilder
  • Hirtenbrief unseres Herrn Diözesanbischofs Ägidius J. Zsifkovics

    Dieser Brief ist kein Kanzelwort im traditionellen Sinn, sondern richtet sich an alle im Burgenland und macht auf den besonderen Anlass „100 Jahre heiliger Martin – Landespatron“ (nicht Diözesanpatron) aufmerksam.
  • Foto: kathpress
  • hochgeladen von Christian Uchann

Liebe Burgenländerinnen, liebe Burgenländer
und alle, die in unserem Burgenland leben und arbeiten!

EISENSTADT. Das „Kanzelwort“ des Bischofs zum Martinsfest hat Tradition. In diesem Jahr möchte ich allen Burgenländerinnen und Burgenländern schreiben und um Ihre Aufmerksamkeit bitten. Der Anlass: Heiliger Martin – 100 Jahre Landespatron des Burgenlandes. Zum Diözesanpatron hat er es erst vierzig Jahre später geschafft.

Wer ist der heilige Martin?

Martin wurde um das Jahr 316 in Savaria, in Szombathely/Steinamanger in der römischen Provinz Pannonia geboren, er ist am 8. November 397 nahe Tours in Frankreich gestorben, seit über 1500 Jahren ist sein Grab ein Magnet der Pilger. Er war der Begründer des abendländischen Mönchtums, der erste Nichtmärtyrer, der heiliggesprochen wurde. 371 wurde er vom Volk gegen seinen Willen zum Bischof von Tours ausgerufen. Im pannonischen Raum wird er besonders verehrt, Diözesen, Klöster, Kirchen, Pfarren und Orte tragen seinen Namen, auch im Burgenland. Reich ist das Brauchtum um Martini: Verträge wurden geschlossen, Markttage und der Zahltag abgehalten, Martins- und Laternenumzüge, Festessen mit Gans, neuem Wein und Martinskipferl, Martiniloben, Martinsfeuer, Martinisegen und Martinslieder weisen auf ihn.

Was hat der heilige Martin mit dem Burgenland zu tun?

Dass der heilige Martin Landespatron wurde, hat eher politische als religiöse Gründe. Man wollte sich von der alten ungarischen Heimat, die den heiligen König Stephan verehrte, abgrenzen. Westungarn, das heutige Burgenland, war wirtschaftlich, strukturell und kulturell heruntergefahren, verarmt und vergessen. Viele Tausende sahen ihre Zukunft in der Auswanderung. Als eigenes Bundesland kaum überlebensfähig, brauchte es eine neue Identität. So bat die burgenländische Landesregierung in einem Schreiben an die Apostolische Administration des Burgenlandes, den heiligen Martin zum Landespatron des Burgenlandes zu erheben. Es sollte viele Jahre dauern: Weltkrieg, Nationalsozialismus, die Tilgung des Burgenlandes von der Landkarte, die Auslöschung jüdischen Lebens, die Vertreibung der Roma und kirchenfeindliches Agieren ließen den Landespatron nicht aufkommen. Das ist ein Stück unserer Geschichte, sie darf nicht verdrängt werden.

Was heute als Wohlstand glänzt, ist nicht nur gut, oft bröckelt es hinter den Fassaden. Es gibt Armut, Streit und Zerrissenheit, Neid, Gier, Verschuldung und Schuldzuweisungen, Geschwätz und Intoleranz. Manches hat sich in den letzten Jahren verstärkt, Apelle zur Toleranz verhallen oft ungehört. In einer

Ellbogengesellschaft hat auch Gott keinen Platz, er stört. Gott bleibt ein Fremder im eigenen Haus. Die Kirche als Volk Gottes und Gemeinschaft der Glaubenden ist für viele zu einer unbeweglichen Institution erstarrt und zudem verdächtig, Wasser zu predigen und Wein zu trinken.

Krieg ist wieder die neue Wirklichkeit. Die Wirtschaft stümpert, Zukunftsängste, Umweltzerstörung, Verschwörungen, Flucht und Überfremdung, Wissenschaftsskepsis machen das Leben nicht lebenswerter. Es scheint: Wir leben in einer verkehrten Welt, sie ist aus den Angeln geraten, die Zukunft schwächelt.

Deshalb braucht es heute den heiligen Martin!

Der Heilige Martin feiert Jubiläum.  | Foto: Diözese
  • Der Heilige Martin feiert Jubiläum.
  • Foto: Diözese
  • hochgeladen von Stefan Schneider

Wozu ermutigt uns der heilige Martin?

Der Bischof liefert kein Rezept, der Superintendent wird sich auf den Heiligen kaum berufen. Die politischen Verantwortungsträger im Land, die Sozialpartner, die Wirtschaftsbosse, die Pädagogen und Pfarrer werden nicht ständig beim heiligen Martin nachfragen. Und doch tragen wir alle Verantwortung.

Wir können Versöhnung stiften, Streit überwinden und den Einsatz für Frieden wagen.
Wir können das Leben in all seinen Bereichen mitgestalten, ein Einsatz, der uns fordert.

Wir müssen das Gemeinsame in Kirchen, Politik und Gesellschaft vor das Trennende stellen. Die Volksgruppen in unserem Land und das Miteinander in der Ökumene der Kirchen sind eine große Bereicherung.
Wir sollten miteinander reden, der digitale Rückzug in die Echokammern der sozialen Medien treibt uns in die Sprachlosigkeit einer virtuellen Welt. Der Bildschirm ist kein Ersatz für Begegnung.

