Leithaprodersdorf
Tierarzt wird mit „derviechdoktor“ zum Instagram-Star
- Ob niedliche Welpen, spannende Behandlungsfälle oder hilfreiche Ratschläge – Tierarzt Simon Reinelt begeistert seit mehr als einem Jahr tausende Follower auf Instagram.
- Foto: Simon Reinelt/derviechdoktor
- hochgeladen von Barbara Babonitsch-Diewald
Als Simon Reinelt vor rund einem Jahr begann, Einblicke aus dem Alltag seiner Tierarztpraxis auf Instagram zu teilen, hätte wohl niemand mit dieser Entwicklung gerechnet: Heute folgen rund 174.000 Menschen dem Instagram-Kanal "derviechdoktor". Der Tierarzt in zweiter Generation führt eine der größten Tierarztpraxen Österreichs in der Gemeinde Leithaprodersdorf. Im Gespräch mit MeinBezirk erzählt Reinelt, wie aus alltäglichen Tierarztgeschichten ein Social Media-Erfolg wurde.
LEITHAPRODERSDORF. "Im Zuge eines Projektes für einen Vortrag an der Uni, wollte ich testen, wie wichtig Social Media für einen Tierarzt ist", so Reinelt über seine Anfänge. "Ja und dann waren es innerhalb von zwei Monaten gleich einmal 8.000 Follower." Im Zuge der Projektarbeiten merkte er schnell, dass es ihm wichtig ist, Aufklärungsarbeit zu leisten: "Im Netz gibt es viele Stimmen, die keine Ahnung in puncto Tiere, Diagnosen, Behandlungsmethoden haben, hier setzte ich an." Von seinem Vater - der ebenfalls noch praktizierender Tierarzt ist - habe der Leithaprodersdorfer gelernt, wie wichtig es ist, Themen kurz und verständlich zusammenzufassen, keine Fachausdrücke zu verwenden, Dinge zu erklären, ohne lehrerhaft zu wirken, inklusive einer Prise Humor. "Das funktioniert gut, der Erfolg gibt mir recht."
- Behind The Scenes: Simon Reinelt bei einem Dreh für Instagram.
- Foto: Simon Reinelt/derviechdoktor
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Umfangreiches Repertoire an Wissen
Durch seine große Reichweite erhält der Tierarzt mittlerweile unzählige Anfragen – und das nicht nur aus Österreich. E-Mails mit der Bitte um eine Zweitmeinung sind nichts Ungewöhnliches. Alle Anfragen zu beantworten, sei jedoch aufgrund der Menge allerdings längst nicht mehr möglich. Dennoch versuche er, so vielen Tierbesitzern wie möglich weiterzuhelfen. "Oft geht es darum, eine fachliche Einschätzung zu geben oder eine Richtung aufzuzeigen“, erklärt er. Dabei profitiert er von der Erfahrung der Tierarztpraxis: Mit 200 bis 300 Fällen täglich sammeln er und sein 50-köpfiges Team ein enormes Wissen und können auf ein außergewöhnlich breites Spektrum an Erfahrungen zurückgreifen. "Wir sehen jeden Tag sehr viele unterschiedliche Krankheitsbilder – auch solche, die andere Tierärzte vielleicht nur selten zu Gesicht bekommen.“
Kooperationen ja oder nein?
Verdient der Tierarzt auch Geld mit seinem Social-Media-Auftritt? "Das könnte ich, wenn ich wollen würde, aber bis jetzt habe ich mir noch keine wesentlichen Gedanken darüber gemacht. In der Praxis ist so viel zu tun, da läuft das Social Media eher nebenbei. Vorrangig geht es mir dabei ja um Spaß und Aufklärung."
Werbepartnerschaften kämen für Reinelt nur dann infrage, wenn er das Produkt selbst gut finden und uneingeschränkt dahinterstehen könne. "Eine erste Kooperation gab es allerdings doch - ich wurde gemeinsam mit 15 Creator:innen, darunter fünf "Vetfluencer" und zehn "Petfluencer", nach London eingeladen, um durch unsere Reichweite und Bekanntheit über die mittlerweile ganzjährige Zeckengefahr aufmerksam zu machen. Das spiegelt sich leider auch in meinem Praxisalltag wider."
- Hund Willi ganz entspannt beim Abhören seines Herzens.
- Foto: Simon Reinelt/derviechdoktor
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Hausmittel & Co.
Für die Follower besonders interessant sind die "Alltagsgeschichten“ des Tierarztes. "Ich nehme sie dann gerne einen Tag mit in die Praxis und zeige verschiedene Momentaufnahmen mit den Tieren. Darunter Behandlungsmethoden, Diagnosen, aber auch - und das ist besonders beliebt - die Anwendung von Hausmitteln." Darunter u.a. eine Morosche Karottensuppe bei Durchfall oder Banane mit fettarmen Joghurt bei Sodbrennen. "Ja, und was natürlich immer gerne gesehen wird, sind kleine Tiere und vor allem Welpen."
Bewegende Momente
Zwei Tiere wird Reinelt nie vergessen – den kleinsten und den schwersten Patienten seiner bisherigen Karriere. Da war "Flusi“, ein dsungarischer Zwerghamster mit gerade einmal rund 40 Gramm Körpergewicht. Bei dem winzigen Nager musste ein Tumor entfernt werden. "Die Operation war mit einer Hochrisiko-Narkose verbunden, und bei einem so kleinen Tier sind die medizinischen Möglichkeiten deutlich begrenzter." Umso größer war die Freude, als die Operation erfolgreich verlaufen ist. Besonders beeindruckt hat ihn die Hingabe der Besitzer. "Sie waren bereit, Energie und Geld zu investieren, um ihrem Tier zu helfen. Dass am Ende alles funktioniert hat, war ein unglaublich schöner Moment.“
Abschied nehmen
Am anderen Ende der Skala steht sein größter Patient: ein Bernhardiner mit rund 100 Kilogramm Körpergewicht. Über fünf Jahre hinweg betreute der Tierarzt den Hund mit einem schweren Herzleiden und begleitete ihn schließlich auch auf seinem letzten Weg. Besonders berührt hat ihn die Reaktion der Besitzerin nach dem Abschied. Wochen später bedankte sie sich noch einmal ausdrücklich dafür, dass er sie in dieser schweren Zeit begleitet hatte. Gerade die Begleitung am Lebensende zählt für Reinelt zu den emotionalsten Aufgaben seines Berufs. "In solchen Momenten fallen oft alle Schutzmauern. Die Menschen müssen sich nicht zusammenreißen, keine Tränen zurückhalten. Trauer darf da sein.“
Gute Grundeinstellung
Bei aller Technik und moderner Diagnostik bleibt für den Tierarzt eines entscheidend: der gesunde Hausverstand und ein gutes Gespür. "Man darf nie vergessen, das Tier als Ganzes zu betrachten.“ Auch nach außen vertritt er diese Werte: ehrliche Aufklärung, notwendige statt maximale Medizin und der Fokus auf das Wohl des Tieres. Seine Leidenschaft dafür ist ungebrochen. "Ich danke auch meinem Vater, der die Praxis, sein ‚Baby‘, erfolgreich aufgebaut hat und wir es jetzt gemeinsam weiterführen."
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