Es braucht Ehrfurcht für die Menschen. Kinder und Alte, Behinderte, Kranke, Pflegebedürftige, Arbeitende und Arbeitsunfähige, Ungeborene und Verstorbene haben in unserem Leben Platz. Wir müssen Solidarität, Mitgefühl und Mitleid großschreiben. Leben ohne Empathie und Sympathie verkümmert. Gastfreundschaft ist eine Sprache des Herzens. Nur wer mit anderen Leben teilt, gewinnt. Die neu Zugezogenen in unserem Land sind eine Bereicherung, es darf niemand fremd bleiben.

Wir müssen Hoffnung schmieden, sie darf uns nicht ausgehen. Das Leben ist mehr als Unterhaltung und Kabarett.

Die Kirche ist bunt. Ständige Erneuerung gehört zur Kirche, nur dann kann sie im Leben Fuß fassen. Die Synode in Rom zeigt uns: Die Kirche ist auf einer guten Spur. Ihr Auftrag ist: „Für die Menschen da sein!“

Ich bitte Sie alle: Setzen wir Martinstaten!

Der Schlüssel zu allen Martinstaten und der Versuch, den heiligen Martin zu verstehen, gründet in der Frage: Wie halte ich es mit Gott, der mit uns immer noch Heilsgeschichte schreibt? Von dieser Freundschaft mit Gott war das Leben und Tun unseres Landes- und Diözesanpatrons bestimmt.

Vor 100 Jahren wurde die Evangelische Superintendenz Burgenland gegründet. Ich wünsche unserer Schwesterkirche Gottes Segen und unseren Kirchen auch in Zukunft ein gutes christliches Miteinander und Füreinander!

2024, im Jubiläumsjahr unseres Landespatrons, wird uns eine gemeinsame Pilgerreise zum heiligen Martin nach Tours führen. Möge diese ein Pilgerweg der Hoffnung sein.

Der heilige Martin sei uns allen und unserem Burgenland ein Fürsprecher und Wegbegleiter heute und in Zukunft!

Hirtenbrief unseres Herrn Diözesanbischofs Ägidius J. Zsifkovics

Dieser Brief ist kein Kanzelwort im traditionellen Sinn, sondern richtet sich an alle im Burgenland und macht auf den besonderen Anlass „100 Jahre heiliger Martin – Landespatron“ (nicht Diözesanpatron) aufmerksam. | Foto: kathpress
Der Heilige Martin feiert Jubiläum.  | Foto: Diözese
Push-Nachrichten auf dein Handy
MeinBezirk auf Facebook verfolgen
MeinBezirk als ePaper durchblättern
Newsletter deines Bezirks abonnieren
Anzeige
Mitmachen und 10x2 Public-Tickets für die UEFA Nations League gewinnen! | Foto: GEPA pictures/ Magenta
3

Gewinnspiel
⚽ Gewinne mit Magenta 10x2 Tickets für Österreich vs. Kosovo!

Magenta – offizieller Premium Partner des österreichischen Nationalteams – verlost unter allen Fußballfans 10x2 Public-Tickets für die UEFA Nations League! Die Gewinnerinnen und Gewinner dürfen sich auf ein spannendes Match am Sonntag, dem 27. September, um 18:00 Uhr im Ernst-Happel-Stadion in Wien freuen. Die UEFA Nations League bringt Europas Nationalteams in packenden Duellen zusammen. Wenn Österreich am 27. September vor heimischem Publikum auf Kosovo trifft, erwartet die Fans ein...

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Neu auf MeinBezirk.at
Sudoku - gratis und so oft du willst, spiele jetzt!

Jetzt kannst du Sudoku auf MeinBezirk.at spielen - gratis und unbegrenzt. So spielst du Sudoku: Wähle deinen gewünschten Schwierigkeitsgrad: leicht, mittel, schwer. Klicke ins gewünschte Feld, setze eine Zahl von 1 bis 9 ein - und fülle alle leeren Felder. Ziel des Rätsels: In jeder Zeile (waagrecht), Spalte (senkrecht) und jedem Block (3 mal 3 Zellen) soll jede Ziffer genau nur einmal vorkommen.

Pflanzen gießen, Haare schneiden, fasten: Der MeinBezirk-Mondkalender verrät dir, wann der beste Zeitpunkt dafür ist. | Foto: RegionalMedien Burgenland
1 3

Gesundheit, Garten, Schönheit
Mondkalender aktuell für den September 2026

Magie der Mondphasen: Nutze die Kraft des Mondes für Gartenarbeit, Ernährung und Mondrituale, um im Einklang mit der Natur zu leben. BURGENLAND. Seit Jahrtausenden ziehen Menschen Erscheinungen der Natur und Himmelsphänomene zu Rate, wenn es darum geht, Entscheidungen des täglichen Lebens zu treffen. Vor allem der Mond und seine Zyklen werden seit jeher gerne als Orientierungspunkte genutzt, um den besten Zeitpunkt für bestimmte Tätigkeiten zu finden. Vollmond und Neumond: Termine im...

1

Benzin- & Dieselpreise
Die billigsten Tankstellen im Burgenland

Hier erfährst du täglich, wo im Burgenland die billigsten Tankstellen zu finden sind, wie man günstig tankt, und wie man Sprit sparen kann - immer AKTUELL. BURGENLAND. In ganz Österreich ist es immer am günstigsten, am Vormittag zu tanken. Denn Tankstellen dürfen nur einmal täglich um 12 Uhr die Spritpreise erhöhen. Preissenkungen sind jedoch jederzeit in unbegrenzter Anzahl und Ausmaß möglich. Wir aktualisieren die Liste der günstigsten Tankstellen im Burgenland täglich mit den aktuell...

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.